Mögliche Sensation in der Pharma-Branche

Mögliche Sensation in der Pharma-Branche: Fusion zwischen Roche und Novartis scheint plötzlich möglich. (Foto: Jonathan Weiss / Shutterstock.com)

Erwartungsgemäß konnten sich in den USA die Demokraten und Republikaner nicht auf einen Haushaltskompromiss einigen. Rund 800.000 Staatsdiener wurden daher in den unbezahlten Zwangsurlaub geschickt.

Und die Reaktion an der Börse? Der deutsche Leitindex DAX gewann gut 1% und kletterte auf 8.689 Punkte. Der politische Streit in den USA war keine Überraschung und war daher in den Kursen bereits eingepreist.

Jetzt wird auch immer klarer, warum die US-Notenbank Fed weiterhin 85 Milliarden US-Dollar pro Monat in den Markt pumpt: Die Notenbanker haben damit gerechnet, dass es zum politischen Streit kommt und wollten den Markt nicht doppelt belasten.

Sobald sich Demokraten und Republikaner geeinigt haben, wird die Fed eingreifen und das Tempo der Gelddruckmaschine reduzieren.

Novartis und Roche: Eiszeit beendet

Während sich in den USA die Demokraten und die Republikaner munter streiten, deutet sich in Europa ein überraschendes Friedensangebot an. Jahrelang hatte eine Eiszeit zwischen den beiden Schweizer Pharma-Riesen Roche und Novartis geherrscht.

Doch plötzlich die unverhoffte Wende: Nachdem bereits in der vergangenen Woche seitens Novartis Friedenssignale in Richtung Roche gesendet worden sind, zog der Roche-Chef Severin Schwan jetzt in einem Interview mit der Financial Times nach.

Fusion zwischen Roche und Novartis langfristig möglich

“Sollte die richtige Gelegenheit kommen, wären wir sehr offen für Gespräche mit Novartis”, sagte Schwan gegenüber der Financial Times.

Plötzlich scheint also auch Roche offen für Gespräche. Zunächst geht es nur um die Zusammenarbeit bei einzelnen Projekten. Aber wenn dieser Test erfolgreich bestanden wird, ist mittel- und langfristig sogar ein Zusammenschluss möglich.

Bereits vor einer Woche hatte das Novartis-Verwaltungsratsmitglied Pierre Landolt der Baseler Zeitung gegenüber gesagt, dass eine Fusion der beiden Schweizer Pharmakonzerne aus sachlichen Überlegungen heraus Sinn machen würde.

Solche Fusionsgedanken hatte es bereits Anfang des Jahrtausends gegeben. Damals hatte Novartis knapp ein Drittel der Roche-Anteile erworben und hält diese seitdem.

Seinerzeit überwarfen sich jedoch die beiden Drahtzieher dieser Transaktion. Es handelte sich dabei um den damaligen Roche-Chef Franz Humer und den damaligen Novartis-Boss Daniel Vasella.

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Die beiden Streithähne von damals spielen aber heute (fast) keine Rolle mehr in den beiden Unternehmen.

Dennoch ist ein Zusammenschluss kein Selbstläufer: Aktuell steht einer Fusion der beiden Pharma-Riesen vor allem noch das Aktienpaket der Familie Roche im Wege. Diese hält noch immer 45% der Roche-Anteile.

Generationswechsel bei Roche soll helfen

Humer und Vasella, die beiden Widersacher von damals, werden schon bald Geschichte bei Novartis und Roche sein.

Vasella ist schon seit Anfang 2013 nicht mehr an der Spitze des Verwaltungsrats bei Novartis und auch bei Roche steht ein Generationswechsel unmittelbar bevor.

Humer, der zwischen 1998 und 2008 Vorstandschef bei Roche war und dort seit 2001 Verwaltungsratspräsident ist, übergibt im kommenden Jahr seinen Posten an den noch amtierenden Lufthansa Vorstands-Chef Christoph Franz.

Nach dem Austausch der Führungskräfte dürfte der Dialog zwischen den beiden Unternehmen in Zukunft einfacher werden.

Chancen einer Fusion

Beide Unternehmen kooperieren aktuell – auch ohne Fusion – bei der Entwicklung einiger Medikamente miteinander, wodurch vor allem Kosten und Risiken minimiert werden sollen.

Die augenblickliche Zusammenarbeit von Novartis und Roche bezeichnet Roche-Chef Schwan als “sehr professionell”.

Bei einer möglichen Fusion könnten sich rasch weitere Synergie-Effekte bemerkbar machen. Vor allem deshalb, weil die beiden Unternehmen in unterschiedlichen Teilmärkten aktiv sind.

Während Novartis im Bereich der Generika gut positioniert ist, liegen die Stärken von Roche besonders in der Krebsforschung. Durch eine Fusion würde ein neuer europäischer Pharma-Champion entstehen.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.