Mylan-Aktionäre wollen feindliche Perrigo-Übernahme

Der Übernahme-Kampf um den irischen Generika-Hersteller Perrigo geht in die heiße Phase. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung unterstützten die Mylan-Aktionäre den Management-Plan, Perrigo feindlich zu übernehmen.

Damit kommt der etwa 5 Monate dauernde Übernahme-Kampf jetzt in die entscheidende Phase. Ob der Deal klappt, hängt jetzt von den Perrigo-Aktionären ab. Die werden in den kommenden Wochen ein Übernahme-Angebot erhalten, das über dem aktuellen Börsenkurs liegt.

Mylans ursprünglicher Plan war die Abwehr einer Teva-Offerte

Rückblick: Anfang April legte der US-Pharma-Konzern Mylan ein Übernahme-Angebot für Perrigo vor. Die Offerte zielte in erster Linie darauf ab, dass man nicht selbst übernommen wird. Mylan wollte mit einer 30 Mrd. Dollar-Übernahme verhindern, dass der israelische Widersacher Teva eine feindliche Offerte startet.

Mylan hatte die Gefahr gerade noch rechtzeitig erkannt, denn Teva wollte wirklich Mylan übernehmen. Aufgrund des Perrigo-Plans und anderer Abwehrmaßnahmen kam Teva jedoch letztendlich nicht zum Zug.

Mylan bleibt bei Perrigo auch nach Teva-Rückzug am Ball

Unterdessen bemühte sich Mylan um die Komplettierung der Perrigo-Übernahme. Der Übernahme-Kandidat wollte jedoch nicht und lehnte auch eine Angebotserhöhung ab, die verschiedenen Analysten zufolge den fairen Unternehmenswert Perrigos widerspiegelte.

Mylan ließ auch nicht locker als Teva den Übernahme-Plan aufgab und wandte sich daraufhin direkt an die Perrigo-Anteilseigner. Als sich abzeichnete, dass die allerdings nicht vollends von dem Deal überzeugt waren und die Übernahme-Chancen sanken, reduzierte Mylan die für einen Deal notwendige Annahmequote.

Mylan-Aktionäre sind mit großer Mehrheit für einen Deal

Statt 80% begnügt sich Mylan nun mit 50%. Das hört sich nach einer deutlich wahrscheinlicheren Übernahme an, ist allerdings immer noch problematisch. Denn mit 50% kann Mylan Perrigo nicht komplett übernehmen, nicht die Kasse plündern und auch nicht das volle Synergie-Potenzial heben.

Dieses Problem hat auch die Beratungsgesellschaft für institutionelle Anleger, ISS, erkannt. Ihrer Meinung nach sei der Deal nicht wertsteigernd und daher von den Mylan-Aktionären nicht zu unterstützen.

Mit überwältigender Mehrheit stimmten die Mylan-Aktionäre dennoch für den Plan, der jetzt von den Perrigo-Anteilseignern entschieden wird.

Perrigo-Management rechnet mit Angebotsablehnung – sollte sich aber nicht zu sicher sein

Das Perrigo-Management reagierte gelassen auf den Ausgang der Abstimmung. Man sei überzeugt, dass die feindliche Offerte ins Wasser fällt, teilte die Führungsspitze mit. Ganz so sicher können sich die Manager jedoch nicht sein.

Denn nicht wenige Investoren könnten geneigt sein, dass schnelle Geld mitzunehmen, auch wenn der langfristige Wert der Perrigo-Aktie über dem Angebotspreis ist. Zudem gibt es auch etliche Investoren die eine Doppelpositionierung haben.

Von denen spekulieren einige, dass der günstige Deal die Mylan-Aktie nach oben katapultiert. Da ein Großteil des Übernahme-Preises mit Mylan-Aktien bezahlt werden soll, steigt dann auch der Wert des Angebots.

Für das Perrigo-Management wäre das natürlich fatal. Denn dann wurde die Chance verpasst, durch Übernahme-Verhandlungen für die Aktionäre ein höheres Angebot rauszuschlagen. Es bleibt spannend.

28. August 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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