Milliardenschwerer Anfängerfehler eines skrupellosen Hedgefonds

Gestern habe ich Ihnen geschrieben: „Investieren Sie in einzelne Trades immer nur einen Teil Ihres Trading-Kapitals. Das empfehle ich für jedes börsliche Engagement. Auch wenn Sie vermeintlich völlig sichere Papiere kaufen wollen, rate ich dringend: Investieren Sie nie Ihren gesamten für Börsengeschäfte vorgesehenen Betrag in einen einzigen Trade.“

Bei meiner nachfolgenden Presseschau aus Wirtschaft und Börse traute ich dann meinen Augen nicht. Das, was ich als fatalen Fehler bezeichne und Ihnen wenige Minuten zuvor geschrieben hatte, macht ein milliardenschwerer Hedefonds.

Der Fonds Hayman Capital Management hat 85% seines Portfolios in Wetten gegen den Yuan und Hongkong-Dollar investiert. „Investiert“ schreibt dabei das Handelsblatt. Ich würde das Wort „investieren“ durch „zocken“ ersetzen.

„Fehler, Fehler und nochmals Fehler“, rufe ich da – unabhängig davon wie das Glücksspiel ausgeht. Denn es ist immer ein Fehler, zuviel in einen einzelnen Trade zu setzen. Und selbst, wenn Sie eines Tages lesen, dass dieser Hedgefonds Milliarden gewonnen hat, so rate ich Ihnen doch dringend ab, so zu handeln. Denn wer immer (fast) alles auf eine Karte setzt, wird früher oder später alles verlieren.

Hedgefonds betreiben Frontrunning

Der Fonds Hayman Capital Management folgt anderen Hedefonds, die sich auch gegen die chinesische Währung positioniert haben. Und nun, welch Zufall, geht die Geschichte durch die Medien. Der gerne als „legendär“ bezeichnete Glücksspieler George Soros hat beim kürzlichen Weltwirtschaftsforum in Davos schon von einer harten Landung der chinesischen Volkswirtschaft gesprochen.

Ich unterstelle, durch Soros und die Berichte in den Medien soll der Angriff der Hedgefonds auf die chinesische Währung verstärkt werden, indem immer mehr Hedgefonds und eventuell auch Banken (?) gegen die chinesische Währung wetten. Die Hedgefonds, die jetzt an die Öffentlichkeit gehen, sind natürlich schon investiert und voraus gelaufen (Frontrunning).

Meine Kritik: Skrupellosigkeit

So, wie seinerzeit bei der Wette von Soros gegen das britische Pfund, wird nicht auf Steigen oder Fallen von Kursen (hier Devisen) gesetzt, so wie wir Anleger das mit Call-Optionen und Put-Optionen auf Aktien und Indizes machen.

Hier wird mit milliardenschwerem Einsatz der Markt so getrieben (manipuliert), dass ein gewolltes Ereignis (Kursbewegung) überhaupt erst stattfindet.

Ob dabei Volkwirtschaften und folglich Menschen leiden, interessiert diese skrupellosen Manager nicht. Und wenn Banken dadurch kippen (wäre in China möglich) und der Steuerzahler diese retten muss, interessiert die skrupellosen Manager das auch nicht.

Milliardenschwerer Anfängerfehler eines skrupellosen Hedgefonds

Als Börsianer bin ich weit davon entfernt, den Kapitalismus zu verdammen, aber da stimmt was nicht. Es sind entsprechende Hedgefonds, die sozialistisch denken. Gewinnen sie, werden sie legendär und gefeiert (nicht von mir). Verlieren sie, zahlt gegebenenfalls der Steuerzahler.

Nun – wir werden sehen, wie die Wette der Hedgefonds gegen China ausgeht.

Wenn einer eine Münze wirft und alles, was er hat, auf Zahl setzt und gewinnt, so feiere ich ihn nicht. Zu viel in eine einzige Spekulation zu investieren, war und ist ein fataler Fehler, der über kurz oder lang in den Ruin führt (den Steuerzahler hoffentlich nicht ausbaden müssen).

Zum guten Schluss: Am 03.02.1874, also heute vor 142 Jahren, kam die US-amerikanische Schriftstellerin Gertrude Stein zur Welt. Von ihr habe ich ein heiter ironisches Büchlein im Schrank. Das hat den Titel:

„Geld: Geld – Mehr über Geld – Noch mehr über Geld – Alles über Geld – Ein Letztes über Geld“

Und wie zur Börse passend sagte sie:

„Geld ist immer dort, aber es ist nicht immer in den gleichen Taschen nach einer Änderung.“

Ich wünsche Ihnen, dass das Geld nach einer Änderung in Ihren Taschen ist.

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

3. Februar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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