Monsanto-Übernahme durch Bayer vor weiteren Problemen

Monsanto-Übernahme durch Bayer vor erneuter Verzögerung: Neue Probleme in den USA und Europa nähren Zweifel an Abschließbarkeit des Deals. (Foto: josefkubes / shutterstock.com)

Noch vor 3 Wochen schrieben wir Ihnen, dass der 66 Mrd. Dollar schwere Zusammenschluss zwischen dem Pharma- und Chemie-Riesen Bayer mit dem US-Saatgut-Hersteller Monsanto dem Übernahme-Abschluss ein großes Stück näher gekommen ist.

Denn Anfang Dezember hatte die CFIUS (Comittee on Foreign Investment in the United States), eine US-Behörde, die bei Auslands-Übernahmen die Auswirkungen auf US-Interessen prüft, mitgeteilt, dass sie keine Sicherheitsbedenken bei der Monsanto-Übernahme habe.

Mit der abgearbeiteten Großbaustelle und dem Genehmigungs-Prozess in Europa auf einem guten Weg stieg die Hoffnung, dass der Deal im 1. Quartal 2018 abgeschlossen werden könnte.

Doch kaum sieht es besser aus, droht dem Milliardendeal auch schon wieder die nächste Verzögerung:

Vertiefte Prüfung: Übernahme-Zeitplan gerät aus den Fugen

Rückblick: Im Herbst vergangenen Jahres einigten sich Bayer und der US-Agrarchemie-Konzern Monsanto auf eine Übernahme.

Dem Deal vorausgegangen war eine Branchen-Konsolidierung, bei der sich die Rivalen Dow Chemical/DUPont und Syngenta/ChemChina zusammenschlossen.

Um nicht ins Hintertreffen zu geraten, entschieden sich auch Bayer und Monsanto für einen Schulterschluss.

Die Übernahme hat inzwischen wichtige Hürden genommen, doch das Duo Bayer-Monsanto muss noch an den Wettbewerbs-Behörden in Europa und den USA vorbei.

Dabei hat die EU-Behörde hatte bereits im August dieses Jahres eine vertiefte Prüfung angekündigt und damit den Zeitplan des Zusammenschlusses zunichtegemacht.

Neuer Zeitplan ebenfalls gefährdet

Durch die Prüfung der EU-Kommission mussten Bayer und Monsanto den voraussichtlichen Dealabschluss  von „bis Ende 2017“ auf  „im 1. Quartal 2018“ abändern.

Vermutlich ist jedoch auch der neue Zeitplan nicht einzuhalten; es heißt, dass der Deal vor neuen Problemen in den USA und Europa steht.

Der EU-Kommission sollen die von Bayer und Monsanto gemachten Zusagen nicht weit genug gehen, um den Zusammenschluss genehmigt zu bekommen.

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Bayer hatte im Oktober u. a. verschiedene Produktlinien im Umfang von 5,9 Mrd. € an den Rivalen BASF verkauft.

Wie umfangreich die weitergehenden Forderungen der EU-Kommission sind und ob es dafür eine schnelle Lösung gibt, ist unklar.

1 Jahr nach Übernahme-Ankündigung immer noch keine Gewissheit, ob der Deal abgeschlossen werden kann

Bayer scheint festen Willens zu sein, die letzten Hürden aus dem Weg zu räumen und den Deal mit Monsanto abzuschließen.

Doch es ist trotz diverser Genehmigungen nationaler Wettbewerbs-Behörden und trotz der CFIUS-Freigabe immer noch nicht sicher, dass es am Ende eine Übernahme geben wird.

Dabei ist für Bayer von Nachteil, dass in der EU die neue Wettbewerbs-Struktur – also die unter Berücksichtigung der bereits genehmigten Zusammenschlüsse von Du Pont/Dow Chemical und Syngenta/ChemChina – zugrunde gelegt wird.

Da die Konzentration in der Branchen-Spitze dadurch höher ist als zum Genehmigungs-Zeitpunkt der anderen Zusammenschlüsse, ist das OK der EU-Behörden für das Duo ungleich schwieriger einzuholen.

Kurslücke zwischen Angebots-Preis und Börsenkurs wird größer

Nicht nur in Europa, sondern auch in den USA scheint das wettbewerbsrechtliche OK ferner, als es Monsanto und Bayer lieb ist.

Das Justizministerium prüfe aktuell, ob gegen den Zusammenschluss Klage eingereicht werden soll, heißt es.

Die Gerüchte über neue Hürden sind dann auch am Monsanto-Aktienkurs ablesbar: Als Kaufpreis ausgemacht wurden im Vorjahr 128 Dollar je Aktie, aktuell kostet das Papier 115 Dollar.

Die Lücke zum Angebots-Preis ist zuletzt wieder größer geworden und beträgt inzwischen 11%.

Dies zeigt Ihnen, dass der Markt nicht davon überzeugt ist, dass der angekündigte Deal-Abschluss „im 1. Quartal“ kommen wird.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.