Modebranche von Corona erschüttert

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Die Modebranche wurde so drastisch wie kaum eine andere von der Corona-Pandemie getroffen. Ganze Kollektionen konnten nicht verkauft werden. (Foto: Casimiro PT / shutterstock.com)

Die Modebranche wurde so drastisch wie kaum eine andere von der Corona-Pandemie getroffen. Überall auf der Welt wurden die Läden über mehrere Wochen geschlossen. Ganze Kollektionen konnten nicht verkauft werden. Von heute auf morgen hatten zahlreiche Unternehmen keinen Umsatz mehr. Dafür füllten sich die Lager mit Artikeln, die jetzt niemand mehr kaufen möchte. Die Krise ist aber noch lange nicht ausgestanden. Die Shoppinglust ist nach dem Lockdown längst nicht auf dem Niveau wie vor der Krise.

Viele Kunden stören sich an den Infektionsschutzmaßnahmen, andere vermeiden aus Angst vor einer Infektion unnötige Kontakte und Menschenansammlungen. Die wirtschaftliche Unsicherheit infolge der Pandemie lässt viele Kunden den Gürtel enger schnallen. Es ist noch nicht absehbar, ob die Läden je wieder so voll werden wie sie vor Corona waren.

Zahlreiche Unternehmen stehen vor dem Aus

Allein in Europa sind 13.000 Unternehmen und 158.000 Jobs in der Textilindustrie gefährdet. Corona beschleunigt eine Entwicklung, die sich bereits seit Jahren abzeichnet. Die Branche steht vor einer Konsolidierung. Viele kleine Unternehmen schaffen es nicht, bei dem tiefgreifenden Wandel der Branche Schritt zu halten und werden in den nächsten zwei Jahren vom Markt verschwinden.

Übrig bleiben die wenigen großen Player, die den Wandel anführen. Die Pandemie ist der endgültige Todesstoß für alle Firmen, die bis heute die Wichtigkeit des Onlinehandels nicht verstanden haben. Mit stationären Ladengeschäften allein ist im 21. Jahrhundert kein Überleben mehr möglich.

Erfolgreiche Verbindung von Onlinehandel und Ladengeschäft

Das Erfolgsrezept für die kommenden Jahre liegt in der Integration von Onlinehandel und Ladengeschäft. Erfolgreiche Unternehmen wie H&M und Inditex verstehen die beiden Vertriebswege nicht als Gegensatz, sondern als Einheit. Dafür verzahnen sie die verschiedenen Elemente zu einem neuartigen Einkaufserlebnis, das ein reiner Onlinehändler nicht bieten kann.

Ein Kleidungsstück kann in der Filiale anprobiert werden und dann über die App in einer anderen Farbe direkt nach Hause bestellt werden. Die Lieferung geschieht spätestens am nächsten Tag. Dabei profitieren die großen Unternehmen von modernsten Technologien. Mit Big Data wird das Einkaufserlebnis für die registrierten Kunden immer weiter personalisiert.

Neue Kundenwünsche erzwingen neue Investitionen

Der Trend zu immer schnellerer und billigerer Mode scheint sich langsam abzuschwächen. Nachhaltigkeit, Klimaschutz und soziale Verantwortung rücken in den Fokus der Kunden. Nachhaltig produzierte Kollektionen finden trotz höherem Preis hervorragenden Absatz.

Um diese Trends bedienen zu können, setzen die Branchenführer auf Recyclingprogramme und bauen Produktnachverfolgungssysteme auf, die dem Kunden einen transparenten Überblick zu den Produktionsbedingungen, Rohstoffen und der Umwelt- und Klimaverträglichkeit einzelner Produkte bieten. Sowohl die Nachhaltigkeitsansprüche der Kunden als auch die integrierten Vertriebssysteme kosten sehr viel Geld. Nur wenige große Unternehmen können sich diese Erfolgsmodelle leisten. Kleine Konkurrenten haben häufig keine andere Möglichkeit, als sich immer weiter zu verkleinern.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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