Monsanto und Bayer: Trump-Audienz soll Deal-Wahrscheinlichkeit erhöhen

Die 57 Mrd. schwere Übernahme des US-Saatgut-Herstellers Monsanto durch den Leverkusener Chemie- und Pharma-Konzern Bayer geht voran:

Im Dezember winkten die Monsanto-Aktionäre den größten Deal in Bayers Firmen-Geschichte wie erwartet durch. Damit ist ein weiterer Stein auf dem Weg zur Mammut-Hochzeit aus dem Weg gerollt.

Sicher ist die Übernahme allerdings nach wie vor nicht. Mehr als 30 Kartell-Behörden prüfen die Übernahme auf Wettbewerbs-Verzerrungen.

Während bei vielen dieser Behörden einer Prüfung gelassen entgegen gesehen werden kann, ist ein größeres Problem die Deal-Freigabe durch die US-Behörden.

Die sind bei Auslands-Übernahmen oft skeptisch und bei einem Deal dieser Größe wird sehr genau hingeschaut.

Um die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme-Genehmigung zu erhöhen, warben der Bayer-Chef Werner Baumann und der Monsanto-Chef Hugh Grant jetzt beim kommenden US-Präsidenten Donald Trump für den Deal.

Konsolidierung in der Branchen-Spitze: Aus 5 werden 3

Hintergrund: Im September 2016 einigten sich Bayer und Monsanto nach zähen Verhandlungen auf eine Übernahme.

Der Deal ist die 3. Übernahme in der Agrarchemie- und Saatgut-Branche und folgte den Milliarden-Zusammenschlüssen der Konkurrenten ChemChina/Syngenta und DowChemical/DuPont.

Die beiden Parteien versprechen sich von dem Deal Einsparungen in Milliardenhöhe und auch Analysten befürworten nicht zuletzt aufgrund der veränderten Wettbewerbs-Situation den Deal.

Bayer und Monsanto einigten sich auf einen Übernahme-Preis von 128 Dollar je Aktie.

Doch das Papier blieb nach der Deal-Ankündigung weit hinter dem Angebots-Preis zurück und notiert auch aktuell noch rund 20% unter dem Übernahme-Preis.

Bayer rechnet mit Übernahme-Abschluss bis Ende des Jahres

Grund sind Bedenken, dass der Deal von den Wettbewerbs-Behörden untersagt wird.

Denn: Sollte die Konsolidierungs-Welle wie geplant stattfinden, dann wird der Markt am Ende von nur 3 Konzernen mehrheitlich kontrolliert.

Bayer ist dagegen optimistisch und versprach Monsanto eine Zahlung von 2 Mrd. Dollar, sollte die Transaktion platzen. Bis zum Ende des Jahres rechnet Bayer mit einem Deal-Abschluss.

Bayer: Produktive Gespräche

Am Mittwoch warben die Firmenbosse für den Deal.

Der designierte US-Präsident Trump kündigte im Wahlkampf an, so viele Stellen zu schaffen wie nie ein Präsident zuvor.

Und dementsprechend soll amerikanischen Medien-Berichten zufolge genau diese Karte ausgespielt worden sein.

Bayer bezeichnete die Gespräche als produktiv, weitere Details drangen allerdings nicht nach außen – insbesondere nich, ob sich Trump wohlwollend zu dem Zusammenschluss äußerte.

Schwer zu prognostizierende Übernahme: Investoren weiterhin vorsichtig optimistisch

An der Börse sorgte die Neuigkeit für keine Kursreaktion.

Viele Analysten sind der Ansicht, dass die Übernahme genehmigungsfähig ist, da sich die Aktivitäten nicht allzu sehr überschneiden. Monsanto ist stärker im Saatgutgeschäft – Bayer im Pflanzenschutz.

Da die beiden Bereiche allerdings eng mit einander verbunden sind, besteht bei Landwirtschafts-Vertretern – und auch im direkten Umfeld des kommenden US-Präsidenten – Zweifel, ob der Deal im besten Interesse der USA ist.

Es ist also nicht verwunderlich, dass die beiden Firmen-Bosse beim (kommenden) Präsidenten persönlich die Werbetrommel rühren.

Wenn der Deal auf dem Papier genehmigungsfähig ist und sich eine Untersagung nur schwer zu Trumps Vorteil politisieren lässt, dann stehen die Chancen für einen Zusammenschluss durchaus gut.

13. Januar 2017

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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