Bayer: Monsanto-Übernahme könnte erst 2018 über die Bühne gehen

US-Medienberichten zufolge könnte die Genehmigung der Monsanto-Übernahme länger dauern als gedacht. Für die Aktionäre wäre das ärgerlich. (Foto: g0d4ather / Shutterstock.com)

Der Pharma- und Chemie-Konzern Bayer hat gestern mit dem Verkauf eines Covestro-Anteils die Aktie des Hightech-Werkstoff-Herstellers unter Druck gesetzt:

Bayer verringerte den Anteil von 53,3% auf 44,8%, nachdem der Anteil bereits vor 3 Monaten reduziert worden war.

Die Leverkusener wollen das Geld wahrscheinlich zur Finanzierung der Monsanto-Übernahme einsetzen.

Die größte Auslands-Übernahme eines deutschen Konzerns kostet Bayer 66 Mrd. Dollar und wirklich unerwartet kommt die Verringerung des Covestro-Anteils nicht.

Gerüchteweise kann sich Bayer allerdings mit der Geldbeschaffung mehr Zeit lassen. Es heißt, dass der Genehmigungs-Antrag für die EU-Behörden länger braucht als geplant.

Dies könnte die Übernahme-Genehmigung in das kommende Jahr hinaus zögern. (Eigentlich soll der Deal bis Jahresende über die Bühne gehen.)

Zustimmung der Wettbewerbs-Behörden ungewiss

Rückblick:

Im Herbst vergangenen Jahres einigten sich Bayer und der US-Agrarchemie-Konzern Monsanto auf eine Übernahme, nachdem sich bereits die Rivalen Dow Chemical/DUPont und Syngenta/ChemChina zusammenschlossen.

Während die anderen beiden Bündnisse bereits genehmigt sind, muss das Duo Bayer-Monsanto noch an den Wettbewerbs-Behörden rund um den Globus vorbei.

Ob die jedoch auch diesen Zusammenschluss durchwinken, ist ungewiss.

Fortgeschrittene Branchen-Konsolidierung verschlechtert die Bayer-Position

Als besonders schwierig wird der Genehmigungs-Prozess in den USA und der EU angesehen.

Die EU-Wettbewerbs-Kommissarin Margrethe Vestager hatte bereits eine genaue Prüfung der Übernahme angekündigt.

Dabei werde die neue Wettbewerbs-Struktur – also die unter Berücksichtigung der bereits erfolgten Übernahmen von DuPont/DowChemical sowie Syngenta/ChemChina – zugrunde gelegt.

Da die Konzentration in der Branchen-Spitze jetzt noch höher ist, haben Bayer und Monsanto einen ungleich schwierigeren Genehmigungs-Prozess vor sich.

Um die Chancen zu verbessern wurde bereits der Verkauf verschiedener Produktlinien und  Unternehmens-Teile in Aussicht gestellt.

Deal-Verzögerung unproblematisch – Deal-Aus dagegen sehr wohl

Für die Investoren dürfte es mittelfristig egal sein, ob der Deal-Abschluss Ende 2017 oder doch erst Anfang 2018 erreicht wird.

Bei Transaktionen über 10 Mrd. Dollar ist es fast schon die Regel, dass der ursprüngliche Zeitplan nicht eingehalten werden kann.

Viel wichtiger ist, dass die Übernahme am Ende nicht am Widerstand der Wettbewerbs-Behörden scheitert oder die Auflagen so hart sind, dass sich die Transaktion nicht mehr lohnt.

Dann könnten die Investoren enttäuscht reagieren und die Aktien der beiden Unternehmen unter Druck setzen.

Übernahme-Chance bereits im Monsanto-Kurs eingepreist

Im Falle eines Übernahme-Aus dürfte die steilere Talfahrt die Aktie des Übernahme-Kandidaten Monsanto ereilen, da dort die Übernahme-Chance stärker eingepreist ist als bei Bayer.

Die Leverkusener bieten 128 Dollar je Aktie – das Monsanto-Papier kostet heute vorbörslich 117,43 Dollar. Vor Bekanntgabe der Übernahme notierte die Aktie bei unter 90 Dollar.

Buffett setzt auf erfolgreichen Deal-Abschluss

Wenn Sie die Monsanto-Aktie besitzen, sollten Sie jetzt nicht in Panik geraten, nur weil der Zeitrahmen gerüchteweise nicht eingehalten werden könnte und der Genehmigungs-Prozess schwierig ist.

Sie sitzen schließlich mit dem Star-Investor Warren Buffett in einem Boot, der im Februar den Kauf von Monsanto-Aktien preisgab.

Buffett hat bei Übernahmen einen extrem guten Riecher und könnte auch bei diesem Deal wieder richtig liegen – vielleicht nicht Ende 2017, dafür dann aber Anfang 2018.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.