Milliarden-Deal im Eisenbahnmarkt: Canadian Pacific Railway will Norfolk Southern schlucken

Megadeal würde neuen Eisenbahn-Giganten schaffen (Foto: Krista Kennell / Shutterstock.com)

Ein Jahr ist es her. Nach dem misslungenen Zusammenschluss der beiden Eisenbahngesellschaften CSX und Canadian Pacific Railway bahnt sich erneut eine Mega-Transaktion an.

Jetzt greift die kanadische Bahngesellschaft Canadian Pacific den US-Wettbewerber Northern Southern an. Der Deal hat ein gigantisches Ausmaß und würde den größten Eisenbahnkonzern Nordamerikas schaffen.

28 Milliarden-Offerte besteht aus Cash und Aktien

Der Gesamtwert des Deals liegt bei gut 28 Mrd. Dollar und soll zur Hälfte in Bar und zur anderen Hälfte in Cash erfolgen. Im Klartext sollen 46,72 Dollar in Cash und 0,348 Anteile je gehaltener Aktie den Besitzer wechseln. Dementsprechend würden die Norfolk Southern-Aktionäre 41% am neuen Gemeinschaftsunternehmen halten.

Schienennetz wird deutlich erweitert

Das Ausmaß des Deals wird besonders deutlich, wenn Sie sich das entstehende Streckennetz genauer ansehen. Bislang operiert Norfolk Southern mit 29.000 Mitarbeitern hauptsächlich im Osten der USA. Canadian Pacific ist dagegen mit seinem Schienennetz von der Pazifikküste bis nach Montreal und in den USA bis in den mittleren Westen unterwegs.

Zusammen kommen beide Konzerne auf ein Schienennetz von fast 53.000 Kilometern. Damit würde das neue Streckennetz Zugang zu drei verschiedenen Küsten bieten. Laut dem Management von Norfolk Southern würde der Deal zu deutlichen Verbesserungen im Streckennetz führen.

Beispielsweise könnten die Erdölraffinerien am Golf von Mexiko direkt angefahren werden. Zudem könnte der Knotenpunkt in Chicago umgangen werden.

Deal bringt erhebliche Kostensynergien

Natürlich soll sich die Transaktion auch direkt auf die Kostenstrukturen auswirken. Canadian Pacific-Chef Harrison rechnet mit geplanten Einsparungen von insgesamt 12 Milliarden Dollar. Zusätzlich geht der Manager davon aus, dass sich auf längere Sicht ein Drittel der Belegschaft kürzen lasse.

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Dies soll allerdings ohne groß angelegten Stellenabbau, sondern vielmehr durch natürliche Fluktuation und Nicht-Besetzung frei werdender Stellen erfolgen.

Behörden wollen mit Sicherheit ein Wörtchen mitreden

Bei dem Ausmaß des Deals ist nicht nur die Zustimmung der Aktionäre sondern auch der kanadischen und amerikanischen Aufsichtsbehörden (US Surface Transportation Board) notwendig. Zuletzt zeigten sich die Behörden allerdings wenig zugänglich. In den vergangenen 15 Jahren wurde kein größerer Deal mehr abgesegnet.

Mit einer Ausnahme. Im Jahr 2009 kaufte Warren Buffett mit seiner Investmentgesellschaft den Eisenbahnkonzern Burlington Northern Santa Fe für immerhin 44 Milliarden Dollar.

Deal könnte sich lange hinziehen

Seit bekannt wurde, dass sich die Firmen in Verhandlungen befinden hat der Aktienkurs von Norfolk Southern zuerst fast 20% angezogen, bevor wieder eine Konsolidierung einsetzte.

Mittlerweile scheint sich bei den Anlegern Skepsis durchzusetzen, was die Umsetzbarkeit angeht. Experten gehen ohnehin davon aus, dass sich der Deal auch bei positivem Ausgang nicht vor Ende 2017 umsetzen lässt. Anleger brauchen also in jedem Fall einen langen Atem.

Ohnehin ist das Marktumfeld derzeit nicht gerade prickelnd. Ein schwacher Kohlemarkt und rückläufige Frachtvolumina haben die Eisenbahngesellschaften zuletzt unter Druck gebracht. Die Kursverluste von -15% (Norfolk Southern) und -24% (Canada Pacific) seit Jahresbeginn sprechen eine deutliche Sprache. Das Wettbewerbsumfeld ist hart. Auch ohne den Deal dürften in der Branche deutliche Einschnitte bevorstehen.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.