Mongolei: Rohstoffe im Spannungsfeld zwischen Russland und China

Flächenmäßig ist die Mongolei ein großer Staat, reich an Rohstoffvorkommen, jedoch nur sehr dünn besiedelt. Einen natürlichen, freien Zugang zu […]

Flächenmäßig ist die Mongolei ein großer Staat, reich an Rohstoffvorkommen, jedoch nur sehr dünn besiedelt. Einen natürlichen, freien Zugang zu den Weltmärkten über das Meer hat das zentralasiatische Land nicht. Die Situation ist eher mit Ländern wie der Österreich, Ungarn oder Paraguay zu vergleichen: Zwei mächtige Nachbarn jenseits der Grenzen, Russland im Norden und China im Süden schränken den Handlungsspielraum empfindlich ein.

Doch während Länder wie Paraguay oder Österreich vermutlich sehr froh darüber wären, wenn sie einen so großen Absatzmarkt wie China direkt vor ihrer Haustüre hätten, erfüllt die Situation die Mongolen eher mit Sorge. Diese Sorge ist oftmals rational nicht leicht nachzuvollziehen, bestimmt aber immer öfter die Aktionen der Mongolen, auch in Wirtschaftsfragen oder bei der Vergabe von Rohstoffprojekten.

Traditionell Russland zugewandt …

Bis 1990 gehörte die Mongolei zum russischen Einflussbereich. China hielt sich bewusst zurück und respektierte die russische Dominanz. Inzwischen haben sich die Verhältnisse gewandelt. Die Sowjet Union ist zerfallen und 70% der mongolischen Exporte gehen heute nach China. Die Versorgung mit Ölprodukten ist vom Reich der Mitte abhängig und alle großen Bergbauprojekte des Landes einschließlich des 5 Mrd. US Dollar schweren Oyu Tolgoi Gold-Kupfer-Projekts von Ivanhoe Mines sind auf den chinesischen Markt ausgerichtet. So ist neben der historischen Bindung an Russland eine neue Abhängigkeit entstanden.

Peinlich sind die Mongolen nun darauf bedacht den chinesischen Einfluss im Land nicht zu groß werden zu lassen. Zwar hält sich die chinesische Regierung gegenüber der Mongolei zurück, man unternimmt jedoch auch keine Schritte die geeignet sind die mongolische Befürchtung zu zerstreuen, dass aus der ökonomischen Abhängigkeit von heute eine politische Hegemonie von morgen werden könnte.

… wird der chinesische Einfluss nun immer größer

Zwar hat China bereits 1950 alle Ansprüche auf den Nachbarn im Norden formell aufgegeben, doch was die Mongolen jenseits aller politischen Beteuerungen beunruhigt ist, dass viele Chinesen die Mongolei noch immer als eigentlich zu China gehörig betrachten. Die hinter dieser Überzeugung stehende Intention einer möglichen Verschmelzung beide Länder wird in der Mongolei sehr ernst genommen, sodass auch Geschäfte und die wirtschaftliche Zusammenarbeit sehr schnell eine geopolitische Note bekommen.

Betroffen sind beispielsweise die Pläne das Tavan Tolgoi Projekt zu entwickeln. Bei ihm handelt es sich um das weltweit größte bislang noch unentwickelte Kokskohleprojekt. Neben der Frage der Projektfinanzierung sind hierbei auch die Infrastrukturmaßnahmen von großer Bedeutung. Es müssen neue Eisenbahnlinien gelegt werden um das größte Energieprojekt des Landes mit den Absatzmärkten im Norden und Süden zu verbinden.

Das Unbehagen ob der realen oder auch nur vermeintlichen chinesischen Dominanz äußert sich eher unterschwellig. Was für einen chinesischen Geschäftsmann ein reines Wirtschaftsgeschäft ist, bekommt für die Mongolen sehr leicht eine Verbindung zur nationalen Unabhängigkeit. Das macht die Verhandlungen schwierig und führt auch oft zu verzwickten Situationen. Mit einer solchen aus dem Uransektor wollen wir uns in der nächsten Ausgabe eingehender beschäftigen.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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