Mylan: der Übernahmekrimi geht in die nächste Runde

Bereits vor einigen Tagen hat Ihnen der Übernahmesensor über Mylan berichtet; jetzt geht die Übernahmeschlacht in die nächste Runde.

Sie erinnern sich: Teva, der weltgrößte Generika-Hersteller aus Israel, hat 82 Dollar je Aktie für Mylan geboten.

Wie von mir erwartet, wurde der Frontalangriff der Israeliten abgeschmettert. Grund sei eine nicht vorhandene industrielle Logik und mögliche Probleme mit den Kartell-Behörden.

Der Mylan-Aufsichtsratschef Rob Coury konterte ganz offensiv, dass man erst ab einem Kaufpreis von deutlich über 100 Dollar je Aktie überhaupt zu Verhandlungen bereit sei.

Zusätzlich lancierte Mylan selbst ein Kaufangebot für das irische Pharma-Unternehmen Perrigo. Das erste Gebot von 205 Dollar je Aktie wurde direkt als zu niedrig abgelehnt.

Damit ging der Schuss von Mylan, sich selbst als Übernahme-Objekt für Teva unattraktiv zu machen, erst einmal nach hinten los. Als Konsequenz erhöhte Mylan gestern das Angebot auf 232,23 Dollar je Aktie.

Teva unter Zugzwang

Der letzte große Zukauf der Israelis ist schon ein wenig her. In 2010 übernahm Teva den Ulmer Generika-Hersteller Ratiopharm für 3,6 Mrd. Dollar. Der Deal wurde groß gefeiert, brachte aber nicht den erhofften Schub.

Seit einigen Jahren stagnieren die Umsätze bei gut 20 Mrd. Dollar. Trotz des recht ansehnlichen Nettogewinns von 3 Mrd. Dollar fehlt die Perspektive.

Für nächstes Jahr rechnen Experten sogar mit einem Gewinnrückgang bei gleich bleibenden Erlösen. Bis 2018 erwarten Analysten kein nennenswertes Wachstum.

Besonders pikant: Der Patentschutz für das wichtigste Blockbuster-Produkt gegen Multiple Sklerose Copaxone läuft in 2015 aus. Bei 20% Umsatzbeitrag steht das Präparat für fast 50% der Gewinne.

Günstige Generika, u. a. auch von Mylan, dürften die Geschäfte in Zukunft belasten.

Israelis lassen sich von Giftpille nicht abschrecken

In einem ersten Statement zeigte sich das Teva-Management von dem Ablenkungsversuch mit der Perigo-Offerte unbeeindruckt: Man könnte ja Teile des Unternehmens direkt wieder abstoßen.

Die Mylan-Übernahme lässt der Generikakonzern sich einiges kosten.

Bei dem aktuellen Angebot würde Mylan mit gut 40 Mrd. Dollar bewertet. Das wäre ein Multiplikator (EBITDA) von 19.

Dafür erhalten die Israelis einen stark wachsenden Konzern. Im nächsten Jahr sollen die Erlöse um 30% klettern, der Gewinn um 50% anspringen.

Höheres Angebot durchaus möglich

Aktuell notiert Mylan mit 74 Dollar noch knapp 10% unter dem Übernahme-Angebot. Allerdings ist es kein reiner Cash-Deal: 50% der Zahlung sollen in Teva-Aktien erfolgen.

Damit nutzt der Konzern den rasanten Kurzuwachs der eigenen Aktien. Trotz des Rückgangs in den letzten Tagen liegt die Aktie seit Jahresbeginn knapp 90% im Plus.

Ich halte es für möglich, dass die Offerte sogar erhöht wird. Denn Teva braucht dringend zusätzliches Wachstum. Zudem könnte ein zusätzlicher Bieter Wind in die Sache bringen.

Insider munkeln bereits über einen Kaufpreis von 90 Dollar. Ein zusätzlicher Bieter könnte Pfizer sein, der damit sein eigenes Generika-Geschäft stärken könnte.

30. April 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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