Microsoft: Warum der Softwareriese Gitbub wirklich schluckt

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Microsoft und der Milliarden-Deal: Was wirklich hinter der Übernahme des Start Ups steckt. Softwareriese will zurück zu seinen Wurzeln (Foto: dennizn / Shutterstock.com)

Die Meldung schlug ein wie eine Bombe. Vor wenigen Tagen verkündete der Softwaregigant Microsoft die milliardenschwere Übernahme der Softwareplattform Github. Das Kalkül hinter dem Deal liegt auf der Hand: Microsoft will sein Image als angestaubter Windows-Fabrikant ablegen und wieder als innovativer Softwarekonzern glänzen. Zurück zu den Wurzeln lautet das Motto. Die Abhängigkeit von Windows-Produkten soll in den kommenden Jahren deutlich reduziert werden.

Was hinter Github steckt

Die Github-Übernahme lässt sich Microsoft immerhin 7,5 Milliarden Dollar kosten. Mit der strammen Offerte hat Microsoft laut Insidern andere Interessenten wie Amazon und Google ausgestochen. Dafür erhält der Konzern einen webbasierten Onlinedienst, mit dem Entwickler Programmcodes und Anleitungen austauschen und gemeinsam verbessern können.

In neudeutsch wird das Open Source-Entwicklung genannt. Der Kaufpreis wirkt auf den ersten Blick alles andere als ein Schnäppchen. Sie müssen wissen: Das Startup wurde vor 10 Jahren gegründet. In der letzten Finanzierungsrunde über 350 Millionen Euro vor drei Jahren war das Unternehmen noch mit 2 Milliarden Dollar bewertet worden.

Aber Github ist beileibe keine kleine Nummer. Insgesamt arbeiten auf der Plattform mehr als 28 Millionen Entwickler an gut 80 Millionen Projekten. Mehr als 1,8 Millionen Unternehmen und Organisationen rund um die Welt nutzen die Plattform. Auch Entwickler von Microsoft gehören zu den fleißigen Nutzern von Github.

Finanziell tragfähiges Geschäftsmodell gesucht

Trotz seiner Beliebtheit in der Programmierszene verharrt Github weiterhin in der Verlustzone. 2016 verlor es über drei Quartale 66 Millionen Dollar und wies einen Umsatz von 98 Millionen Dollar aus. Einzige Einnahmequelle war eine Gebühr, die für Nutzer mit größeren Zugriffsrechten verlangt wurde. Sie beträgt zwischen 7 und 21 Dollar pro Nutzer. Im August 2017 hatte Github-Gründer Chris Wanstrath erklärt, dass das Unternehmen rund 200 Millionen Dollar Umsatz im Jahr machen könne.

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Entwickler-Community soll stärker an Microsoft gebunden werden

Mit der Übernahme will der Softwarekonzern die Entwickler-Community stärker an sich binden. Firmenboss Satya Nadella will die Microsoft-Werkzeuge wie beispielsweise die Cloud-Plattform Azure stärker in neuen Zielgruppen verbreiten. Dabei soll die Plattform aber weiterhin offen zugänglich sein. Die Nutzer sollen auch zukünftig jegliche Software auf Github entwickeln, auch für Microsoft-Konkurrenten.

Zukauf bringt Anleger in Feierlaune

Während Branchenexperten noch über die Hintergründe des Deals und die Zukunft von Github diskutieren, lassen die Aktionäre bereits die Korken knallen. Nach der Übernahme kletterte der Kurs der Microsoft Papiere auf über 102 Dollar und markierte damit das höchste Niveau der Firmengeschichte. Damit haben die Aktien alleine in den zurückliegenden fünf Jahren um über 190% an Wert zugelegt.

Alle Augen schauen auf die Integration

Unterdessen dürfte es entscheidend sein, wie die Integration der Github-Dienste in das Microsoft-Netzwerk gelingt. Genau wie Linkedin (Anm.: Microsoft Übernahme in 2016) soll Github eigenständig bleiben. Bei der milliardenschweren Übernahme von Skype für 8,5 Milliarden Dollar in 2011 oder dem Zukauf der Aufgaben-App Wunderlist für 220 Millionen Dollar in 2015 hat Microsoft kein so glückliches Händchen bewiesen. Beide viel gepriesenen Deals entpuppten sich im Nachhinein als Flop.

Jetzt kann der Softwaregigant das Gegenteil beweisen. Zwar wirkt der direkte Effekt auf den Umsatz gering (200 Millionen Dollar vs. Microsoft 26,82 Milliarden Dollar), aber der Zugriff auf die Github-Kunden könnte den entscheidenden Hebel zur Ertragssteigerung umlegen.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.