Mode oder die Vorteile von Börsentrends – Teil 2

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Anders als im Alltag können wir mit der Charttechnik Start, Ende und Stärke von Trends an den Börsen bestimmen. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Heute gibt es, wie versprochen, den zweiten Teil meines Beitrags zum Thema Trends. Falls Sie den ersten Part versäumt haben, können Sie ihn hier noch einmal im Detail nachlesen.

Es ging im Wesentlichen darum, dass wir im Alltag vielleicht noch den einen oder anderen Trend zu erkennen vermögen. Indes gestaltet es sich beispielsweise schwierig, zu bestimmen, seit wann etwas in Mode ist.

Auch die Stärke eines Alltags-Trends können wir bestenfalls per Bauchgefühl ermessen, weil wir etwa darüber mehrfach etwas lesen, sehen oder hören.

Das ist an der Börse anders. Mit Hilfe der Charttechnik können wir sogar sehr präzise Beginn und Ende eines Trends oder seine Stärke definieren. Und genau darum soll es heute gehen.

Trend-Beginn und Trend-Ende definieren

Im ersten Teil meines Trend-Beitrags hatte ich Ihnen den Gleitenden Durchschnitt, auch als GD oder Tagelinie bezeichnet, als das wohl gängigste Werkzeug der Charttechnik zur Trend-Bestimmung vorgestellt.

Wo also beginnen und enden Trends? Dazu schauen wir noch einmal auf die Charts des ersten Teils, diesmal jedoch zu einer Grafik verschmolzen.

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Dialog Semiconductor: Trend-Beginn und Trend-Ende definieren

Grundsätzlich gibt es mehrere Ansätze, Beginn und Ende von Trends zu definieren. Das liegt daran, dass Anleger unterschiedliche Zeithorizonte bei ihrer Art zu Investieren bevorzugen.

So schaut ein Anleger, der nur wenige Tage investiert sein möchte, mit anderen Augen auf einen Chart, als ein langfristig orientierter Investor.

Unterschiedliche Methoden für unterschiedliche Zeithorizonte

Im Chart habe ich Ihnen einige solcher Definitionsmöglichkeiten farblich dargestellt.

So werden kurzfristig orientierte Investoren eher auf die gelben Kreise achten: Sie kennzeichnen Schnittpunkte des Kursverlaufes mit den Tagelinien.

Wer etwas mehr auf Sicherheit gehen möchte, schaut auf die blauen Kreise: Sie markieren Punkte, an denen die Tagelinien, mithin also die Trends, ihre Richtung wechseln.

Langfrist-Investoren achten hingegen wohl eher auf die roten, orangefarbenen oder grauen Kreise: Hier liegen Schnittpunkte der Tagelinien vor. Je nachdem, welche Tagelinien sich kreuzen, entstehen oder enden kurz- (rot), mittel- (orange) oder langfristige (grau) Trends.

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Wohlgemerkt: Es geht hier nicht darum, diese Punkte als Kaufsignal oder Verkaufssignal zu betrachten. Dazu sind die Gleitenden Durchschnitte aufgrund ihrer zeitlichen Verzögerung auch eher weniger gut geeignet.

Vielmehr wollen wir hier Trends erkennen und bestimmen. Sie sollen die Werkzeuge kennenlernen, mit deren Hilfe Sie Trends definieren können, die Ihrem persönlichen Zeithorizont beim Investieren entsprechen.

Denn das ist auch klar: Wenn Sie einen Trend erkannt haben, dann können Sie mit einiger Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass dieser Trend andauert. Und Sie können dann mit anderen Vorgehensweisen Ihren Ein- oder Ausstieg bestimmen.

Trend-Stärke bestimmen mit Hilfe der Tagelinie

Schauen wir zum Abschluss noch darauf, wie die Trend-Stärke definiert werden kann.

Auch hier hält die Charttechnik natürlich unterschiedliche Methoden für uns bereit. Ich möchte Ihnen die einfachste zeigen, die ich kenne: Dazu werden nämlich auch die Gleitenden Durchschnitte genutzt.

Um eine Trend-Stärke zu bestimmen, messen Sie ganz einfach den Abstand des Schlusskurses zu einer Tagelinie. Auch hier gilt: Suchen Sie sich den Gleitenden Durchschnitt, der mit Ihrem Zeithorizont beim Investieren konveniert.

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Trend-Stärke bestimmen mit Hilfe der Tagelinie

Mit meiner Chartsoftware habe ich mir einen solchen Indikator selbst gebastelt. Sie sehen im unteren Chartteil den Abstand zur 20-Tagelinie und darunter die Trend-Stärke des GD50.

Der Abstand zur 200-Tagelinie fehlt hier nur aus Gründen der Übersichtlichkeit. Er eignet sich natürlich sehr gut für den langfristigen Anlagehorizont.

Je weiter sich der prozentuale Abstand des Schlusskurses vom Gleitenden Durchschnitt ausdehnt, umso stärker ist der Trend – aufwärts oder abwärts – einzuschätzen. Dabei stelle ich immer wieder eine Tendenz der Trend-Stärke zur Gleichmäßigkeit fest.

Durch die von mir farblich unterlegten Phasen wird deutlich, was ich meine: In der Abwärtsphase zwischen Oktober 2012 und März 2013 pendelte der Abstand zum GD50 (unten) zwischen +4% und -12%. Das Verlassen dieser Spanne im März 2013 zeigte eine Verstärkung des Abwärtstrends an.

Andersherum signalisiert das Ausbrechen nach oben aus der Trend-Stärke-Spanne der letzten Monate (gelb) ganz aktuell eine Beschleunigung des mittelfristigen Trends (50-Tagelinie).


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.