MTU: Triebwerkbauer nimmt Kurs auf Rekordjahr

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MTU: Triebwerkbauer sitzt auf prall gefüllten Auftragsbüchern. Trotzdem gerät die Aktie ins Stocken. (Foto: Sergey Kohl / shutterstock.com)

In diesem Jahr hatte die MTU-Aktie einen richtigen Lauf. Volle Auftragsbücher, starke Quartalszahlen und die Aussichten auf eine neues Rekordjahr haben die Aktie des Triebwerkbauers seit dem Jahreswechsel um beinahe 50% nach oben schnellen lassen. Doch inzwischen ist die Luft dünner geworden. Auf die jüngst präsentierten Zahlen reagierten die Papiere sogar mit leichten Abgaben. Die Einschätzungen gehen stark auseinander: Während Skeptiker auf das erhöhte Bewertungsniveau verweisen, legen Befürworter der Aktie den Fokus auf die gute Planbarkeit der zukünftigen Geschäfte Dank der prall gefüllten Auftragsbücher.

Weltweit führender Triebwerksspezialist

Bevor ich auf die aktuellen Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen den Münchener Konzern gerne etwas näher vorstellen. MTU ist ein führender Hersteller von Triebwerksmodulen und -komponenten sowie von kompletten Flugzeugtriebwerken und Industriegasturbinen. Zu den Kunden zählen sowohl zivile als auch militärische Hersteller und Betreiber von Flugzeugen und Industriegasturbinen auf der ganzen Welt. Auch in Helikoptern kommen die Produkte von MTU Aero Engines zur Anwendung.

Darüber hinaus ist MTU in der Instandhaltung von Triebwerken tätig und nutzt ihr Know-how aus dem Triebwerksbau auch im Industriegasturbinen-Geschäft. Seine Produkte sind in rund 30% der weltweiten zivilen Flugzeugflotte vertreten. Im Neu- und Ersatzteilgeschäft liegt der MTU-Anteil in der Regel bei 15-20%.

Robustes Geschäftsmodell mit hohen Markteintrittsbarrieren

Die Marktstellung von MTU ist beeindruckend stabil, was zu einem großen Teil in dem Geschäftsmodell begründet liegt. Spezifisches Know-How, ausgiebige Dokumentations- und Zertifizierungsrichtlinien, hohe Anlauf- und Entwicklungskosten sowie eine Null-Toleranz für Fehler bedeuten hohe Eintrittsbarrieren.

Im Bereich der Triebwerksinstandhaltung ist das Unternehmen der weltgrößte unabhängige Anbieter. Das gesamte Geschäft ist einerseits gekennzeichnet von hohen Entwicklungskosten für neue Triebwerke. Andererseits bietet es hohe Visibilität und langfristige Mittelrückflüsse aus dem Wartungsgeschäft. Insgesamt unterhält das Unternehmen ein globales Netzwerk von 10 Reparaturstützpunkten.

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Umsatz leicht unter, Gewinn leicht über den Erwartungen

Beim gerade abgelaufenen dritten Quartal zeigte sich ein geteiltes Bild: Während die Umsätze die Analystenschätzungen nicht ganz erreichen konnten, blieb unter dem Strich aber etwas mehr an Gewinn übrig. In nackten Zahlen: Die Umsätze reduzierten sich um 1% auf 1,61 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) konnte MTU hingegen ein Plus von 11% auf 193 Millionen Euro erreichen und lag damit 3 Millionen Euro über den Konsensschätzungen.

Wechselkurse sorgen für Gegenwind

Als Grund für den kleinen Umsatzknick verwies Finanzchef Peter Kameritsch neben Wechselkurseffekten auch auf eine Änderung in der Verrechnung eines Programms für Triebwerke, die unter anderem beim Airbus A320 zum Einsatz kommen. Alleine dieser Effekt soll die Entwicklung in den ersten neun Monaten um 200 Millionen Euro umsatzseitig belastet haben.

Rekordauftragsbestand sorgt für hohe Planbarkeit

Generell müssen sich die Anleger aber über die zukünftige Entwicklung wenig Sorgen machen. Das zeigt allein schon ein Blick in die Auftragsbücher, die zuletzt mit 20,8 Milliarden Euro so gut gefüllt waren wie noch nie. Rein rechnerisch ist der Triebwerkbauer damit auf die nächsten viereinhalb Jahre komplett ausgelastet.

Auch bei den Jahreszielen lässt Konzernchef Reiner Winkler nichts anbrennen. Für 2019 hält Winkler an den Zielen fest und erwartet einen Umsatzzuwachs auf 4,7 (i.V. 4,6) Milliarden Euro. Parallel dazu soll sich das Ergebnis auf 752 Millionen Euro verbessern (+12% zum Vorjahr). Das entspräche einer EBIT-Marge von rund 16%.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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