Mittelstandsanleihen: das große Fragezeichen um Rating, Rendite und Börse

Der Markt für Mittelstandsanleihen boomt derzeit. In allen großen Magazinen tauchen Berichte auf. Die Mittelständler suchen Geld an Märkten statt bei Banken – bei denen die Kreditvergabe stark eingeschränkt ist. Rating, Rendite und die richtige Börse aber sind entscheidend für Sie.

Bewertung fast durchgängig schlecht

Unter normalen Aspekten dürften Sie keine der Anleihen kaufen, wenn Sie auf Sicherheit großen Wert legen. Denn: das Rating der Anleihen beträgt regelmäßig „bb-„. Das ist für institutionelle Investoren in der Regel bereits zu schlecht.

Damit sind die Anleihen nur noch auf private Investoren angewiesen. Zu dünn, um sicher zu sein. Allerdings ist der Hintergrund entscheidend: die schlechte Bewertung resultiert aus dem Umstand, dass die betreffenden Unternehmen gerade kaum Zugang zu Finanzierungsquellen haben.

Die Katze beißt sich in den Schwanz. Zwar ist die „Verschuldungssituation“ einiger Unternehmen schlecht, aber die Bewertung ist zu gleichförmig, um Mängel der einzelnen Unternehmen erkennen zu können. Das heißt: die Bewertung können Sie fast schon vergessen.

Renditen teils über 7%

Wenn Sie sicherer gehen wollen, prüfen Sie das Geschäftsmodell. Erscheint dieses als sinnvoll, ist die Firma etabliert und stimmen die Berichte über das Unternehmen, können Sie investieren.

Denn: der Handel ist derzeit an der Börse liquide. Sie können mit kleineren Mengen nicht nur ein-, sondern aussteigen, wenn Sie Bedenken haben. Ein aktuell aus unserer Sicht positiver Fall ist die „Maschinenfabrik Spaichingen“. Diese ist soeben mit einer Anleihe an den Markt gekommen, wird aber von einem Magazin schlecht bewertet.

Grund dafür ist die Abhängigkeit von „Daimler“ sowie die Verschuldung. Beide Gründe können wir so nicht nachvollziehen.

Maschinenfabrik mit positivem Ergebnis

Derzeit läuft es bei der Maschinenfabrik rund: die Automobilbranche zieht stark an, wie jetzt auch überall zu lesen ist. Die Spaichinger Maschinenfabrik hat 2010 bereits 39% mehr Umsatz als 2009 geschafft.

Das Betriebsergebnis kletterte aus dem Minusbereich in die Gewinnzone: statt 0,5 Millionen Euro Verlust 2009 sind es 2010 wieder 4,5 Millionen Euro Gewinn gewesen. Allerdings „nur“ im operativen Geschäft: „Ebit“ – Earnings before interests and taxes, also vor Steuern und Zinsen.

GeVestor.de meint: Die Automobilbranche läuft so stabil, dass die Abhängigkeit von Daimler akzeptabel ist. Rund 60% des Umsatzes machen die Spaichinger mit dem Automobilkonzern. Verluste wie 2009 sind noch vergleichsweise niedrig gewesen. Die Anleihe halten wir für nicht herausragend riskant – im Vergleich zu anderen Mittelstandsanleihen.

Die Börse Frankfurt wird sich um liquiden Handel bemühen. Das Rating spielt dann in der Beurteilung zunächst keine Rolle. Die Rendite ist mit 7,25% im Vergleich zu anderen Anleihen gut.

7. Juli 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Janne Joerg Kipp. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt