Mögliche Lösung der Eurokrise und britisches Pfund legt 2% zu

Die Rede von Theresa May schlägt auch heute weiter Wellen: Nachdem die britische Premierministerin sich öffentlich zum Thema BrExit geäußert hatte, gewinnt das Pfund am Dienstag deutlich gegen US-Dollar und Euro.

Britisches Pfund findet neue Stärke

Ob nachhaltig oder nicht – das sei einmal dahingestellt.

Auf jeden Fall gab es heute einen ordentlichen Sprung: Der EUR/GBP-Kurs zeigt eine große rote Kerze. Gegen Nachmittag hat der Euro gegenüber dem Pfund rund 2% einbüßen müssen.

Den US-Dollar trifft es im Vergleich noch härter: Hier stehen bei USD/GBP 3% in rot.

Letztlich bleibt vorerst abzuwarten, wohin die Reise tatsächlich geht. Zugegeben: Die heutige Bewegung war extrem und sei den Briten in der BrExit-Krise auch gegönnt.

Eine einzige Rede von Theresa May wird allerdings auch nicht die Folgen abwenden können, wenn Großbritannien die EU verlassen wird.

Und um den aktuellen Kurssprung ein wenig in Relation zu setzen:

Aktuell notiert das Währungspaar EUR/GBP bei 0,86. 1 € ist demnach 0,86 Pfund wert. Der Stand vor dem Ergebnis des BrExit-Referendums war 0,76 am 23. Juni 2016.

Das Pfund ist also immer noch 10 Cent weniger wert als vor der Wahl. Für Chart-Analysten ist übrigens bei rund 0,83 noch ein starker Widerstand, den das Währungspaar eventuell jetzt anläuft.

Aber wie schon erklärt, bleibt noch Vieles ungewiss bis zur endgültigen Entscheidung.

Accountability Bonds als Rettung aus der Eurokrise?

Heute erfahren Sie mehr zur gestern angesprochenen Lösung in der Schuldenkrise. Gerade weil dieses Thema momentan nicht im Vordergrund der Medien ist, brodelt es nämlich unter dessen Decke gewaltig.

Italien und seine Banken fahren weiterhin mit hoher Geschwindigkeit auf den Abgrund zu. Kritisch ist dies deshalb, weil die Bankschulden im Falle eines Falles auf den Staat umgelegt werden und dieser somit synchron abstürzen würde.

Um diese Bauchlandung zu dämpfen – oder idealerweise zu verhindern – könnten die genannten Accountability Bonds als Airbag dienen.

Schlüssel bei dieser Lösung ist nämlich, dass diese Art der Staatsanleihen sich in Luft auflösen.

Im Klartext: wertlos verfallen. So müsste kein ESM oder sonstiger Rettungsschirm einspringen und auch kein Land letzten Endes den Kopf hinhalten.

Besonders interessant ist hierbei, dass diese Bonds nicht von der EZB gekauft werden. Die riesige Schuldenkrake würde also nicht noch dicker werden.

Eine spezielle Spielregel machen diese Staatsanleihen einmalig: Dreh- und Angelpunkt ist die Quote der Staatsverschuldung.

Liegt diese über 120%, so wird die Laufzeit der Accountability Bonds automatisch verlängert. In der Zwischenzeit gibt es auch keine Zinsen auf die Staatsanleihen!

Erst wenn die Schuldenquote des jeweiligen Staates wieder unter 120% sinkt, werden die Zinsen und die restliche Laufzeit der Anleihen wieder aktiv.

Wer privat Schulden aufgenommen hat und einmal eine Schieflage hatte, der kennt die unendliche Geschichte der Mahnkosten und Zinsen.

Dieses Limit bei 120% Verschuldung macht dieser Schulden-Spirale ein Ende und ermöglicht zumindest zu einem gewissem Maße eine Sanierung des Haushalts.

17. Januar 2017

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.

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