Mittelstandsanleihen: Der nächste Skandal bahnt sich an

Der DAX hat heute im Handelsverlauf zum ersten Mal die Marke von 10.300 Punkten übersprungen. Dieses Niveau konnte der deutsche Leitindex jedoch nicht ganz halten und schloss mit 10.299 Punkten.

Für Kursgewinne sorgten Gerüchte aus dem Umfeld der Europäischen Zentralbank (EZB). Angeblich will die EZB mehr Geld in den Markt pumpen als bisher im Durchschnitt erwartet. Das Zinsniveau – so das heutige Gerücht – soll mindestens bis Ende 2016 auf dem extrem niedrigen Niveau knapp über 0% gehalten werden.

Genau dieser Punkt sorgt für Umschichtungen am Kapitalmarkt: Anleger schichten in renditestärkere Aktien um, kaufen jedoch zum Teil auch sehr riskante Unternehmensanleihen. Ich kann Ihnen an diesem Punkt hier im „Schlussgong“ zum wiederholten Male nur sagen: Vorsicht Falle!

Speziell die sogenannten „Mittelstandsanleihen“ erwecken fälschlicherweise den Eindruck, dass Anleger mit einem solchen Zins-Investment in den als grundsolide geltenden deutschen Mittelstand investieren und dabei nahezu kein Risiko eingehen.

Dass letzteres nicht der Fall ist, müssen aktuell die Besitzer von Anleihen des deutschen Elektrogroßhändlers Penell schmerzlich erfahren.

Der Fall des Elektrogroßhändlers Penell

Penell, ein Mittelständler aus Darmstadt, hat sich im Juni 2014 per Mini-Anleihe 5 Mio. Euro bei Anlegern geliehen. Als Sicherheit wurde den Anlegern das Kupferlager von Penell übereignet. Doch darin befindet sich viel weniger Material als im Wertpapierprospekt behauptet.

Statt Kupfer im Wert von 7,3 Mio. Euro liegt lediglich Kupfer im Wert von rund 2,5 Mio. Euro im Lager. Dies räumte das Unternehmen inzwischen ein. In diesem kleinen Betrieb mit nur 31 Mitarbeitern müssten demnach mehrere hundert Tonnen Kupfer weniger lagern als gedacht und im Wertpapierprospekt angegeben.

Mittlerweile interessiert sich auch die zuständige Staatsanwaltschaft in Darmstadt für den Fall. Das bestätigte eine Sprecherin der Behörde gegenüber dem Handelsblatt. Es steht der Verdacht des Betruges im Raum und genau deshalb ermittelt die Staatsanwaltschaft in Darmstadt gegen die Geschäftsführung von Penell.

Denn: Die Anleger könnten bei der Emission der Anleihe getäuscht worden sein. Firmenchef Kurt Penell will allerdings „zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellungnahme zu dieser Thematik abgeben“. Dafür hat das Unternehmen aber die lückenlose juristische und kaufmännische Aufarbeitung des Sachverhaltes angekündigt.

Der Elektrogroßhändler hat dafür eine Anwaltskanzlei beauftragt. Zudem soll ein Sanierungskonzept erarbeitet werden. In einer aktuellen Pressemitteilung des Unternehmens ist auch von „etwaigen Fortführungsprognosen“ die Rede.

Die letztgenannte Äußerung und die Tatsache, dass ein Sanierungskonzept erarbeitet werden soll,  lassen darauf schließen, dass das Unternehmen bereits mit dem Rücken zur Wand steht. Dies äußert sich auch im Kurs der Anleihe der Penell GmbH. Dieser ist zwischenzeitlich um rund 70% abgerutscht.

Nicht der erste Skandal um eine Mittelstandsanleihe

Am skandalgeplagten Markt der Mittelstandsanleihen sorgten auch besicherte Anleihen häufig für Schwierigkeiten. Der Grund: Oft stellte sich heraus, dass die Sicherheiten, die im Emissionsprospekt angegeben waren, in Wahrheit so nicht vorhanden waren oder starke Zweifel am echten Wert bestehen.

Theoretisch sollen die Sicherheiten die Stellung der Anleger verbessern, wenn ein Unternehmen in Schieflage gerät. Praktisch funktioniert dies aber nur dann, wenn die Sicherheiten auch tatsächlich in der angegebenen Höhe vorhanden sind. Also nicht so wie im aktuellen Fall Penell.

Fazit: Hohe Zinsen bedeuten zumeist auch hohe Risiken

Das Lockmittel und Werbeargument im Zusammenhang mit Mittelstandsanleihen sind die vergleichsweise hohen Zinsen (im Fall Penell 7,75%). Seien Sie bei derart hohen Zins-Angeboten grundsätzlich vorsichtig. Das genannte Beispiel zeigt Ihnen, dass in der aktuellen Niedrigzinsphase derartige Zinsversprechen mit größter Vorsicht zu genießen sind.

Im Zweifel sollten Sie auf Anleihen von börsennotierten Unternehmen setzen, da bei diesen der Informationsfluss wesentlich besser ist. Wenn Sie täglich einen Aktienkurs als Referenz haben und in ein Unternehmen investieren, das regelmäßig Quartalsberichte veröffentlichen muss, ist Ihr persönliches Risiko deutlich geringer.

21. Januar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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