Moderna schlägt Biontech: Neuer Impfstoff kurz vor Zulassung

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Eine Woche nach Biontech meldet auch Moderna einen Durchbruch in Sachen Corona-Impfung. Das Präparat hat einen erheblichen Vorteil. (Foto: romaset / Shutterstock.com)

Vor einer Woche sorgte die Mainzer Firma Biontech für ein globales Kursfeuerwerk: Ein gemeinsam mit dem US-Pharmariesen Pfizer entwickelter Impfstoff gegen Covid-19 liefert in der Phase III der klinischen Studien erfolgversprechende Ergebnisse, ein Antrag auf Zulassung steht offenbar kurz bevor. Von einer mehr als 90-prozentigen Schutzwirkung ist die Rede.

Am heutigen Montag nun zieht ein Konkurrent nach. Der US-Konzern Moderna steht demnach ebenfalls kurz vor einer Zulassung seines Impfstoffes, der die symptomatische Erkrankung mit Covid-19 um 94,5 Prozent verringern soll.

Unklar ist bislang, inwieweit beide Impfstoffe auch vor der eigentlichen Infektion schützen und somit zur Eindämmung der Virusübertragung beitragen können. Eine hohe Wirksamkeit konnte bislang in erster Linie für den Schutz vor schweren Krankheitsverläufen bestätigt werden.

Moderna Wirkstoff bietet entscheidenden Vorteil

Beide Impfstoffe basieren auf der sogenannten mRNA-Technologie. Der Wirkstoff von Moderna hat gegenüber dem Produkt von Biontech jedoch einen wesentlichen Vorteil: Das Präparat hält sich auch bei normalen Kühlschranktemperaturen von 2 bis 8 Grad Celsius und ist dann etwa 30 Tage verwendbar. Demgegenüber benötigt der Biontech-Impfstoff eine Lagerung bei minus 80 Grad Celsius. Die wenigsten Arztpraxen verfügen über entsprechende Lagerungsmöglichkeiten, sodass zentrale Impfstationen eingerichtet werden müssen, um eine korrekte Verwahrung sicherzustellen.

Anleger reagierten umgehend: Die Moderna Aktie legte im Tagesverlauf zeitweise um mehr als 15 Prozent zu, während Anteilsscheine von Biontech um rund 13 Prozentpunkte ins Minus sackten. Die Pfizer Aktie gab um knapp 5 Prozent nach.

Über 2 Milliarden Impfdosen 2021 verfügbar?

Sowohl in den USA wie auch in Europa laufen derzeit die Vorbereitungen für ein beschleunigtes Zulassungsverfahren der Impfstoffe. Bereits Ende des Jahres oder Anfang nächsten Jahres könnten demnach die ersten Impfstoffdosen ausgeliefert werden. Bei Biontech geht man von bis zu 300 Millionen Impfdosen bis April aus, im Gesamtjahr 2021 sollen 1,3 Milliarden Stück produziert werden. Auch bei Moderna will man zum Jahreswechsel starten und rechnet für das kommende Jahr mit etwa einer Milliarde Impfdosen.

Dennoch ist der Weg zurück zur Normalität noch weit. Biontech-Chef Ugur Sahin ließ sich jüngst mit den Worten zitieren, mit einer Normalisierung sei frühestens Ende 2021 zu rechnen. Tatsächlich wird es wohl eine Weile dauern, bis hinreichend viele Menschen geimpft wurden, doch die Impfstoffe bieten immerhin einen Hoffnungsschimmer.

Folgt ein zweites Jahr Stillstand?

Vor allem die seit dem Frühjahr im Dauerlockdown befindlichen Wirtschaftszweige, etwa die Veranstaltungsbranche oder auch die zahlreichen Solo-Selbständigen aus dem Kulturbereich, fiebern dem Impfstoff entgegen. Schließlich bietet eine Impfung weiter Teile der Bevölkerung bislang die einzige Aussicht auf eine Wiederaufnahme ihres Geschäftsbetriebs.

Für das Jahr 2020 verzeichnen etliche Betriebe und Beschäftigte herbe finanzielle Einbußen, nicht wenige kämpfen um ihre wirtschaftliche Existenz. Aber auch der Bund hat mit seinen milliardenschweren Hilfspaketen tiefe Löcher in die Staatskasse gerissen.

Doppelter Impfstoff, doppelte Chance

Zwar betont Bundesfinanzminister Olaf Scholz regelmäßig die Leistungsfähigkeit seiner „Bazooka“, doch allen Beteiligten dürfte klar sein, dass ein solches Modell auf Dauer nicht tragfähig sein kann – zumal die Selbständigen und Unternehmer zum überwiegenden Teil auch nicht dauerhaft auf staatliche Hilfen angewiesen bleiben, sondern ihren Lebensunterhalt selbst erwirtschaften wollen.

So gesehen sollte man die Impfstoffe von Biontech und Moderna weniger als Konkurrenten sehen, sondern eher als doppelte Chance: Zusammen könnten die Firmen im kommenden Jahr mehr als 2 Milliarden Impfdosen bereitstellen und damit über 1 Milliarde Menschen gegen Covid-19 immunisieren.

Das ist ein Anfang.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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