Motorola-Übernahme: Google-Partner Samsung geht eigene Wege

Die Motorola-Mobility-Übernahme war für Google sehr wichtig. Das Unternehmen brauchte die Patente und zahlte einen stolzen Preis.

Doch was Google verhindern wollte, droht jetzt: Wichtige Partner könnten dem Unternehmen den Rücken kehren und für kräftige Geschäftseinbußen sorgen.

Google verliert Glaubwürdigkeit

Als Google Mitte August für 12,5 Mrd. Dollar den Kooperationspartner Motorola übernahm, hielten sich die Partner Samsung und HTC noch bedeckt. Keine Auswirkungen werde der Deal auf die Partnerschaft haben, hieß es damals.

Nur einen Monat später sind die Partner vorsichtiger. Besonders hart wirkt dabei das Auftauchen neuer Dokumente, die zeigen, dass Google Motorola bevorzugt behandeln wollte. Die Glaubwürdigkeit von Google ist dadurch beschädigt.

Motorola sollte Wissensvorsprung bekommen

Das neue Dokument ist im Patent-Streit mit Oracle publik geworden. Darin werden Motorola und Verizon praktisch als „Exklusiv-Partner“ namentlich erwähnt. Die beiden Unternehmen sollen den wichtigen Code des Betriebssystems Android eher erhalten als andere Partner.

Dadurch würde ein deutlicher Wettbewerbsvorteil entstehen, denn Motorola und Verizon haben mehr Zeit, um die Software zu optimieren. Im Smartphone-Bereich, wo die Kunden viel Wert auf ein gutes Betriebssystem legen, ist das sehr viel wert.

Übernahme verursacht Interessenkonflikt

Die Google-Partner Samsung und HTC werden sicher wenig begeistert reagiert haben, als die Bevorzugung Motorolas bekannt wurde. Nach der Übernahme durch Google müssen die Partner befürchten, dass Google Motorola wichtige Innovationen eher bereit stellt als ihnen.

Google verneint das natürlich – doch wie viel ist das jetzt noch wert? Der Nokia-Chef Stephen Elop hat schon kurz nach der Übernahme die Google-Partner genau vor solchen Risiken gewarnt, denn ein Interessenskonflikt liegt klar auf der Hand.

Samsung arbeitet an eigenem Betriebssystem

Samsung hat heute auf die neuen Unterlagen reagiert und angekündigt, dass die eigene Plattform „Bada“ vorangetrieben werden soll. Mit dem Schritt soll die Abhängigkeit von Android reduziert werden. Bislang war die Entwicklung des Betriebssystems nur zweitrangig.

Google muss damit rechnen, dass Samsung in Zukunft vollständig von Android abrückt und versuchen wird „Bada“ am Markt zu etablieren. Das schwächt die Allianz gegen den übermächtigen Konkurrenten Apple enorm, denn Samsung verkauft in Westeuropa so viel Smartphones wie kein anderer.

Schnellschuss-Übernahme: Apple gewinnt

Es tritt genau das ein, was Google nicht wollte. Die Partner trauen dem Unternehmen nicht mehr und beginnen ihre eigene Suppe zu kochen. Das kann für Google sehr teuer werden. Sollte Samsung ein konkurrenzfähiges „Bada-Betriebssystem“ entwickeln, wird sich das geschäftlich negativ auswirken.

Lachender Dritter ist Apple. Gestern stieg die Aktie auf ein neues Allzeit-Hoch, denn die Konkurrenten ziehen nicht mehr mit der gleichen Kraft am selben Strang. Wenn Bada und Windows Android Marktanteile abjagen, dann ist Apple kaum noch einzuholen.

Googles Übernahme könnte also letztendlich deutlich teurer werden, als die 12,5 Mrd. Euro Kaufpreis. Google hat einen gefährlichen Schnellschuss abgegeben und die Partner überrumpelt. Es wäre besser gewesen, wenn sich das Unternehmen mehr Zeit gelassen und vielleicht nur die Patente gekauft hätte.

20. September 2011

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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