Milliarden-Deal rüttelt Medienlandschaft durcheinander: Bertelsmann schluckt Stephen King Verlag

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Bertelsmann setzt sich im Bieterrennen um US-Buchverlag durch: Milliardendeal schafft Branchenriesen im Buchgeschäft (Foto: canadastock / shutterstock.com)

Für die Medienbranche ist es ein weiterer Milliarden-Deal, für Bertelsmann ein historischer Meilenstein in der Firmengeschichte. Der Gütersloher Konzern streckt die Fühler in die USA aus und schluckt für rund 2,2 Milliarden Dollar die US-Verlagsgruppe Simon & Schuster. Damit wechselt auch der Star-Autor Stephen King zum deutschen Mediengiganten. Dabei war Bertelsmann beileibe nicht der einzige Bieter. Im Rennen um das Verlagshaus konnten sich die Gütersloher gegen die französische Mediengruppe Vivendi und News-Corp-Tochter HarperCollins, die Nummer 2 und 3 unter den Publikumsbuchverlagen durchsetzen.

Übernahme lässt sich Bertelsmann einiges kosten

Für insgesamt 2,175 Milliarden Dollar schluckt Bertelsmann den US-Buchverlag Simon & Schuster. Das entspricht gut dem 15-fachen des bereinigten operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA). Bisheriger Eigentümer seit rund 14 Jahren ist der US-Medienkonzern CBS Corporation, der seit 2019 unter ViacomCBS firmiert. Die Übernahme von 100% der Anteile soll komplett in bar erfolgen und im Laufe des kommenden Jahres final abgeschlossen werden. Leisten kann sich der deutsche Medienkonzern den Deal allemal. Zum Ende des dritten Quartals verfügte der Medienriese über einen Barmittelbestand von 4,3 Milliarden Euro.

Objekt der Begierde hochprofitabel

Auch bei Simon & Schuster handelt es sich um ein Traditionsunternehmen mit langer Firmengeschichte. Das Unternehmen wurde bereits im Jahr 1924 gegründet und kann auf bedeutende Meilensteine wie die Gründung des ersten Taschenbuchverlags zurückblicken.

Im zurückliegenden Geschäftsjahr beschäftigte der Verlag 1.500 Mitarbeiter. Dabei gingen bei Simon & Schuster Umsätze von 814 Millionen Dollar durch die Bücher. Auch wenn das operative Ergebnis rückläufig war (-7%), konnte der Buchverlag mit einer hohen Gewinnmarge punkten. Die operative Gewinnmarge lag mit 17,6% auf einem im Branchenvergleich extrem hohen Niveau. Für Sie zum Vergleich: Die Bertelsmann-Tochter Penguin Random House (PRH) kam lediglich auf eine operative Marge von 15,4%.

Penguin Random House zementiert Marktposition

Der Hintergrund des Deals liegt auf der Hand: Die eigene Tochter Penguin Random House, die im April dieses Jahres komplett übernommen wurde, soll weiter gestärkt werden. Bereits heute ist PRH nach Verkaufszahlen der größte Buchverlag in den USA und erzielte zuletzt mit rund 10.000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 3,6 Milliarden Euro.

Simon & Schuster soll als eigene Einheit im Verlag weitergeführt werden. Mit der Übernahme werden die globalen Inhalte weiter ausgebaut.

Nach der Transaktion dürfte der Konzern fast ein Drittel aller Bücher in den USA verkaufen. Zu den Autoren von PRH zählen der frühere US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle sowie Dan Brown und Danielle Steel. Aber auch Simon & Schuster kann mit bekannten Autoren punkten: Zu den renommierten Autoren, die der Verlag unter Vertrag hat, zählen unter anderem Hillary Clinton, John Irving, Stephen King und Bob Woodward.

Gegenwind durch die Kartellbehörde

Allerdings dürften die Wettbewerbshüter ein genaues Auge auf die Transaktion werfen. Immerhin erzielt Simon & Schuster mit 80% ebenfalls den Großteil seiner Umsätze in den USA. Allerdings liegt laut der Association of American Publishers der gemeinsame Marktanteil mit 20% noch weit unter der Marke, ab der mit einem ernsthaften Einschreiten der Kartellbehörde zu rechnen ist. Entsprechend zuversichtlich zeigt sich die Bertelsmann-Führung, dass der Deal am Ende auch wirklich über die Bühne geht.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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