Mögliche Akorn-Übernahme: 150% Gewinnchance und doch kein Kauf

Die Akorn-Aktie bietet zwar 150% Übernahme-Chance, doch ein Kauf ist das Papier dennoch nicht. (Foto: Fresenius SE & Co. KGaA)

Ein Leser meines Börsendienstes AmericanTargets fragte mich in der zurückliegenden Woche per Email, ob wir nicht in die Aktie des US-amerikanischen Generika-Herstellers Akorn einsteigen sollten.

Er verwies dabei auf einen Bericht des Analysehauses RBC Capital, in dem der Analyst die Übernahme-Chance durch den deutschen Gesundheitskonzern Fresenius noch nicht aufgegeben hat.

Meine Antwort dazu möchte ich auch mit den Lesern des Übernahme-Sensors teilen. 

Fresenius wirft Akorn Betrug vor und kündigt Übernahme-Vereinbarung auf

Rückblick: Fresenius kündigte im Jahr 2016 eine Einkaufstour an, mit dessen Hilfe der Unternehmensgewinn bis 2020 auf 2,7 Mrd. Euro anschwellen soll. Teil der Strategie war eine Übernahme des Generika-Herstellers Akron, die mit 4,4 Mrd. Euro der zweitgrößte Deal in der Unternehmensgeschichte gewesen wäre.

Nach der Deal-Ankündigung tauchten jedoch anonyme Hinweise auf, dass Akorn gegen Vorgaben der US-Gesundheitsbehörde verstoßen habe und bei der Medikamentenentwicklung falsche Angaben machte.

Fresenius ging den Hinweisen nach und entschied sich dann im April dieses Jahres, den Deal wegen Betrug und Dateienfälschung platzen zu lassen – Akorn wiederum klagt auf Dealabschluss zu den vereinbarten Konditionen.

Akorn-Aktie meilenweit vom Übernahme-Preis entfernt

Die Akorn-Aktie kam nach dem Übernahme-Aus massiv unter die Räder und notiert aktuell mit 13,70 Dollar über 20 Dollar unter dem von Fresenius angebotenen Übernahme-Preis.

Wer also auf einen Deal setzt, hat fast 150% Gewinn wenn die Übernahme doch noch zustande kommt. Das sieht verlockend aus, doch steht dem ein sehr großes Risiko entgegen. In den schlimmsten Szenarien wird ein Akorn-Kurs von 5 Dollar vermutet.

Wer also auf einen Deal setzt, könnte über 60% seines Einsatzes verlieren wenn die Übernahme nicht kommt. 

Übernahme-Chance minimal

Auf den ersten Blick scheint die Chance von 150% Gewinn das Risiko von 60% Verlust aufzuwiegen. Doch dieser Eindruck täuscht. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Übernahme zu den ursprünglichen Konditionen kommt, ist gering.

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Fresenius ließ auf der Hauptversammlung in der vergangenen Woche wissen, dass die Entscheidung dem Management nicht leicht gefallen ist, doch der Deal-Abbruch die logische Konsequenz war.

Fresenius wirft Akorn systematischen Betrug seit 2012 vor und hat konkrete Datenfälschungen angeführt, zum Beispiel zum Vermarktungsantrag des Antibiotikums Azithromycin.

Akorn hält dagegen und hebt hervor, dass das Antibiotikum nie vermarktet wurde und auch kein nennenswerter Beitrag in der Prognose zukünftiger Gewinne berücksichtigt wurde.

Fraglich ist jedoch, ob dies ein betrügerisches Verhalten entschuldigt. Es muss davon ausgegangen werden, dass Fresenius den Fall für stark genug hält, um einem  juristischen Nachspiel Stand zu halten. 

Fresenius will auch keinen Deal zu verbesserten Konditionen

Nicht selten kommt es in ähnlichen Fällen zu einer Nachverhandlung und zu einer Einigung zu einem tieferen Übernahme-Preis.

Die Akorn-Geschäftsentwicklung war nach der Deal-Ankündigung schlecht und einige Investoren könnten darauf setzen, dass Fresenius es lediglich auf eine Preisreduzierung abgesehen hat.

Ein Analyst – meines Wissens ebenfalls RBC – brachte auch nach dem Deal-Aus diese Möglichkeit ins Spiel, doch darauf angesprochen, winkte Fresenius ab.

Akorn-Aktie aktuell kein Kandidat für meinen Börsendienst AmericanTargets

Zusammenfassend: Es gibt die Möglichkeit, dass der Deal zu den vereinbarten Konditionen stattfindet, doch die Wahrscheinlichkeit dafür ist ebenso gering wie die Wahrscheinlichkeit, dass es einen nachverhandelten Deal gibt.

Am wahrscheinlichsten ist, dass der Deal nicht stattfindet. Wenn das wahrscheinlichste Szenario ein Deal-Aus ist, dann wird eine Investition zum Casino-Spiel. Den Lesern meines Börsendienstes AmericanTargets werde ich auf Basis der aktuellen Nachrichtenlage die Akorn-Aktie daher nicht zum Kauf empfehlen.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.