Milliardenschwere Übernahme bringt Bewegung in Cannabis-Markt: Jazz Pharmaceuticals schluckt Hanfspezialisten GW Pharma

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Nächster Milliarden Deal wirbelt Cannabis-Markt durcheinander: GW Pharmaceuticals geht nach Jazz Pharma-Offerte durch die Decke. Cannabis für medizinische Anwendung gewinnt zunehmend an Bedeutung (Foto: zhaoliang70 / Shutterstock.com)

Nach einem langen Dornröschenschlaf sind die Aktien aus dem Cannabis-Sektor seit einigen Monaten bei den Anlegern wieder richtig en vogue. Die von den Hanf-Enthusiasten erwartete Legalisierungswelle in den USA in Kombination mit spektakulären Übernahmen sorgte zuletzt für Jubelstimmung unter den Anlegern. So verbuchte der börsennotierte ETF für den Sektor am Mittwoch mit einem Tagesplus von 12% den größten Zuwachs seiner Geschichte.

Dabei war das jüngste Stimmungshoch auf eine milliardenschwere Übernahme zurückzuführen, die die Phantasie beflügelte. Der irische Pharmakonzern Jazz Pharmaceuticals will für 7,2 Milliarden Dollar das auf Cannabis-Medikamente spezialisierte britische Unternehmen GW Pharmaceuticals schlucken. Als Reaktion auf die Meldung schossen die Papiere von GW Pharma um 46% förmlich in die Höhe.

Jazz Pharma zahlt satte Prämie von rund 50%

Nun aber zu den Details: Der Pharmakonzern Jazz Pharmaceuticals aus Irland will für den Cannabisspezialisten GW Pharma 7,2 Milliarden Dollar auf den Tisch legen. Der Preis setzt sich aus 200 Dollar in bar und 20 Dollar in Aktien zusammen. Bezogen auf den Schlusskurs vor der Übernahmemeldung ergibt sich damit ein Preisaufschlag von rund 50%.

Dabei macht der Deal vor allem eins deutlich: Der Cannabis-Markt geht weit über den Anbau von Hanfblüten für den Privatgebrauch hinaus. Vor allem medizinische Anwendungen dürften in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Exakt vor diesem Hintergrund ist auch die Übernahmeofferte für GW Pharma zu sehen.

Wer hinter GW Pharmaceuticals steckt

GW Pharmaceuticals ist ein biopharmazeutisches Unternehmen, das sich auf die Entdeckung, Entwicklung und Kommerzialisierung neuartiger Therapeutika aus seiner proprietären Cannabinoid-Produktplattform in einem breiten Spektrum von Krankheitsbereichen konzentriert.

GW ist vor allem bekannt für Epidiolex, eine flüssige Formulierung von rein pflanzlichem Cannabidiol zur Behandlung einer Reihe von seltenen Epilepsie-Erkrankungen im Kindesalter. Die Zulassung für Epidiolex hat das Unternehmen von der US-Gesundheitsbehörde FDA in 2018 erhalten. Bemerkenswert: Epidiolex war das erste pflanzliche Cannabinoid-Medikament, das jemals von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) zugelassen wurde.

Epidiolex mit 70% Umsatzplus in 2020

Seit der Zulassung hat sich der Absatz massiv ausgeweitet. Nach vorläufigen Zahlen lieferte das Epilepsie-Medikament in 2020 einen Umsatz von 510 Millionen Dollar. Für Sie zum Vergleich: In 2019 war das Präparat lediglich für einen Umsatz von 296 Millionen Dollar verantwortlich. Entsprechend erhöhte sich der Umsatz von Epidiolex  gegenüber dem Vorjahr um hohe 70%.

Dabei wurden im Schlussquartal 85% der Epidiolex-Umsätze in den USA erzielt und 15% im internationalen Geschäft. Insgesamt erzielte GW Pharmaceuticals einen Gesamtumsatz von 526 Millionen Dollar.

Weitere Produkte in der Pipeline

Neben dem bereits zugelassenen Präparat Epidiolex hat GW Pharma weitere Pfeile im Köcher: Die Pipeline umfasst Nabiximole, für die sich das Unternehmen in Phase-3-Studien befindet, um die FDA-Zulassung für die Behandlung von Spastik im Zusammenhang mit Multipler Sklerose und Rückenmarksverletzung zu beantragen, sowie Cannabinoid-Produktkandidaten für Autismus und Schizophrenie im Frühstadium.

Führend mit neurowissenschaftlichem Portfolio

Der Käufer Jazz Pharmaceuticals ist hingegen führend bei Schlafmedikamenten und hat sich ein schnell wachsendes Onkologie-Geschäft aufgebaut. Mit GW Pharma will Jazz eine branchenführende Cannabinoid-Plattform, innovative Pipeline und Produkte einkaufen und das eigene neurowissenschaftliche Portfolio erweitern. Der Baranteil der Transaktionsgegenleistung wird voraussichtlich durch eine Kombination aus Kassenbestand und Fremdfinanzierung finanziert. Der Abschluss des Deals ist für das zweite Quartal dieses Jahres geplant.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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