Modelabel French Connection: Übernahmegerüchte lösen Kursrally aus

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Erst waren es nur Gerüchte, die aber schnell bestätigt wurden: Dem angeschlagenen Londoner Modelabel French Connection UK liegen gleich 2 unverbindliche Übernahmeofferten vor. (Foto: spatulatail / shutterstock.com)

Am vergangenen Freitag kam es an der Londoner Börse (LSE – London Stock Exchange) zu einer Kursrally: Die Aktien des britischen Modelabels French Connection plc (plc – public limited company – britische Rechtsform zumeist börsennotierter Aktiengesellschaften) schossen binnen weniger Stunden um mehr als 70% in die Höhe.

French Connection bestätigt Übernahmegerüchte

Die Ursache für diese Rally können Sie sich schon denken: Es kursierten Übernahmegerüchte rund um das britische Modehaus, die Londoner auch im Laufe des Börsentages in einer kurzen Pressemitteilung bestätigten:

„Der Vorstand von French Connection Group Plc nimmt die jüngste Aktienkursbewegung zur Kenntnis und bestätigt, dass er separate Angebote von den Investoren Spotlight Brands in Kooperation mit Gordon Brothers International LLC sowie Go Global Retail in Verbindung mit HMJ International Services Ltd als potenzielle Bieter für French Connection Group Plc erhalten hat, die jeweils zu einem Angebot für das Unternehmen führen können oder auch nicht.“

Die Angebote kommen jeweils von Investitionsgesellschaften, die sich auf die Modebranche spezialisiert haben. So hat Spotlight kürzlich in die Fitnessmarke Sweaty Betty investiert und Gordon Brothers hat im vergangenen Jahr die insolvente Marke Laura Ashley übernommen. Auch Go Global Retail ist eine Marken-Investmentgesellschaft, die bisher in Bekleidungsunternehmen wie VF Corp., Guess und Billabong investiert hat.

Übernahmegespräche noch in Frühphase

French Connection hat laut eigenen Angaben bereits erste Gespräche mit beiden potenziellen Bietern geführt. Die Verhandlungen befinden sich aber noch in einem sehr frühen Stadium, so das Londoner Unternehmen.

Ob es zu einem offiziellen Übernahmeangebot nach britischem Recht kommen werde, sei ungewiss. Auch die Angebotsbedingungen seien noch offen. Allerdings geht der French-Connection-Vorstand davon aus, dass es sich bei beiden Offerten um Barangebote handeln werde, so das Unternehmen.

French Connection seit Jahren unrentabel

French Connection wurde 1972 vom heutigen Geschäftsführer (CEO) Stephen Marks gegründet. Das Unternehmen beschäftigt aktuell etwa 1.000 Mitarbeiter und betreibt in Europa 79 und in den USA 2 Mode-Einzelhandelsgeschäfte in Eigenregie. Darüber hinaus gibt es weltweit 173 weitere stationäre Modegeschäfte, die die junge Mode von French Connection als Franchisenehmer oder unter Lizenz verkaufen.

Schaut man sich die Zahlen des Londoner Modehändlers jedoch genauer an, wird schnell deutlich, dass sich das Unternehmen schon seit längerer Zeit in wirtschaftlichen Problemen befindet. So wurden alleine in 2019 15 der in Eigenregie betriebenen Modegeschäfte geschlossen. Auch 22 Franchise- bzw. Lizenzgeschäfte wurden in dieser Zeit aufgegeben.

Der sukzessive Niedergang des Labels wird auch in den Geschäftszahlen deutlich. So sank der Umsatz des Konzerns von 189,4 Mio. Britischen Pfund (GBP) in 2014 auf 119,9 Mio. GBP in 2020. In gleichen Zeitraum wurden durchweg Verluste eingefahren.

Weiterer Umsatzeinbruch nach Corona-Lockdown

Die Lockdowns im Bereich des stationären Mode-Einzelhandels haben jetzt dazu geführt, dass der Umsatz im ersten Halbjahr 2020 auf nur noch 23,9 Mio. GBP abgestürzt ist. Damit wurde nicht einmal mehr die Hälfte des Umsatzes aus dem ersten Halbjahr des Vorjahres erreicht.

Auch der Verfall des Börsenwerts macht den massiven Wertverlust von French Connection deutlich: Auf dem wirtschaftlichen Höhepunkt im Jahre 2004 lag die Marktkapitalisierung des Londoner Modehändlers noch bei stolzen 500 Mio. GBP. Trotz der Kursrally vom Freitag hat das Unternehmen aktuell einen Börsenwert von nur noch 24,6 Mio. GBP (28 Mio. Euro).

In dieser misslichen Lage ist eine Übernahme möglicherweise ein rettender Strohhalm für die Inhaber des Unternehmens. Der Gründer und CEO von French Connection, Stephen Marks, hatte laut Presseinformation bereits 2018 öffentlich über einen möglichen Verkauf nachgedacht. Marks hält etwa 40% der French-Connection-Aktien.

Wie es weitergeht

Laut britischem Börsenrecht haben sowohl Spotlight als auch Go Global Retail jetzt bis zum 5. März 2021 Zeit, ein verbindliches Angebot abzugeben. Ob es so weit kommen wird, hängt sicherlich maßgeblich vom Verlauf der weiteren Gespräche ab.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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