Münchener-Rück-Aktie: Warum der Gewinn nicht noch stärker fällt

Glück gehabt: Durch weniger Naturkatastrophen wird die Q2-Bilanz der Munich Re abgefedert. Die Münchener-Rück-Aktie bleibt unter Druck. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Die Zahlen waren schwach, aber nicht ganz so schwach wie befürchtet – und damit in der Lesart der Börse wiederum gut:

Die Münchener Rück hat für das 2. Quartal einen Gewinn-Rückgang um ein Viertel auf 733 Mio. € verbucht.

Analysten hatten mit einem Einbruch des Netto-Egebnisses um mehr als 1/3 gerechnet. Warum so heftig? – Das hängt v. a. mit dem Vorjahr zusammen:

Damals wurden hohe positive Einmal-Effekte verbucht, wodurch die Messlatte entsprechend hoch hing und der Vergleich zum diesjährigen 3-Monats-Zeitraum verzerrt wird.

Weniger Großschäden

Abgefedert wurde der Gewinn-Rückgang durch ebenso überraschende wie erfreuliche Effekte im Frühsommer 2017, konkreter: das Ausbleiben größerer Schäden durch Naturkatastrophen.

Die Gesamt-Belastung für Großschäden fiel mit 253 Mio. € nur noch halb so hoch aus wie im Vorjahres-Zeitraum (damals: 542 Mio. €).

Lediglich 66 Mio. € davon entfielen auf Schäden durch Naturkatastrophen (Vorjahr: 335 Mio. €).

Für das Gesamtjahr 2017 erwartet der Rückversicherer einen Gewinn von 2,0 – 2,4 Mrd. € und bestätigte damit die bisherigen Prognosen.

Im Vorjahr hatte der Gewinn mit 2,6 Mrd. € noch etwas höher gelegen.

Perspektivisch will der neue Chef der Münchener Rück, Joachim Wenning, die rückläufige Ergebnis-Entwicklung stoppen.

Und er will die Gewinne auf dem Niveau, das für dieses Jahr erwartet wird, halten bzw. dann auch wieder sukzessive steigern.

Ergo bleibt problematisch

In der internen Geschäfts-Entwicklung der verschiedenen Bereiche halten sich positive und negative Nachrichten die Waage:

So läuft die Erstversicherungs-Tochter Ergo wieder etwas besser; hier wird für das Gesamtjahr mit 250 Mio. € nun ein um 50 Mio. höherer operativer Gewinn erwartet als bisher.

An anderer Stelle wurden die Erwartungen jedoch um eben jene 50 Mio. € gedämpft:

nämlich beim Geschäft mit der Lebens- und Gesundheits-Rückversicherung; hier werden anstelle von 450 nun nur noch 400 Mio. € Gewinn prognostiziert.

Ergo ist allerdings noch nicht über den Berg, denn die guten Zahlen gingen in diesem Fall konkret auf eine hohe Steuer-Gutschrift zurück.

Der Versicherer befindet sich nach wie vor in einer Umbau-Phase.

Erschwerend kommt für die Münchener Rück – wie auch für die gesamte Versicherungs-Branche – das anhaltende Niedrigzins-Umfeld hinzu.

Dadurch können mit Kapital-Investitionen weniger Erträge erzielt werden, was die Bilanzen belastet.

Münchener-Rück-Aktie weiter unter Druck

Anleger schickten die Münchener-Rück-Aktie zuletzt auf Talfahrt.

Auf Monatssicht notiert das Papier gut 3% schwächer, auf Jahressicht legte es jedoch um rund 12% zu und kostete zuletzt knapp 180 €.

Auf diesem Niveau (um 180 €) sehen die meisten Analysten die Aktie der Münchener Rück derzeit auch fair bewertet, die meisten aktuellen Studien raten dazu, das Papier zu halten.

Manche sehen jedoch auch durchaus Kurs-Potenzial auf 200 € und mehr, darunter die Experten der Commerzbank, die zuletzt eine Kaufempfehlung aussprachen.

2017-08-18 MüRü

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt