Mieser Aktienmarkt: Nur Panikmache oder steckt doch mehr dahinter?

Deutschland Aktien shutterstock_401691988 gopixa

Der Handelsstreit zwischen den USA und China eskaliert immer weiter und belastet damit die Aktienmärkte. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Ich denke, Sie werden mir zustimmen, wenn ich Ihnen schreibe: „Derzeit machen die Aktienmärkte wenig Spaß!“

Seit Anfang August werden die Kurse nahezu ausschließlich nur noch vom Ge-Twitter des amerikanischen Präsidenten bestimmt. Erst haut er im Handelsstreit mit China kräftig auf Pauke, nur um wenige Tage später aus wahltaktischen Gründen einen teilweisen Rückzieher zu vollziehen.

Am vergangenen Freitag zog er die Daumenschrauben noch weiter an als bisher: Die Indizes der Wall Street brachen daraufhin um -3% ein. Und weil am Wochenende gerade zufällig G7-Gipfel war, signalisierten die Chinesen wieder einmal Gesprächsbereitschaft – also gehen die Notierungen heute wieder nach oben.

Ganz ehrlich? Wenn an den Finanzmärkten nur noch das Zufallsprinzip (oder ist es gar eine Massen-Manipulation via Social Media?) herrscht, dann lassen sich darauf keine verlässlichen Investments gründen!

Ich schaue für Sie daher heute mal aus einem völlig anderen Blickwinkel auf den DAX. Lassen Sie sich überraschen!

August, September, Oktober – war da nicht mal was?

August 2011: Der DAX verlor in jenem Monat -19,2% an Wert und im September gleich noch mal -4,8%. Diese Wochen gingen als der Herbst-Crash von 211 in die Börsengeschichte ein.

September 2002: Damals stürzte der deutsche Leitindex sogar um satte -25,4% ab! Damit wurde zugleich die finale Phase der seit 2001 andauernden Baisse eingeleitet, die auf die geplatzte Internet-Blase folgte.

Oktober 1987: Die Älteren unter Ihnen werden sich noch an den Börsen-Crash erinnern: Mir hat er sich als jungem Börsianer mit dem Tagesverlust von mehr als -25% im Dow Jones am Montag, den 19. Oktober ins Gedächtnis gemeißelt. Der DAX verlor in jenem Horror-Monat satte -21,5%.

Wie war das noch mit „Sell in May …“?

Und dann gibt es da doch noch diese Börsenregel „Sell in May and stay away!“ („Verkaufe im Mai und bleibe dem Aktienmarkt fern!“)

Tatsächlich gibt es dazu sogar noch eine Erweiterung: „But remember, to come back in November!“ („Doch denke daran, im November wieder einzusteigen!“)

Diese Regel vermittelt den Eindruck, dass sich das Börsenjahr in eine gute und eine schlechte Hälfte unterteilt: Danach sollen die Kurse von November bis Mai tendenziell steigen und von Juni bis Oktober eher fallen.

Die Abwärtshälfte endet somit in den bereits erwähnten, vermeintlichen Krisen-Monaten August, September und Oktober. Kommt das derzeitige Hin und Her am Ende also nicht von ungefähr?

Ein Blick in die Statistik

Wenn Sie schon länger Chartanalyse-Trends-Leser sind, dann haben Sie vielleicht schon mal mitbekommen, dass ich über diverse Datenbanken verfüge, in denen ich von mir favorisierte Statistiken verfolge.

So schaue ich beispielsweise beim DAX auf die monatlichen Schlusskurse und messe die Veränderungen zum Vormonat. Und das bereits seit Ende 1959.

Jetzt werden Sie zu Recht einwenden, dass es den DAX damals ja noch gar nicht gab. Richtig: Der deutsche Aktienindex ging erst im Juli 1988 an den Start. Aber:

Er wurde fortgeführt auf der Basis des Index der Börsenzeitung. Und dessen Aufzeichnungen reichen bis 1959 zurück.

Die DAX-Wahrheit über August, September und Oktober

Doch genug der Vorrede: Was sagt denn nun meine Statistik zu dem Kursverhalten des DAX im August, September und Oktober? Sind das wirklich die vielbeschworenen Krisen-Monate?

Der August steht in der Rangliste der besten Kalendermonate eines Jahres auf Platz 7: In 26 der bislang 59 Augustmonate endete der DAX im Minus. Somit liegt die Wahrscheinlichkeit für einen freundlichen August bei 55,93%.

Saldiert man alle August-Ergebnisse, dann sieht das Bild mit -14,69% (im Durchschnitt aller 59 Jahre: -0,25%) indes signifikant schlechter aus. Und das wiederum ist das zweitschlechteste Ergebnis aller 12 Kalendermonate.

Noch übler wird es im September: In den gerade beschriebenen Kategorien belegt er jeweils Rang 12. Gleich 36x in 59 Jahrgängen verzeichnete der DAX in diesem Zeitraum ein Minus: Die Chance auf einen positiven Verlauf liegt damit lediglich bei knapp 39,0%.

Der Saldo aller Oktobermonate seit 1960 ergibt -101,76%, was einem Durchschnitt von -1,72% entspricht.

Und der Oktober? Mit überraschenden 35 positiven Ergebnissen in 59 Jahren belegt er Rang 6. Die Wahrscheinlichkeit für ein Plus im DAX liegt somit bei 59,32%.

Der Saldo aller DAX-Veränderungen im Oktober seit 1959 erreicht +53,76%, was einem Durchschnitt von +0,91% und Rang 7 entspricht.

Fazit

Oberflächlich betrachtet sorgen Donald Trump mit seiner Eskalation im Handelsstreit mit China und die daraus resultierenden Reaktionen des Reichs der Mitte für die Turbulenzen am Aktienmarkt.

Tatsächlich hat das Auf und Ab im August gute Tradition, wie Ihnen die Auswertung meine Statistik-Datenbank zeigt. Noch schlimmer ist indes der kurz bevorstehende September, der sich als der übelste Monat im Kalenderjahr für Investoren erweist.

Der Oktober schließlich ist nicht gar so schlecht, wie sein Ruf, der ihm vorauseilt. Allerdings sollten Sie von ihm börsentechnisch auch nicht allzu viel erwarten.

Angesichts der jüngsten Turbulenzen und meiner Statistik-Analyse rate ich Ihnen, in den kommenden Wochen deutlich vorsichtiger am Aktienmarkt und speziell im DAX unterwegs zu sein!

Dax30 – Was machen die Hexen?

Dax30 – Was machen die Hexen?Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe des Video-Newsletters John Gossens Daily Dax. Täglich analysiere ich zwei Mal für Sie die internationalen Aktienmärkte und morgens starten wir immer mit dem Blick… › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Andreas Sommer. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz