MS-Deutschland: Zinshoffnung geplatzt

Auf der Suche nach attraktiven Zinsangeboten in der Niedrig-Zins-Phase greifen viele Privatanleger bei relativ riskanten Unternehmensanleihen zu. In dieser Woche ist der nächste Traum von hohen Zinsen geplatzt.

Acht Jahre lang diente das Kreuzfahrtschiff „MS Deutschland“ als Kulisse für die ZDF-Kultserie „Traumschiff“. Weit weniger traumhaft als viele Zuschauer die ZDF-Serie finden mögen, ist es den rund 2.000 Anlagern ergangen, die insgesamt gut 50 Mio. Euro in die „MS Deutschland“ investierten. Denn: Ein Großteil dieses Geldes ist jetzt verloren.

Doch der Reihe nach: Im Jahr 2012 steckten die rund 2.000 Anleger insgesamt mehr als 50 Mio. Euro in die Mittelstandsanleihe der „MS Deutschland“. In der Zwischenzeit hat die Anleihe mehr als 80% ihres ursprünglichen Wertes verloren. Erfahren Sie jetzt die Hintergründe und Details dieses weiteren traurigen Kapitels in der Geschichte deutscher Mittelstandsanleihen.

Wie alles begann

Vor 3 Jahren wurden den Interessenten der MS-Deutschland-Anleihe knapp 7% Zinsen pro Jahr in Aussicht gestellt. Ein verlockendes Angebot – zumal es sich bei dem Schiff, in das die Anleger investierten, schließlich um das bekannte „ZDF-Traumschiff“ handelte. Daneben sorgte die Tatsache, dass die „MS Deutschland“ unter deutscher Flagge unterwegs war, für zusätzliche (trügerische) Sicherheit.

Weiterhin attestierte zu dieser Zeit der Hamburger Gutachter Bernd Holst dem Schiff im Wertpapierprospekt einen Wert von 100 Mio. US-Dollar. Auf den ersten Blick konnte also fast gar nichts schief gehen.

Doch ein Blick in das Kleingedruckte des Wertpapierprospektes hätte die Anleger bereits zu diesem Zeitpunkt stutzig machen müssen. Denn: Das Anlegergeld sollte dazu verwendet werden, kurzfristige Schulden zu bedienen.

Mit anderen Worten: Es handelte sich damals nicht um eine Investition, sondern um eine Rettungsmaßnahme, oder etwas vorsichtiger ausgedrückt, um eine Umschuldung. Die Zeichner der MS-Deutschland-Anleihe investierten nicht in die Modernisierung des „ZDF-Traumschiffs“, sondern bewahrten die Betreibergesellschaft vor einer drohenden Zahlungsunfähigkeit. Daher fand sich der Verwendungszweck des Geldes aus gutem Grund nur im Kleingedruckten wider.

Ende Oktober 2014 mussten der Betreiber des Schiffes und die dazugehörige Reederei Peter Deilmann Insolvenz anmelden, da sich zu diesem Zeitpunkt etwa 60 Mio. Euro an Schulden angehäuft hatten.

MS-Deutschland wurde verkauft

Insolvenzverwalter Reinhold Schmidt-Sperber hat in dieser Woche den Verkauf der „MS Deutschland“ bestätigt. Auskünfte über den Käufer und über den Verkaufserlös machte er jedoch nicht. Dafür berichteten inzwischen mehrer Medien übereinstimmend, dass es sich bei dem Käufer um die US-Firma Absolute Nevada LLC handeln soll, die dem US-amerikanischen Unternehmer Donald Hoffman gehört.

Das „Handelsblatt“ meldete zudem, dass Hoffman und die Absolute Nevada LLC das Schiff für 21 Mio. US-Dollar (rund 18,5 Mio. Euro) gekauft haben sollen. Doch leider wird dieser Verkaufserlös den rund 2.000 Anlagern nicht einmal komplett zugute kommen.

Der Grund: Erstens fallen Kosten für den Insolvenzverwalter und Berater an und zweitens liegt das Schiff derzeit noch im Mittelmeer vor Gibraltar und verschlingt dort jeden Monat laufende Kosten von etwa 500.000 Euro.

Diese fallen an, weil aus Sicherheitsgründen mindestens 30 Mann an Bord sein müssen, um das Schiff seetüchtig zu halten. Demgegenüber steht derzeit nicht ein einziger Euro an Umsatz, da das Schiff im Hafen vor Gibraltar auf einen neuen Betreiber wartet.

Fazit: Höhere Zinsen bedeuten in der Regel auch höhere Risiken

Seien Sie in der aktuellen Niedrig-Zins-Phase bei hohen Zins-Angeboten vorsichtig. Die hier im „Schlussgong“ mehrfach genannten Negativ-Beispiele wie „Prokon“ oder „MS Deutschland“ zeigen Ihnen, dass in der aktuellen Marktphase derartige Zinsversprechen mit Vorsicht zu genießen sind.

Im Zweifel sollten Sie lieber auf Anleihen von börsennotierten Unternehmen setzen, da bei diesen Anleihen der Informationsfluss wesentlich besser ist. Wenn Sie einen Aktienkurs als Referenz haben und in ein Unternehmen investieren, das regelmäßig Quartalsberichte veröffentlichen muss, ist Ihr persönliches Risiko deutlich geringer, da Sie die Unternehmensentwicklung regelmäßig überprüfen können.

22. Mai 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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