Milka-Mutter will Hershey: Übernahme noch nicht vom Tisch

Der US-amerikanische Nahrungsmittelkonzern Mondelez, in Deutschland für seine Marken Milka und Jacobs bekannt, schielt auf den kleineren Branchen-Kollegen Hershey.

Mondelez legte für den Übernahme-Kandidaten ein Aktien- und Barangebot im Gegenwert von 23 Mrd. Dollar auf den Tisch, bekam vom Hershey-Management allerdings eine Absage.

Jetzt wird spekuliert, ob Hershey dennoch übernommen wird.

Aktie des Übernahme-Kandidaten legt deutlich zu…

Investoren zeigten sich in einer Erstreaktion äußerst begeistert von den Ambitionen des größeren Branchenkollegen. Die Hershey-Aktie legte gestern an der New Yorker Heimatbörse in einem starken Marktumfeld um 16,8% zu.

Zum Schlussgong notiert das Papier bei 113,49 Dollar – rund 6% über dem Angebotspreis. Dies zeigt Ihnen, dass nicht wenige Investoren davon ausgehen, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

…und auch das Mondelez-Papier gewinnt kräftig

Bei Übernahme-Angeboten im zweistelligen Milliardenbereich gibt die Aktie des Bieters häufig nach, da ein Deal auch immer Risiken mit sich bringt. Die Mondelez-Aktionäre unterstützen jedoch den Übernahme-Vorstoß. Die Aktie kann gestern in New York um 5,9% zulegen.

Den Anteilseignern gefällt vor allem, dass Mondelez auf dem US-Markt wachsen will. Eigentlich schrieb sich das Unternehmen Wachstum in den Schwellenländern auf die Fahnen, doch die Strategie brachte in den vergangenen Jahren nicht den erhofften Erfolg.

Neben der breiteren geographischen Aufstellung bringt ein Deal auch hohe Synergie-Effekte mit. Denn Mondelez ist die Nummer 2 im Markt und Hershey die Nummer 5. Zusammen würde man die Nummer 1, Mars, vom Thron stoßen.

Größte Deal-Hürde ist die Hershey Stiftung

Es heißt das Hershey und Mondelez mehrere Monate über einen Zusammenschluss gesprochen haben. Am Ende kam Hershey allerdings zu dem Schluss, dass der gebotene Preis nicht ausreichend und auch nicht die Basis für weitere Gespräche ist.

Der Ball liegt jetzt in der Hälfte von Mondelez. Wird das Angebot versüßt, könnte es für einen Deal reichen.

Denn es deutet einiges darauf hin, dass die Hershey-Stiftung, die lange Zeit als unüberwindbares Hindernis für einen Deal galt, diesmal einer Übernahme offener gegenübersteht.

So hat Mondelez Medienberichten zufolge angeboten, dass Hauptquartier nach Hersheys (eine gleichnamige Stadt, die vom Firmengründer aufgebaut wurde) zu verlegen, den Namen des Übernahme-Kandidaten anzunehmen und Job-Garantien wurden gegeben.

Hinzu kommt, dass die Spitze der Stiftung teilweise neu besetzt wurde. Die neuen Manager mit Wallstreet-Hintergrund haben weniger eine emotionale Bindung zum Hershey-Konzern und schauen eher auf Zahlen.

Analysten skeptisch, doch Deal-Chance nach wie vor vorhanden

Analysten von RBC Capital Markets warnen trotzdem: Dieser Deal wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht stattfinden. Als Hauptgrund wird eine als wahrscheinlich erachtete Ablehnung durch die Hershey-Stiftung angeführt.

Andere Analysten glauben nicht an eine Preis-Einigung, da Hershey zuletzt selber im Heimatmarkt unter Druck stand und die Hershey-Preisforderung so hoch sein könnte, dass Mondelez nicht zahlen will.

Schlecht stehen die Chancen nach Ansicht des Übernahme-Sensors allerdings nicht. Die vielen Zusagen an Hershey zur Befriedigung der Stiftungs-Interessen deuten darauf hin, dass mit dem wichtigsten Anteilseigner intensiv gesprochen wurde.

Wenn der aus Mondelez-Sicht „Ja“ zu einem Deal sagen könnte, dann ergibt sich eine einmalige Chance, Hershey zu übernehmen. Und dann wird sich der Bieter auch großzügig beim Angebotspreis zeigen.

1. Juli 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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