Mit Put-Optionen erzielen Sie Gewinne, gerade weil die Märkte fallen

Der DAX verliert 30%, Sie gewinnen 40% – so war es im Muster-Depot des Optionen-Profi im Crashjahr 2008. Die Strategie ist so ausgerichtet, dass es wieder so kommen muss, falls es erneut zum Crash kommt. Gleich vorweg: Ich erwarte keinen Crash, bin aber immer vorbereitet.

Der obige Titel meines Kommentars ist eine meiner Aussage aus der letzten Woche. Da habe ich zu Put-Optionen als Absicherung eines Depots beziehungsweise von Geldanlagen geschrieben. Eine Absicherung, die das Depot in den Gewinn führt, gerade weil die Märkte fallen. In dem Zusammenhang gab es viele Nachfragen, warum man Gewinne erzielt, obwohl die Kurse (der Aktien) fallen. Dazu die …

… Definition einer Put-Option

Der Kauf von Put-Optionen gibt dem Käufer das Recht, den Basiswert (z. B. eine Aktie) zu dem in der Put-Option festgelegten Preis (Basispreis) innerhalb oder am Ende eines bestimmten Zeitraums (Laufzeit der Option) zu verkaufen.

Put-Optionen: So erzielen Sie Gewinne (und sichern damit Ihr Depot ab)

In der obigen kurzen Definition der Put-Optionen steckt das ganze „Geheimnis“, wie und warum Sie durch fallende Aktien- oder Indexkurse Gewinne erzielen können und diese für eine positive Entwicklung Ihres Depots sorgen, gerade weil es crasht.

Sehen Sie sich dazu ein Beispiel an. In diesem Beispiel gehe ich davon aus, dass eine Aktie 50 Euro kostet. Sie kaufen Put-Optionen auf diese Aktie mit dem Basispreis von 45 Euro und der Laufzeit bis Dezember 2014.

Die gekaufte Put-Option ist also so ausgestattet:

Basiswert: Aktie

Laufzeit: Dezember 2014

Basispreis: 45 Euro

Optionen je Kontrakt: 100

Gemäß der obigen Definition haben Sie als Käufer dieser Put-Optionen das Recht, je Kontrakt 100 Aktien zum Kurs von 45 Euro (Basispreis der Puts) zu verkaufen. Dieses Recht haben Sie bis zum Ende der Laufzeit der Put-Optionen, also bis Dezember 2014. Für dieses Recht haben Sie z.B. 1,50 Euro pro Put-Option, das heißt 150 Euro für einen Kontrakt mit 100 Put-Optionen, bezahlt.

Der Stand beim Kauf der Put-Optionen

Die Aktie kostet 50 Euro. Durch die Put-Optionen haben Sie das Recht, die Aktie für 45 Euro zu verkaufen. Sie könnten die Aktie also für 50 Euro an der Börse kaufen. Dann üben Sie Ihre Put-Optionen aus und verkaufen diese Aktie für 45 Euro. Ein Geschäft, das keinen Sinn ergibt. Aber: Die Puts habe noch die Laufzeit bis Dezember 2014. Ihr Recht gilt also noch rund ein Jahr. Dieses Recht zum Verkauf der Aktie zu 45 Euro haben Sie auch bei einem Crash.

Der Aktienkurs fällt, die Put-Optionen legen zu

Sagen wir, bis Dezember 2014 fällt der Aktienkurs auf 40 Euro. Dann sieht die Rechnung so aus:

Die Aktie wird für 40 Euro gehandelt.

Sie haben das Recht, die Aktie für 45 Euro zu verkaufen.

Daraus folgert: Sie können die Aktie an der Börse für 40 Euro kaufen und – durch Ausübung Ihrer Put-Option – sofort für 45 Euro verkaufen.

Ihr Gewinn pro Aktie läge bei 5 Euro.

Davon ziehen wir den Kaufpreis der Put-Option von 1,50 Euro ab. Es bleibt ein Gewinn von 3,50 Euro pro Aktie und Put-Option. Gemessen am Kaufpreis der Puts sind das +233% Gewinn.

Die Put-Option verbucht +900% Gewinn

Gehen wir davon aus, dass der Aktienkurs bis Dezember 2014 auf 30 Euro fällt. Ihr Recht, die Aktie für 45 Euro zu verkaufen, gilt unverändert. Entsprechend können Sie die Aktie an der Börse für 30 Euro kaufen und – durch Ausübung Ihrer Put-Option – sofort für 45 Euro verkaufen. Ihr Gewinn pro Aktie läge bei 15 Euro. Ein super Geschäft. Denn:

Ihr Kaufpreis pro Put lag bei 1,50 Euro. Und Ihr Gewinn in der Aktie liegt bei 15 Euro. Davon geht der Kaufpreis von 1,50 Euro runter, verbleibt ein Gewinn von 13,50 Euro je Put-Option, entsprechend 1.350 Euro je Kontrakt mit 100 Put-Optionen.

Sie erzielen Gewinn, gerade weil die Kurse fallen

Das ist ein Gewinn von glatten +900%. Diesen konnten Sie erzielen, eben weil der Kurs der Aktie gefallen ist. Je weiter er fällt, je höher wird der Gewinn mit den Put-Optionen. Put-Optionen im Depot sichern dieses also perfekt ab.

Ihr Gewinn ist gegebenenfalls gesichert

Das Geschäft wäre „im Falle eines Falles“ sichergestellt, weil ein dann zu auszulosender Stillhalter dieser Put-Optionen es bedienen muss. Das ist seine Verpflichtung aus dem Stillhalter-Geschäft. Dafür hat er den von Ihnen gezahlten Kaufpreis als Prämie vereinnahmt. Er muss bei seinem Broker entsprechende Sicherheiten (Aktien, Cash) im Depot haben, um dieses Geschäft eröffnen und gegebenenfalls bedienen zu können.

Kein Kauf und Verkauf von Aktien zur Gewinn-Realisierung

In der Praxis kaufen und verkaufen Sie aber keine Aktien, sondern die Put-Optionen legen entsprechend stark im Wert zu. Sie haben dann als gegebenenfalls eine Put-Option zu 1,50 Euro ge- und nach dem (hier nur theoretisch angesprochenen) Crash für 15 Euro verkauft.

Zum guten Schluss: Heute vor 95 Jahren, also am 11.12.1918, kam der russische Schriftsteller, Dramatiker und Träger des Nobelpreises für Literatur, Alexander Solschenizyn, auf die Welt. Von vielen seiner zitierenswerten Zitate habe ich dieses ausgewählt:

„Wir wollen uns weigern, das zu sagen, was wir nicht denken.“

Das, so finde ich, ist ein schönes Motto für unsere Politiker. Hab ich doch bei dem einen oder der anderen oft genug den Eindruck, man würde sich weigern, uns zu sagen, was man denkt.

Was ich (zum Markt) denke, das schreibe ich hier. Ich bemühe mich, es so zu tun, dass Sie merken, was ich denke, das schreibe ich. In der Hoffnung, dass mir das gelingt, sende ich beste Grüße

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

11. Dezember 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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