Monsanto: Verhandlungen mit BASF könnten Bluff sein

Der Übernahme-Poker um den US-amerikanischen Saatgut-Hersteller Monsanto nimmt eine unerwartete Wende. Wie der stets gut informierte Daten- und Nachrichtenanbieter Bloomberg berichtet, prüft Monsanto eine tiefgehende Kooperation mit dem Ludwigshafener Chemie-Konzern BASF.

Insidern zufolge könnte es zu einer Kombination der Agrarchemie-Sparten von BASF und Monsanto kommen. Die Transaktion würde dann so ausgestaltet werden, dass BASF den Bereich abgibt und Monsanto dafür mit Aktien bezahlt. Entsprechende Verhandlungen seien in einem frühen Stadium.

Monsanto verhandelt weiterhin mit Bayer

Rückblick: Durch die Agrarchemie-Branche rollt eine nie dagewesene Übernahme-Welle. In der Branchenspitze kam es bereits zu zwei wesentlichen Zusammenschlüssen, mit dem Ziel Saatgut und Pflanzenschutz unter einem Dach zu vereinen.

Die Deals von Syngenta/Chemchina sowie Dow Chemical/Du Pont haben dazu geführt, dass Bayer an Monsanto herangetreten ist und eine 62 Mrd. Dollar-Offerte unterbreitete.

Monsanto steht einem Deal offen gegenüber, ist mit dem Preis allerdings nicht einverstanden. Die Verhandlungen laufen im Hintergrund weiter, es ist aber unklar ob sich die beiden Parteien einigen können.

Monsanto könnte mit vermeintlichen Plan B Verhandlungsposition stärken wollen

Dass Monsanto jetzt mit BASF in Verhandlungen tritt und diese Verhandlungen auch noch an die Presse durchsickerten deutet nach Ansicht des Übernahme-Sensors auf einen Bluff hin.

Monsanto will offenbar Bayer signalisieren, dass man einen Plan B in der Tasche hat und nicht großartig bereit ist, sich bei der Preisfindung zu bewegen. Dies könnte auch ein Hinweis darauf sein, dass die Verhandlungen zwischen Monsanto und Bayer ins Stocken geraten sind.

Feindliche Übernahme durch Bayer unwahrscheinlich

Einige Beobachter sind der Ansicht, dass die Gespräche mit BASF eine „Giftpille“ darstellen würden, um Bayer von einer feindlichen Übernahme-Offerte abzuhalten.

Dass Bayer allerdings einen feindlichen Vorstoß wagen würde – egal ob mit BASF verhandelt wird oder nicht –  hält der Übernahme-Sensor für äußerst unwahrscheinlich und Monsanto dürfte das auch nicht befürchten.

In dieser Größenordnung sind feindliche Übernahmen äußerst selten. Die meisten Versuche endeten in einem Desaster für den Bieter. Millionenbeträge für Banker und Juristen werden dann verpulvert, das Management ist gebunden anstatt sich um das Geschäft zu kümmern, der Aktienkurs gerät unter Druck. Nur schwer vorstellbar, dass der neue Bayer-Chef zum Amtsantritt eine 62 Mrd. Dollar + X schwere feindliche Übernahme vom Zaun brechen will.

Monsanto-Aktie heute zum Handelsschluss immer noch im Plus?

Was wirklich sehr schwierig zu interpretieren ist, ist die Kursreaktion der Monsanto-Aktie auf die Nachrichten. Nachbörslich kann das Papier um 1,7% zulegen. Dabei würde ein Deal mit BASF doch bedeuten, dass es anstatt der Übernahme nebst Aufschlag durch Bayer zu einem Kauf nebst Kapitalerhöhung kommt.

Vielleicht hoffen einige Investoren darauf, dass die BASF-Alternative das Pokerblatt von Monsanto stärkt. Doch ist auch genau das Gegenteil möglich. Wenn Bayer aussteigt und der Bluff auffliegt, wird die Aktie den durch die Übernahme-Chance eingepreisten Bonus abgeben.

14. Juli 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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