Milliardendeal auf dem Cannabis-Markt: Canopy Growth will Acreage schlucken

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Canopy Growth sichert sich das Recht, Acreage für 3,4 Mrd. Dollar zu erwerben. Ein spannender Deal mit Weitsicht! (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Auf dem heißumkämpften nordamerikanischen Cannabis-Markt bahnt sich ein weiterer Megadeal an: Der kanadische Branchenriese Canopy Growth Corporation will den US-Rivalen Acreage Holdings für 3,4 Mrd. US-Dollar übernehmen.

Dies geht aus einer von beiden Unternehmen unterzeichneten Grundsatzvereinbarung hervor, die kurz vor dem Osterwochenende veröffentlicht wurde.

Canopy setzt auf Cannabis-Legalisierung im US-Bundesrecht

Voraussetzung für das Zustandekommen des Deals ist allerdings die noch ausstehende Legalisierung der Produktion und des Verkaufs von Cannabisprodukten auf US-Bundesebene.

Bisher ist der Konsum medizinischer Cannabisprodukte in 33 US-Staaten zugelassen. In allen anderen US-Bundesstaaten wird der Konsum von medizinischem Cannabis geduldet bzw. strafrechtlich nicht verfolgt.

Auch der private Konsum von Cannabis als Genussmittel ist mittlerweile in zehn US-Staaten erlaubt, in 13 weiteren Bundesstaaten wird der Privatkonsum geduldet. Insider und offensichtlich auch der Branchenriese Canopy Growth erwarten daher, dass Cannabis-Produkte in absehbarer Zeit auch im US-Bundesrecht legalisiert werden.

Gestaffelter Deal

Canopy hat sich in der Grundsatzvereinbarung bereit erklärt, den Inhabern von Acreage-Aktien 300 Mio. US-Dollar für das vereinbarte Vorkaufsrecht zu zahlen. Der Rest der vertraglich festgelegten Kaufsumme von 3,4 Mrd. US-Dollar wird nach der endgültigen Übernahme an die Acreage-Aktionäre ausgezahlt.

Damit die Grundsatzvereinbarung zustande kommt, bedarf es noch der Zustimmung der Aktionäre von Canopy und Acreage sowie der Aufsichtsbehörden.

Canopy will in den lukrative US-Cannabis-Markt einsteigen

Mit dem vereinbarten Vorkaufsrecht wollen sich die Kanadier schon frühzeitig ihren Anteil am äußerst attraktiven US-Markt sichern. Das macht auch Bruce Linton, Chairman und Co-CEO von Canopy Growth, in einer Pressemitteilung deutlich: “Heute kündigen wir eine komplexe Transaktion mit einem einfachen Ziel an. Unser Recht zum Erwerb von Acreage sichert unsere Einstiegsstrategie in die Vereinigten Staaten, sobald eine bundesweite Zulassung den Weg freigibt.”

Acreage erhält Lizenzrechte

Aber auch Acreage profitiert von dem Deal mit Canopy. Die Amerikaner erhalten im Rahmen einer Lizenzvereinbarung die Rechte an den etablierten Canopy-Marken wie z.B. Tweed and Tokyo Smoke. Bis zur Ausübung der Kaufoption werden beide Unternehmen aber weiterhin unabhängig operieren. Acreage

Weltweit führender Anbieter entsteht

Sobald das Kaufrecht ausgeübt wird, entsteht ein weltweit führendes Cannabis-Unternehmen. Dieses Unternehmen wird eine bedeutende Rolle im internationalen Markt für legale Cannabis-Verkäufe innehaben, so z.B. in den USA, in Kanada und in ausgewählten Märkten in Lateinamerika, Europa und im Asien-Pazifik-Raum.

Fraglich ist, wann es zu einer kompletten Cannabis-Legalisierung kommt. Der Canopy Growth-Chef ist optimistisch und prognostiziert die Legalisierung in den kommenden 18 Monaten. Damit der Übernahme-Kandidat bis dahin im hart umkämpften Markt nicht zurückfällt, wurde das Recht zur Emission nachrangiger Stimmrechte eingeräumt, mit denen Acreage bis zu 1,4 Mrd. Dollar für eine Einkaufstour einsammeln kann. Dieser finanzielle Spielraum ermöglicht es dem Übernahme-Kandidaten, aktiv an der Branchenkonsolidierung teilzuhaben und sich ein großes Stück von dem auf 22 Mrd. Dollar taxierten US-Markt (2022) abzuschneiden.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.