Mustergültig: So sauber läuft der Crash beim S&P 500

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Charttechnik gewinnt, wenn wir uns den S&P 500 anschauen. Im folgenden Chart sehen Sie, wie präzise eine Zielzone angelaufen werden kann, obwohl Milliarden bewegt werden. (Foto: Vintage Tone/Shutterstock)

Charttechnik funktioniert – nur nicht in so einem Crash!“ Das habe ich letztens öfter gelesen. Wenn Sie derselben Meinung sind, haben Sie bestimmt Erfahrungen gemacht, die das bestätigen. Der DAX ist dafür zum Beispiel ein guter Kandidat. Wenn wir uns da den Chart anschauen, macht der nicht immer das, was die Charttechnik von ihm erwartet. Oder er macht es später, wenn keiner mehr damit rechnet.

So eine fiese Taktik besitzt der S&P 500 offenbar nicht. Wir haben die erste Welle des Crashs abgehakt und jetzt ein paar Tage eine Gegenbewegung erlebt. Die ist rein zufällig perfekt ans 38er Fibonacci-Retracement gelaufen. Sehen Sie selbst

S&P 500 Chartanalyse Corona-Crash 2020

Der Index hat sich gestern schon sehr angenähert. Heute wurde dann genau das Ziel erreicht. Danach ging es prompt wieder abwärts.

Kommt jetzt die nächste Abwärtswelle? Es kann durchaus sein, dass wir die Zwischenerholung schon abgeschlossen haben. Üblicherweise laufen diese einige Wochen, also definitiv länger. Da der Crash aber der schnellste in der Geschichte war, könnte die Gegenbewegung auch kürzer ausfallen.

Welche Ziele sind dann auf der Unterseite möglich? Jetzt müssen Sie sich festhalten! Nehmen wir dieselbe Strecke noch einmal, würden wir bei knapp über 1.400 Punkten landen! Das wäre schon heftig. Noch bin ich kein Fan von dieser Theorie. Dafür ist das Sentiment zu schlecht.

Die Anleger rechnen mit einem weiteren Absturz

Fast alle Privatanleger gehen derzeit davon aus, dass wir noch einmal tiefere Kurse sehen werden. Allein das sollte Sie stutzig machen. Sind Sie auch der Meinung, dass wir noch viel mehr fallen müssen? Dann überlegen Sie einmal, wie oft die Privatanleger Recht haben?

Es ist somit ein gefundenes Fressen für die Institutionellen, jetzt die Märkte noch stärker als erwartet nach oben zu ziehen und reihenweise Stops abzufischen. Passen Sie also auf! Die Oberseite ist nicht gedeckelt. Teilweise gehen Profis sogar schon davon aus, dass wir das Tief gesehen haben! Bei denen stellt sich nur noch die Frage, ob wir das Tief noch einmal testen, bevor es noch weiter hoch geht.

Es ist auf keinen Fall verkehrt, wenn Sie die Krise noch nicht als abgehakt ansehen. Absicherungen für Ihr Depot sind weiterhin ratsam, besonders wenn wir in einer Gegenbewegung sind. Allerdings ist die Volatilität noch nicht gesunken. Put-Optionsscheine sind weiterhin nicht allzu günstig.

USA wird über die Lage entscheiden

Nordamerika stürmt gerade auf Platz 1 weltweit, wenn es um die Anzahl der Infizierten geht. Es gibt ein passendes Video, das die Zitate von Trump aneinanderreiht zum Thema Corona. Während er lange Zeit abwinkt und das Virus kleinredet, meldet er sich am Ende mit den Wort: „Ich habe ja schon lange gesagt, dass es eine Pandemie ist.“

Das Virus kann er jetzt leider nicht verbal bezwingen, es muss sich etwas tun. Dabei hilft das völlig absurde Gesundheitssystem in den USA nicht. Im Gegenteil. New York ist derzeit extrem hart betroffen. Gehen wir einmal davon aus, dass es über das Wochenende eher negative News geben wird. Kein Grund heute noch Long zu gehen.

Zwei Tage ohne Handel sind derzeit ein gigantisches Risiko. Halten Sie also Ihre Positionen klein. Ich habe heute noch meine DAX-CFDs um rund 80 Prozent reduziert und auch noch drei K.O.-Zertifikate geschlossen. Das waren Puts auf Infineon, Adidas und RWE. Ich gehe zwar davon aus, dass diese in den meisten Fällen weiter nach unten laufen werden, aber ich will das Risiko über das Wochenende klein halten und Gewinne vor dem Wochenende sind ja auch sympathisch.

Wird ein Impfstoff oder Medikament entdeckt? Geht die Anzahl der Neuinfektionen drastisch zurück? Kippt die Stimmung plötzlich ins Positive? All das sind – wenn auch geringe – Chancen, warum wir am Montag mit einem Aufwärtsgap in den Handel starten können. Das Potential auf der Unterseite sehe ich nicht so gefährlich. Wir wissen alle, was Stand der Dinge ist: Die meisten Länder haben Ausgangssperren und in den USA breitet sich das Virus derzeit immer schneller aus. Das weiß auch der Markt und ist eingepreist, genauso wie die Rettungsmaßnahmen für US-Unternehmen oder hier in Deutschland.

Es muss also etwas drastisch Neues geschehen in den nächsten zwei Tagen, dass die Märkte noch einmal nach unten crashen lässt. Viel fällt mir dabei nicht ein, außer Nachrichten über höhere Sterberaten als angenommen oder beispielsweise zivile Unruhen in den USA. Wenn die Leute zu den Waffen anstatt zum Klopapier greifen, kann das schnell eskalieren. Das würde noch einen Schock auslösen, der die Aktien nach unten drücken kann.

Ansonsten bleibt die Betrachtung: Das Tempo wurde aus dem Markt genommen. Wir laufen einfach mit hoher Schwankungsbreite seitwärts oder leicht nach unten. Der High-Speed-Crash ist vorerst abgehakt.

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

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