Monsanto mit schwachen Zahlen: Mehr Geld soll es trotzdem sein

Gestern wurde mit Spannung das aktuelle Zahlenwerk des US-amerikanischen Saatgut-Herstellers Monsanto erwartet.

Die Amerikaner werden aktuell von Bayer umworben und hätten mit starken Zahlen ihren Preisanspruch schön untermauern können.

Leider waren die Zahlen nicht ganz so gut wie erwartet wurde. Dass Monsanto wie die Konkurrenten in einem schwierigen Umfeld arbeitet, ist nicht neu. Dennoch überraschte der Gewinn-Einbruch von 37%.

Es sieht auch nicht danach aus, als wenn in nächster Zeit die Gewinne wieder anziehen werden.

Die Preise für Agrar-Rohstoffe sind im Keller und werden voraussichtlich dazu führen, dass Monsanto 2016 am unteren Ende der Unternehmens-Prognose landen wird.

Monsanto will bis zu 7 Mrd. Dollar mehr

Die schwachen Ergebnisse sowie der schwache Ausblick hielten Monsanto offenbar nicht davon ab, von Bayer mehr Geld zu fordern. Das Handelsblatt berichtet, dass der Übernahme-Kandidat einen Aufschlag von bis zu 7 Mrd. Dollar fordert.

Das erste Angebot von 62 Mrd. Dollar (rund 56 Mrd. €) wurde vom Monsanto-Management als unzureichend zurückgewiesen, der Übernahme-Kandidat zeigte sich gleichwohl offen für weitere Gespräche.

Monsanto-Chef Hugh Grant unterstrich im Zuge der Quartalszahlen, dass der Preis zu niedrig ist, hebt gleichzeitig jedoch auch die große industrielle Logik des Zusammenschlusses hervor.

Teurer Deal jetzt noch teurer: Spielen die Großinvestoren mit?

Fraglich ist, ob Bayer bereit ist, den Preisforderungen in der von Monsanto gewünschten Höhe nachzukommen. Und wenn Bayer dazu bereit ist, dann stellt sich die Frage, ob die Investoren das Management bei dem Vorhaben unterstützt.

Als die ersten Übernahme-Gerüchte auftauchten, geriet die Bayer-Aktie merklich in die Knie. Investoren befürchten, dass zu viel bezahlt wird. Der gebotene Preis impliziert bereits einen hohen Übernahme-Multiplikator von 15,8 auf Basis der 2015er Ergebnisse.

Nach den schwachen Ergebnissen und der Aufstockungsforderung dürfte diese Sorge nicht kleiner geworden sein.

Bayer will zur Deal-Finanzierung von den Großinvestoren ein Viertel des Kaufpreises einsammeln. Angesichts der vielen Störfeuer und hoher Risiko-Aversion ist dies kein Spaziergang – zumal die Übernahme auch andere Unwägbarkeiten mit sich bringt.

Behörden in den USA und EU machen Genehmigungs-Prozess zum Dauerlauf

Eine große Hürde auf dem Weg zur Übernahme sind die Wettbewerbs-Behörden. Obowohl noch nicht einmal feststeht, dass es eine Einigung geben wird, heißt es bereits von der EU-Wettbewerbs-Behörde, dass man den Deal sehr genau prüfen werde.

Angesichts der hohen Konzentration in der Branche und verschiedenen geplanten Zusammenschlüssen in der Branchenspitze ist das allerdings auch keine wirkliche Überraschung.

Behörden-Probleme sind auch in den USA zu erwarten. Die CFIUS, eine Behörde, die US-Interessen bei Auslands-Investitionen schützen soll, könnte den Deal ablehnen, da Monsantos Geschäft zum sensiblen Bereich gehört.

Monsanto kann ein echter Gewinner-Deal werden – bei 69 Mrd. Dollar aber auch ein Komplett-Reinfall

Ob es eine Monsanto-Übernahme durch Bayer geben wird, ist völlig unklar. Auf der einen Seite steht die große Logik des Deals.

Die Vereinigung der weltweiten Nr. 2 im Pflanzenschutz-Bereich mit der weltweiten Nr. 1 im Saatgut-Bereich, schafft eine sehr starke Marktposition. Auch das hohe Synergie-Potenzial überzeugt.

Vielleicht stimmt auch das Timing. Wenn der Markt sich wieder erholt, kann Monsanto auch schnell ein echter Glücksgriff sein.

Fraglich ist allerdings, ob Bayer wirklich bereit ist das Angebot um mehrere Milliarden aufzustocken. Und wenn ja – wie die Investoren reagieren.

Wenn sich die beiden Seiten einigen, kommen die Genehmigungs-Probleme. Wenn auch die genommen werden, wird befürchtet, dass das schlechte Monsanto-Image auf Bayer abfärbt.

Und dann ist da auch noch die beiden größten Probleme: Bei so großen Übernahmen kommt es ganz schnell zu unvorhergesehenen post-merger-Problemen, die die ursprüngliche Kalkulation durcheinander wirbeln.

Wenn dann auch noch die Monsanto-Geschäfte aufgrund des schwachen Umfelds hinter den Erwartungen zurückbleiben, dann kann der Deal völlig überteuert gewesen sein.

30. Juni 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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