Most Wanted: Corona-Impfstoff – Made in Germany?

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Mit Curevac und Biontech sind zwei deutsche Unternehmen ganz vorne mit dabei auf der Suche nach einem Corona-Impfstoff. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

In normalen Zeiten interessiert sich kaum jemand für die vergleichsweise kleinen Unternehmen in der Nischenbranche Biotech – doch die Zeiten sind alles andere als normal.

Kein anderes Produkt dürfte in diesem Jahr so heißbegehrt sein wie ein Impfstoff gegen Covid-19, jenes Virus, das sich rasant um die ganze Welt ausgebreitet hat, hunderttausende Opfer forderte und noch immer die Wirtschaft lähmt.

Wenn es nur einen wirksamen, flächendeckend einsetzbaren Impfstoff gäbe, so die Hoffnung, könnte auch eine Rückkehr zur Normalität irgendwann wieder gelingen. Doch der Weg dorthin ist weit.

Alle Welt wartet auf Impfstoff

Zwar hat Russland kürzlich einen Wirkstoff vorgestellt, doch Experten zweifeln an dessen Sicherheit – immerhin wurden offenbar wesentliche klinische Testphasen im Zulassungsprozess übersprungen oder arg verkürzt, sodass eine valide Datenbasis fehlt.

Seit Monaten liefern sich Wissenschaftler und Forschungsunternehmen weltweit ein Rennen um den Impfstoff, zum Teil kooperieren sie, zum Teil konkurrieren sie, doch es eint sie das Ziel, möglichst schnell einen möglichst sicheren Impfstoff zur Verfügung stellen zu können. Wer hier das Rennen macht, dem winken Milliardengewinne – denn die Welt scharrt mit den Hufen, alle wollen das Mittel haben.

Und so gelingt es derzeit kleineren, normalerweise weniger gefragten Biotech-Unternehmen, an den Finanzmärkten erhebliche Summen einzustreichen. Auch zwei deutsche Firmen sind dabei, Curevac aus Tübingen und Biontech aus Mainz.

Aktien von Curevac und Biontech auf Erfolgskurs

Die Curevac Aktie hat auf Jahressicht rund 50 Prozentpunkte zugelegt. Erst jüngst wurde bekannt, dass die EU sich offenbar 405 Millionen Impfdosen vorab gesichert hat, vorausgesetzt die nun anlaufenden klinischen Studien verlaufen erfolgreich. Mit Ergebnissen rechnet das Unternehmen etwa zum Jahreswechsel, wenn alles gut verläuft, könnte ein Impfstoff demnach Mitte kommenden Jahres zur Verfügung stehen.

Biontech forscht gemeinsam mit dem US-Pharmakonzern Pfizer an einem Impfstoff. Verlaufen die klinischen Tests hier wie gewünscht, könnte noch in diesem Jahr ein Zulassungsverfahren angestoßen werden. Die Aktie des Mainzer Unternehmens, das erst vor zwölf Jahren gegründet wurde, hat sich auf Jahressicht mehr als verdreifacht.

Wem es am schnellsten gelingt, einen den westlichen Sicherheitsstandards entsprechenden Impfstoff auf den Markt zu bringen, dürfte massive Gewinne einstreichen. Doch der Corona-Kuchen ist groß genug, dass auch verschiedene konkurrierende Produkte gute Chancen haben, sich am Markt zu behaupten – beispielsweise wenn ein Mittel geringere Nebenwirkungen, bessere Verträglichkeit oder weniger Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten aufweist oder schlichtweg für spezifische Patientengruppen besser geeignet ist als ein anderes.

Von der Hochrisikoaktie zum Kassenschlager

In normalen Zeiten führen kleine Biotechnologiefirmen eher ein Schattendasein am Börsenparkett, denn ihre Geschäfte sind mit hohen Investitionskosten und ebenso hohen Risiken verbunden. Nicht selten sind bereits Millionenbeträge in die Entwicklung geflossen, wenn die Zulassung am Ende wegen schlechter Ergebnisse in klinischen Studien doch noch verweigert wird.

Solch hohe Risiken scheuen viele Anleger normalerweise. Doch in Sachen Corona-Impfstoff, da herrscht eine andere Stimmung. Er wird so dringend gebraucht, dass er auf jeden Fall kommen wird, wann und auf welche Weise auch immer. Und dann will man mit im Boot sein und von den Gewinnen etwas abschöpfen.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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