Microsoft schafft es: Warum die Aktie wieder Spitze ist

Microsoft hat eine lange Durststrecke hinter sich. Lange kam niemand an dem Software-Giganten vorbei, die marktdominante Stellung im Segment der stationären Desktop-Computer ist nach wie vor unangefochten. Vor allem im Büro-Kontext läuft das Geschäft nach wie vor rund.

Doch im Privatkundensegment ist der Dino inzwischen weit abgeschlagen. Erst wollte man den Trend zu Smartphones und Tablets nicht wahrhaben, dann hat man sich ihm – viel zu spät – zähneknirschend gebeugt und ist mit Eigenentwicklungen erst einmal gegen die Wand gefahren.

Der Markt war schlichtweg schon aufgeteilt zwischen Apple, Google, Samsung und weiteren Anbietern, niemand brauchte mehr ein Windows-Phone, als es endlich Marktreife erlangt hatte. Ähnlich desaströs verlief der Start des hauseigenen Tablets „Surface“, das erst Entwicklungskosten in Milliardenhöhe verschlang und dann zum Ladenhüter wurde.

Führungswechsel als Rettungsanker

Es waren bereits erste Abgesänge auf Microsoft zu vernehmen, als der Konzern scheinbar endlich zur Vernunft kam. Steve Ballmer verkündete seinen Rückzug nach mehr als einem Jahrzehnt an der Spitze von Microsoft. Mit ihm nahm ein lauter, unbequemer Mann seinen Hut, der vor allem darauf gesetzt hatte, das alte System gegen Innovationen zu verteidigen.

Es wurde am Bestehenden herumgeschraubt und verschlimmbessert, den Anschluss aber schien Microsoft bereits verpasst zu haben.

Nun allerdings keimt neue Hoffnung bei den Anhängern und Aktionären des Konzerns: Mit Satya Nadella an der Spitze könnte vieles besser werden.

Der gebürtige Inder ist nicht nur vom Typ her ein krasser Gegenentwurf zu seinem Vorgänger. Im Gegensatz zu Ballmer hat er die Notwendigkeit zum radikalen Umbau nicht nur erkannt, sondern ist auch bereit, diesen zu vollziehen.

Strategiewechsel: Innovation statt Tradition

„Cloud first, mobile first“ lautet Nadellas Devise. Microsoft wird künftig stärker auf Dienstleistungs- und Serviceangebote rund um den mobilen Speicherplatz setzen. In diesem Segment muss man dann auch nicht der Konkurrenz hinterherlaufen, sondern kann selbst von Anfang an mitgestalten.

Darüber hinaus zeigt sich Microsoft inzwischen offener für Kooperationen mit Konkurrenten wie Apple. Früher oder später musste man realisieren, dass der Nutzer neben seinem Microsoft-PC eben auch ein Apple-Tablet benutzt und auf diesem seine Dokumente bearbeiten will.

Die Kompatibilität des eigenen Systems mit Programmen der Wettbewerber ist allerdings nicht nur für Microsoft eine Herausforderung. Auch Apples Systeme sind bekannt als goldener Käfig, viele Anwendungen sind abgeschottet und auf das hauseigene System geeicht, sodass ein Wechsel schwerfällt. Was allerdings bei Apple zum Erfolg beiträgt, erwies sich bei Microsoft zunehmend als Hemmklotz, den es nun nachhaltig zu überwinden gilt.

Anleger und Analysten sind höchst erfreut über den Kursschwenk unter der neuen Konzernführung. Die Aktie hat 2014 kräftig zugelegt von knapp 38 US-Dollar auf mittlerweile über 45 Dollar. Das Jahreshoch im November lag sogar bei rund 50 Dollar beziehungsweise gut 40 Euro. Experten sind sich einig: Auch 2015 bietet weiteres Wachstumspotenzial.

Weihnachtsgeschäft lässt hoffen

Ein Sahnehäubchen lieferte auch das Weihnachtsgeschäft. Hardware-Produkte wie die Spielekonsole Xbox oder die Nokia-Smartphones der Lumia-Reihe gingen vermehrt über die Ladentische. Sogar das Microsoft-Tablet „Surface“ konnte einige Abnehmer gewinnen.

Als Kassenschlager erwies sich außerdem der Handgelenk-Minirechner „Band“, der Daten wie Körpertemperatur oder Herzfrequenz misst und bereits kurz nach der Markteinführung ausverkauft war.

So kommt es, dass die totgeglaubte Microsoft-Aktie im abgelaufenen Jahr wieder ordentlich an Fahrt aufnehmen konnte und von Analysten zum Kauf empfohlen wird. Das Kursziel sehen sie inzwischen bei 50 bis 60 US-Dollar.

2. Januar 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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