Minen-Investitionen laufen aus dem Ruder

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: Viele Investitionen in neue Minen liegen klar oberhalb der Schätzungen. Das hat massive Folgen für die Ertragskraft und die Gewinne der Minen-Unternehmen. (Foto: TTstudio / shutterstock.com)

Große Bauprojekte werden teurer als geplant – das gehört zum Alltag. Zu viele Faktoren spielen eine Rolle, so dass es eben oft nur schwer zu kalkulieren ist, was denn insgesamt an Investitionen notwendig ist.

Ähnlich ist es auch in der Minenbranche. Fast 20% aller Minen kosten im Endeffekt mehr als 100% mehr als in der Machbarkeitsstudie kalkuliert. Nach Angaben einer neuen Studie der Unternehmensberatung McKinsey liegt das hauptsächlich an unrealistischen Annahmen über die Kosten in der Machbarkeitsstudie.

Hier gelten nach Ansicht der Experten immer noch Standards, die aber das reale Geschehen in der Branche nicht mehr widerspiegeln. So ist es heute generell schwieriger eine Mine in die Produktion zu bringen. In vielen Ländern sind die gesetzlichen Anforderungen beispielsweise immer höher geworden. Solche Faktoren zeigen sich jedoch noch nicht in der Kalkulation der Minen auf Basis der Machbarkeitsstudie.

Nur 20% der Minen liegen beim Bau innerhalb des Budgets

Fakt ist auch: Nur 20% der für die Studie von McKinsey untersuchten Minen sind im Rahmen der Kalkulation oder sogar darunter fertiggestellt worden. Dabei haben die Experten eine interessante Klassifizierung der Minen vorgenommen: Minen mit einem erhöhten Budget im Bereich zwischen 15 und 100% werden hier als Projekt-Katastrophen bezeichnet. Minen mit einer Überschreitung des Budgets um mehr als 100% gelten als Unternehmens-Katastrophen.

Doch die Rohstoff-Experten von McKinsey kritisieren nicht nur die aktuelle Lage – sie bieten auch Verbesserungsvorschläge an. So sollten die Vorgaben bei den Machbarkeitsstudien flexibler werden, so dass die Minenfirmen auch auf die eigenen Projekt-Bedingungen besser eingehen kann. In Summe würde so die Kalkulation der Kosten in der Machbarkeitsstudie deutlich genauer.

Das hätte Vorteile für die Unternehmen und natürlich auch für die Investoren. Denn was nützen aktuelle Kalkulationen über die Kosten zum Bau der Mine, wenn sie hinterher komplett falsch sind. Das kann dann bei einer deutlichen Steigerung den Aktienkurs stark belasten.

Investoren müssen sich in dieser Phase immer ganz genau mit dem Unternehmen und den Chancen beschäftigen. Das Minengeschäft ist nun einmal ganz speziell. Hier wird ein Rohstoffvorkommen in der Natur entwickelt – und das bietet viele Risikofaktoren.

Auch werden die Zeiträume zwischen der Machbarkeitsstudie und dem Produktionsbeginn immer länger. 5 bis 7 Jahre sind hier mittlerweile schon fast üblich. Diesen Zeitraum müssen neue Minenfirmen auch erst einmal überbrücken, denn bis zum Produktionsbeginn einer Mine kostet ein solches Projekt nur Geld. Und wenn das Minenleben doch nur 2 Jahre kürzer ist als vorher kalkuliert, kann ein auf den ersten Blick profitables Projekt doch noch zum finanziellen Desaster werden.


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Heiko Böhmer
Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

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