Microsoft: Steht der nächste Milliardendeal vor der Tür?

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Chat-Dienst Discord im Visier von Microsoft: Software-Riese könnte vor zweitgrößter Übernahme der Firmengeschichte stehen. Kolportierter Übernahmepreis von 10 Milliarden Dollar wäre ein kräftiger Schluck aus der Pulle (Foto: Volodymyr Kyrylyuk / shutterstock.com)

Gerade einmal zwei Wochen ist es her, dass der US-Software-Riese Microsoft die 7,5 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Videospielespezialisten Zenimax in trockene Tücher gebracht hat und schon gibt es neue Spekulationen. Laut Berichten des Informationsdienstleisters Bloomberg soll Microsoft Interesse an der Chatplattform Discord haben.

Nachdem schon länger Übernahmegerüchte im Umlauf waren, macht nun mit Microsoft ein prominenter Käufername die Runde. Der Deal hätte es in sich. Mit einem kolportierten Transaktionswert von 10 Milliarden Dollar wäre die Übernahme immerhin der zweitgrößte Zukauf in Microsofts Firmengeschichte.

Wer hinter Discord steckt

Hinter Discord verbirgt sich eine populäre Chat-Plattform, die mittlerweile mehr als 140 Millionen monatliche Nutzer zählt. Gestartet ist Discord im Jahr 2015 als Onlinedienst für Sprach-, Video- und Textkommunikation, der sich anfangs vor allem auf Computerspieler fokussierte. Auf Grund der Corona-Pandemie hat sich der Nutzerkreis aber deutlich ausgeweitet. Inzwischen nutzen auch immer mehr Privat- und Geschäftsleute die Plattform.

Discord fährt zweigleisig

Laut informierten Kreisen hat Discord offenbar mehrere Firmen bezüglich eines möglichen Verkaufs kontaktiert. Darunter soll sich entsprechend auch der Softwarekonzern Microsoft befinden. Die Gespräche scheinen sich aber noch in einem frühen Stadium zu befinden. Darüber hinaus behält sich Discord auch noch einen anderen Weg vor: Als Alternative zu einem Verkauf steht immer noch ein möglicher Börsengang im Raum.

Gaming-Sparte gewinnt für Microsoft an Bedeutung

Dass sich Gerüchte um Microsoft als möglichen Käufer ranken, kommt nicht von ungefähr. Zum einen gilt das Geschäft mit Videospielen als lukrativer Wachstumsmarkt, auch bei Microsoft. Im zurückliegenden Quartal (Oktober bis Dezember) erreichte die Gaming-Sparte bei Microsoft immerhin einen Umsatzplus von 51% und knackte erstmals die 5 Milliarden Dollar-Marke. Damit wird das Geschäft immer wichtiger.

Microsoft ist im Videospielemarkt mit der „Xbox“-Konsole bereits einer der weltweit drei großen Player neben den japanischen Wettbewerbern Nintendo („Switch“) und Sony („Playstation“). In 2020 erlebt das Videospielegeschäft auch Pandemie-bedingt einen außerordentlich kräftigen Rückenwind. Wie ernst es der Konzern meint, hat zuletzt die Zenimax-Übernahme für 7,5 Milliarden Dollar gezeigt. Zenimax Media ist die Muttergesellschaft des großen US-amerikanischen Spieleentwicklers Bethesda Softworks, das unter anderem für Spiele wie „Doom“, „Fallout“, „Skyrim“, „The Elder Scrolls“ und „Wolfenstein“ bekannt ist. Insgesamt beschäftigt die Firma 2.300 Mitarbeiter.

Verschiedene Optionen für Discord nach Übernahme denkbar

Sollte es zu einem Deal kommen, dann hat Microsoft Insidern zufolge verschiedene Handlungsoptionen: Entweder könnte mit Discord die hauseigene Text- und Sprach-basierte Kommunikationsplattform Teams entscheidend ausgebaut werden oder Discord ausschließlich für Spieler positioniert werden.

Ein kräftiger Schluck aus der Pulle wäre die Übernahme allemal. Bei einem Firmenwert von 10 Milliarden Dollar wäre die Transaktion nach der 26 Milliarden Dollar-Übernahme von Linkedin vor fünf Jahren der zweitgrößte Zukauf der Firmengeschichte. Bei Linkedin gelang dem Software-Giganten eine vorbildliche Integration, die sich auch wirtschaftlich ausgezahlt hat. Bei Discord müsste noch eine Monetarisierungsstrategie entwickelt werden. Bislang ist die Nutzung des Dienstes nämlich noch kostenlos.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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