Mode-Aktien: Inditex erzielt Rekordzahlen, Gerry Weber geht in die Insolvenz

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Inditex weiß den Onlinehandel für sich zu nutzen, Gerry Weber dagegen nicht, dass Unternehmen meldete Insolvenz an. (Foto: Casimiro PT / shutterstock.com)

Inditex konnte 2018 die besten 9-Monats-Zahlen der Unternehmensgeschichte vorlegen, obwohl das Unternehmen durch den starken Euro deutlich belastet wurde.

Da der Konzern auf die Billigproduktion in Asien verzichtet und seine Waren direkt in Europa herstellt, fallen die Kosten des Unternehmens in Euro an. Den Umsatz erwirtschaften die Spanier jedoch weltweit und deshalb zu großen Teilen in Fremdwährungen. Der Umsatz stieg um 2,6% auf 18,4 Mrd. €. Ohne den Wechselkurseffekt hätte das Wachstum 7% betragen. Am stärksten wirkt sich der Wechselkurseffekt auf das operative Ergebnis aus: Mit 3 Mrd. € verdiente der Konzern 2,6% mehr. Währungsbereinigt hätte das Wachstum 14% betragen.

Der Branchenprimus hat zwei deutliche Vorteile gegenüber der Konkurrenz

Herstellung und Vertrieb. Inditex produziert in Europa und kann viel schneller als die Konkurrenz auf Wetterbedingungen und Modetrends reagieren. Der Konzern kombiniert den Vertrieb in Ladengeschäften geschickt mit dem Onlinehandel. Inditex hat 7.442 Läden in 96 Ländern. Während die Konkurrenz das Onlinegeschäft als Ergänzung der Ladengeschäfte behandelt, ist es bei Inditex anders herum: Die größte Marke Zara ist online bereits in 106 Ländern verfügbar. Läden ergänzen dann später das gut laufende Onlinegeschäft.

Der Konzern hat sich vorgenommen, alle 8 Marken bis 2020 weltweit verfügbar zu machen. Die Läden werden immer enger mit dem Onlinegeschäft verknüpft. Inditex hat den Modehandel des 21. Jahrhunderts verstanden und führt dessen Entwicklung an.

Unternehmensporträt

Der spanische Modekonzern Inditex (Industria de Diseño Textil SA) gehört zu den weltweit führenden Unternehmen in der Bekleidungsbranche. Inditex verfügt über 8 Marken: die Kernmarke ZARA (Umsatzanteil 66%), Bershka (9%) und die kleineren Marken Pull & Bear, Massimo Dutti, Stradivarius, Oysho, Zara Home und Uterqüe. Das Unternehmen ist mit 7.442 Stores in 96 Ländern der Welt tätig.

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Gerry Weber International geht in die Insolvenz

Nach schlechten 9 Monats-Zahlen und einem düsteren Jahresausblick hat Gerry Weber im Januar Insolvenz angemeldet. Zusammen mit dem Sanierungsexperten Christian Gerloff, der zuvor unter anderem K&L und Wöhrl saniert hat, versucht der Vorstand das Unternehmen wieder auf die Beine zu bringen. Die Insolvenz bezieht sich nur auf die Muttergesellschaft Gerry Weber International. Tochtergesellschaften wie Hallhuber sind noch nicht betroffen. Als erste Maßnahme ist die Schließung von 230 Verkaufsflächen und der Abbau von 900 Arbeitsplätzen geplant. Nach Angaben des Unternehmens ist die Finanzierung des Geschäftsbetriebs bis 2020 gesichert.

In den ersten 9 Monaten 2018 sank der Umsatz um 7,3% auf 575 Mio. €. Unterm Strich stand ein Verlust von 10,7 Mio. €.

Alle Geschäftsfelder schrumpften

Die Umsatzeinbußen trafen sowohl den Großhandel als auch das Kundengeschäft. Auch der einstige Hoffnungsbringer Hallhuber musste Einbußen hinnehmen. Der Umsatz schrumpfte im 3. Quartal um 8,2%. Gerry Weber hat die Trendwende im Modemarkt hin zum Online-Geschäft verschlafen und hat nur geringe Aussichten, diesen Nachteil aufzuholen. Der Umsatzanteil des Online-Geschäfts liegt bei nur 7,2%. Noch düsterer sieht der Ausblick auf die Jahreszahlen aus. Im vorläufigen Ergebnis spricht der Konzern von einem Umsatzrückgang von 10% auf 795 Mio. €. Das operative Ergebnis weist einen Fehlbetrag von 148,1 Mio. € aus.

Unternehmensporträt

Gerry Weber International ist einer der führenden Damenoberbekleidungshersteller in Deutschland und Europa. Der Konzern hat mit seinem Vertriebskonzept eigener Einzelhandelsgeschäfte „Houses of Gerry Weber“ und Verkaufsflächen (Shop-in-Shop) im Handel die Stellung seiner Kernmarke Gerry Weber sowie Taifun und Samoon stetig ausgebaut. Lizenzprodukte wie Schmuck, Taschen, Brillen, Schuhe und eine Herrenkollektion ergänzen das Markenportfolio.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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