Mongolische Aktien: Der Kapitalmarkt öffnet sich

Chinesische Aktien zu kaufen, das ist heute ein ganz normaler Vorgang. Doch vor 20 Jahren hatten derartige Käufe noch den Charakter eines exotischen Investments. Mongolischen Aktien könnten in den nächsten 20 Jahren eine ähnlich Entwicklung durchlaufen.

Doch anders als in China wo vor allem Industriebetriebe zunächst den Sprung auf das Börsenparkett wagten, dürften in der Mongolei Rohstoffunternehmen die Vorreiterrolle übernehmen.

Aktuell Aufmerksamkeit erringt der Plan der Regierung in Ulan Bator nationale und internationale Aktien der Oyu Tolgoi Mine auszugeben. Die Oyu Tolgoi Lagerstätte stellt das weltweit größte noch unentwickelte Kupfer-Gold-Projekt dar. Die Regierungspläne zielen darauf ab, die Aktien der Oyu Tolgoi Mine sowohl an der nationalen Börse in Ulan Bator als auch an internationalen Handelsplätzen listen zu lassen.

Dabei kann sich die Regierung sicher sein genügend Aufmerksamkeit von Seiten der Investoren zu erfahren, denn sei sie im vergangenen Herbst mit Ivanhoe Mines und Rio Tinto den Vertrag zur Entwicklung des Oyu Tolgoi Projekts, dessen Wert auf rund 3 Mrd. US Dollar geschätzt wird, unterzeichnet hat, ist ihr die internationale Aufmerksamkeit sicher.

Das Oyu Tolgoi Projekt hat Signalcharakter

Schon kurz nach der Vertragsunterzeichnung gaben sich in den Ministerien von Ulan Bator die Vertreter von Rohstoffunternehmen, Investmentbanken und Börsen die Klinke in die Hand. Sie alle wollen ihren Teil dazu beitragen, dass sich der Kapitalmarkt der Mongolei entwickelt und sie alle wittern natürlich auch lukrative Verdienstmöglichkeiten.

Die Investmentbanken und Börsengesellschaften, darunter die Börsen in Hongkong, London und die Nasdaq, möchten den noch immer staatlich geführten Handel der Börse in Ulan Bator in einen privatwirtschaftlich geführten Handel transformieren.Den Bergbauunternehmen geht es um die reichen Bodenschätze im Land, denn neben Kupfer und Gold verfügt die Mongolei auch über große Uran und Kohlevorkommen, die auf ihre Erschließung warten.

Hierbei stand in den letzten Wochen und Monaten vor allem die Vergabe der Tavan Tolgoi Kohlelagerstätte im Vordergrund, deren Wert auf etwa 2 Mrd. US Dollar geschätzt wird. Das Projekt wurde jedoch zunächst aus dem Auktionsverfahren herausgenommen.

Unterschiedliche Interessen müssen aufeinander abgestimmt werden

Bislang sind die Bemühungen die mongolische Wirtschaft zu modernisieren und an das Niveau der restlichen Welt heranzuführen nur zäh vorangekommen. Auch jetzt zeichnet sich ein gewisser Interessenkonflikt ab. Während der Regierung die Entwicklung der Leichtindustrie ein besonderes Anliegen ist, haben es viele ausländische Investoren allein auf die Rohstoffe des Landes abgesehen. An einem Aufbau von Arbeitsplätzen im Land auch in anderen Sektoren ist ihnen eher weniger gelegen.

Man wird sich wohl irgendwo in der Mitte treffen müssen, denn die Mongolei wird ihre Rohstoffe nicht ohne Gegenleistung abgeben wollen und die Regierung in Ulan Bator weiß nur zu gut, dass sie ohne ausländische Kapitalinvestitionen den Rohstoffreichtum des Landes nicht heben kann und dass ohne die Gelder aus den Rohstoffverkäufen die Weiterentwicklung der anderen Industriezweige noch viel langsamer verlaufen wird.

23. Juni 2010

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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