Minipreise bei Rohstoffen verhindern die Megaprojekte

Die Krise der Minenbranche ist nicht nur eine Krise der kleinen Unternehmen.

Ob führende Goldminen oder auch integrierter Rohstoffkonzerne – hier sorgt die weiterhin schwache Preisentwicklung fast quer durch alle Rohstoffklassen für größere Schwierigkeiten.

Vor einigen Jahren sah das ganz anders aus. Damals starteten viele kleine Unternehmen auch Megaprojekte.

Die Strategie dahinter war einfach: Ein kleines Rohstoffunternehmen bringt ein großes Vorkommen so weit, das eine aussagekräftige Ressourcenschätzung vorliegt.

Dies machte die Projekte für große Minen interessant, um dort erst einmal als Partnermit einzusteigen. Nach einer erfolgreichen Übernahme sollte dann der Rohstoffriese das Vorkommen in Produktion bringen.

Soweit die Theorie. In der Praxis hat dieses Geschäftsmodell immer wieder nicht funktioniert. Vor allen Dingen bei den extrem großen Projekten hat der schwache Rohstoffmarkt seit 2011 ganze Arbeit geleistet.

Das liegt schlicht und einfach daran, dass für Megaprojekte auch ein riesiger Kapitalbedarf besteht. Und genau das ist schon seit längerer Zeit der Engpass der Branche.

Langfristig bleibt es dabei: Neue Minen sind notwendig. Aber derzeit sind diese Projekte nicht zu finanzieren.

Für den Absturz einstiger Megaprojekte ist das Apple Projekt in Alaska fast schon ein Paradebeispiel. Ich verfolge dieses Projekt die Firma Northern Dynasty schon seit etlichen Jahren.

Kein Kapital für neue Megaprojekte vorhanden

Hier ist es die schiere Größe des Projekts ein Hauptgrund für die massiven Probleme. So sagte ich schon im Mai 2014 zu diesem Unternehmen:

„Mit der vorliegenden Ressourcenschätzung ist das Pebble Projekt eines der größten nicht entwickelten Goldvorkommen auf der Welt.

Dort werden mehr als 100 Mio. Unzen Gold in den verschiedenen Kategorien vermutet und dazu noch riesige Mengen Kupfer von rund 80 Milliarden Pfund.“

Nur für Ihr Verständnis: Große Goldprojekt haben heute 10 Mio. Unzen. Beim Pebble Projekt liegt der Wert also beim Zehnfachen. Die Größe des Vorkommens hatte in den Boomzeiten den Aktienkurs von Northern Dynasty angetrieben.

So erlebte die Aktie 2011 zu Zeiten des Goldrekordpreises von zeitweise mehr als 1.900 Dollar einen Höhenrausch. In der Spitze kletterte die Aktie auf mehr als 15 Euro. Die Marktkapitalisierung lag über 1 Mrd. Euro.

Spätestens als der prominente Projektpartner ausstieg, war es mit Glanz vorbei. Seit dem befindet sich die Aktie im massiven Abwärtstrend. Mittlerweile wird das gesamte Vorkommen nur noch mit knapp 30 Mio. Euro an der Börse bewertet.

Nehmen wir tatsächlich an, beim Pebble Projekt gibt es 100 Mio. Unzen Gold, dann wird das Gold mit einem Abschlag von 99 % auf den aktuellen Marktpreis bewertet.

Diese Kennziffer zeigt auch, wie das Risiko eingestuft wird. Das Risiko beim Pebble Projekt besteht eben darin, dass dieses Projekt wohl niemals tatsächlich in Produktion gehen wird.

22. Juli 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

Ob DAX-Titel, Rohstoff oder Emerging Marktes-Aktie: Heiko Böhmer bringt Ihnen in seinem täglichen Newsletter diese Themen näher. Neue Trends findet er dabei vor allem auf den vielen Reisen zu Finanzmessen im In- und Ausland, über die er in seinem Newsletter ausführlich berichtet.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Heiko Böhmer. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt