Milchmädchenrechnung beim DAX: Indexanleihe mit Kapitalschutz?

Eine neue Anleihe der RBS auf den DAX ist am Markt: 4,5% Zinsen erhalten Sie fix.

Das heißt: Sie zeichnen eine Indexanleihe oder ein Zertifikat mit „normalem“ Zinssatz.

Wenn der DAX bis zum Laufzeitende – Stichtag ist 18. Juli 2013 – nicht um 40% zurücksetzt und entsprechend auf gut 3800 Punkte gesunken ist, dann können Sie sogar auf eine Rückzahlung in Höhe von 100% setzen.

Klingt erst einmal gut …

Das heißt: Sie erhalten vollkommenen Kapitalschutz für den Fall, dass der DAX nicht ungewöhnlich stark sinkt. Dies sieht auf den 1. Blick gut aus.

Denn: Dass der DAX so stark sinkt, sieht nicht nur auf den 1., sondern auch auf den 2. und 3. Blick sehr unwahrscheinlich aus.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des Indizes liegt bei einem Wert von aktuell 8,5 oder sogar noch etwas besser. Bei stabilen Gewinnen der Unternehmen wird der DAX nicht allzu stark sinken.

DAX: 4,5% sind zu wenig

Auf der anderen Seite steht das Problem, dass der DAX auch schon Jahre hatte, in denen die Verluste noch höher gewesen sind. In dem Fall würden Sie als Investor 1:1 an den Entwicklungen beteiligt sein.

Zudem gibt es im Index das Problem, dass die Entwicklung der nächsten Monate aufgrund der Eurozonen-Probleme etwas unsicherer als sonst ist.

Wenn Sie mit einer Verlust-Wahrscheinlichkeit von 10% rechnen, wäre aus kaufmännischer Sicht ein Verlust von 4% einkalkulierbar (Wahrscheinlichkeit 10% * 40 % Verlust = 4%).

Dafür lediglich 4,5% sicheren Zins zu erhalten, ist an sich bereits niedrig. Nur:

  • Diese Anleihe ist sogar etwas schlechter als große Unternehmensanleihen – in zweierlei Hinsicht:
  • Zum einen ist die Rendite von 4,5% zu gering, wenn Sie gleichzeitig mit guten Unternehmen bereits 5% und mehr verdienen können – wenn Sie die auf dem Markt erhältlichen Titel nehmen und nicht auf Neuemissionen setzen. Zum anderen aber ist auch das Ausfallrisiko höher.
  • Denn Unternehmensanleihen werden statistisch aktuell mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% zu 100% zurückgezahlt. Wenn der DAX mit einer Wahrscheinlichkeit von 10% seine 40% verliert, ist die Verlust-Wahrscheinlichkeit für Investoren bereits höher.
  • Zudem gilt, dass Sie die 4,5% Zinsen auch noch mit dem Staat teilen müssen – wie bei allen anderen Anleihen. Denn es bleiben nur 3,1% nach Steuern (nahezu 30% inklusive der Abgeltungssteuer).

GeVestor meint

Eine solche Anleihe ist zu unattraktiv, um sie als Rendite-Alternative zu begreifen. Die Chance auf hohe Gewinne ist zudem von vornherein ausgeschlossen.

Würde der DAX nicht um 40% sinken, sondern steigen, erhielten Sie keinen Cent höhere Zinsen.

Zudem sind die Risiken höher als zunächst sichtbar. Dies hat unsere kleine Muster-Rechnung gezeigt, bei der die Verlust-Wahrscheinlichkeit lediglich 10% betrug.

Trotzdem ist der Verlust dann rechnerisch mit 4% nahezu bereits so hoch wie die Verzinsung.

Ihre Alternative: Auch hier können Sie den Genussschein von Bertelsmann mit derzeit 6,8% Rendite einsetzen.

29. Juni 2012

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Jan Aalto
Von: Jan Aalto. Über den Autor

Jan Aalto ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.

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