Munich-Re-Aktie: Kurskorrektur oder Rally voraus?

In manch einem DAX-Unternehmen geben sich die Vorstands-Chefs regelmäßig die Klinke in die Hand; Chefwechsel alle paar Jahre sind an der Tagesordnung.

Beim Rückversicherer Munich Re sieht das Ganze etwas anders aus:

Dort hat es im April einen Wechsel an der Spitze gegeben. Joachim Wenning ist jedoch erst der 9. Chef in der fast 140-jährigen Geschichte des Konzerns.

Und so passt es gut ins Bild, dass man sich mit Wenning nicht etwa einen externen Manager ins Haus geholt hat, sondern einen Mann aus den eigenen Reihen, den man über Jahre hinweg intern aufgebaut hat.

Der Konzern gilt als konservativ und setzt nicht nur personell auf Kontinuität.

Wandel statt „weiter so“

Mit Blick aufs Geschäft jedoch wird Wandel immer wichtiger. Das zeigt sich sowohl bei den Erstversicherern als auch bei ihren Rückversicherern.

Die Branche ächzt seit Jahren unter den anhaltenden Niedrig-Zinsen, die Erträge brechen ein.

Zugleich versuchen Erstversicherer die einst lukrativen Lebensversicherungen loszuwerden, doch aus vielen Altverträgen kommen auch die Firmen so leicht nicht heraus.

Stattdessen müssen sie ihre Zins-Garantien einhalten, schaffen es jedoch kaum noch entsprechende Renditen durch Anlage-Geschäfte zu erzielen.

Die Versicherer sind angehalten ihre alteingesessenen Strukturen und Konzepte zu überdenken – und grundlegend zu erneuern.

Manches muss dabei abgestoßen werden, in andere Bereiche lohnt es sich zu investieren und das Angebot stärker auszubauen.

Ein individueller Zuschnitt auf die Bedürfnisse der Kunden wird dabei immer wichtiger.

Schwächelnde Erträge

Dazu zählt auch der Schritt ins Digitale: Längst wird ein Großteil der Versicherungs-Verträge nicht mehr über einen Makler abgeschlossen, sondern über das Internet.

Auch hier besteht z. T. noch Nachholbedarf seitens der Versicherer; zumal die digitale Konkurrenz wächst und den in die Jahre gekommenen einstigen Platzhirschen die Kunden abluchsen.

Die Munich Re hat zwar weniger mit der Kunden-Akquise zu kämpfen, bekommt dafür aber die nachlassenden Margen umso heftiger zu spüren.

Die Jahres-Bilanzen des Rückversicherers richten sich zwar auch nach höherer Gewalt, etwa durch das Auftreten oder Ausbleiben teurer Natur-Katastrophen.

Doch dass die gesamte Branche zunehmend in Schieflage gerät, hinterlässt auch hier Spuren: Seit mehreren Jahren kämpft die Munich Re nun schon mit rückläufigen Erträgen.

Um die Anleger bei Laune zu halten, werden immer wieder in großem Stil Aktien zurückgekauft und auf diese Weise die Dividendenrenditen aufgehübscht.

Das mag auf den 1. Blick für eine Weile funktionieren, ein langfristiges Erfolgs-Konzept sieht jedoch anders aus.

Munich-Re-Aktie: Kurskorrektur oder Rally voraus?

Zuletzt verzeichnete die Munich-Re-Aktie Ende April einen kräftigen Kursknick, notiert aber mit rund 180 € immer noch gut 10% höher als vor Jahresfrist.

Analysten waren mit Blick auf die weitere Entwicklung zuletzt geteilter Meinung:

Während beispielsweise Experten von Goldman Sachs die Aktie auf einem guten Weg in Richtung 200-€-Marke sehen, warnt die Deutsche Bank vor einem Kursrückgang auf 164 € und rät zum Verkauf.

Dazwischen gibt es etliche weitere Stimmen; viele von ihnen raten dazu erst einmal abzuwarten.

2017-05-04 MüRü

5. Mai 2017

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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