N26 will Börsengang nicht verschieben

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Das Berliner Fintech N26 sieht keinen Grund, den für 2024/2025 geplanten Börsengang aufgrund der Corona-Krise zu verschieben. (Foto: Mikko Lemola / shutterstock.com)

Die deutsche Smartphone-Bank N26 hat angekündigt, dass sie trotz Corona-Krise bei ihren Plänen bleibt, in den nächsten vier bis fünf Jahren an die Börse gehen zu wollen. Dies erklärte N26-Finanzchef Maximilian Tayenthal gegenüber Bloomberg.

Kometenhafter Aufstieg

Gegründet wurde die Berliner Smartphone-Bank erst vor sieben Jahren und legte gleich einen grandiosen Start hin: 2015 ging die von den Firmengründern entwickelte Banking-App, damals noch unter dem Namen Number26, in Deutschland und Österreich an den Markt. Noch im selben Jahr folgten Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Slowakei und Spanien. In 2016 knackte das Unternehmen bereits die 100.000-Kunden-Marke. Noch im selben Jahr erhielt Number26 die Vollbanklizenz durch die Europäische Zentralbank und firmiert seitdem unter N26. Bis dahin hatte das Unternehmen seine Geschäfte über den Zahlungsdienstleister Wirecard abgewickelt.

In mehreren Finanzierungsrunden konnte das Berliner Fintech insgesamt 670 Millionen US-Dollar einwerben. In der letzten Runde, die im Juli 2019 stattfand, wurde N26 mit 3,5 Milliarden US-Dollar bewertet und stieg damit zum wertvollsten deutschen Startup auf. In diesem Jahr hat N26 bereits die Fünf-Millionen-Kunden-Marke geknackt. Ein Team von mittlerweile mehr als 1.500 Mitarbeitern bedient von den Standorten in Berlin, New York, Barcelona, Wien and São Paulo aus 25 Märkte. Neben dem Realtime-Banking per App und einer Debit-Mastercard bietet N26 auch kleine Kredite und Versicherungen per App an.

Einige Rückschläge

Allerdings musste das Fintech auch schon einige Rückschläge verkraften. Nachdem N26 im Jahr 2016 über 400 Kunden wegen zu häufiger Bargeld-Abhebungen das Konto gekündigt hatte, hagelte es Kritik. Im Mai 2019 verhängte die Berliner Datenschutzbeauftragte gegen N26 eine der bislang höchsten Strafen wegen Verstößen gegen die Datenschutz-Grundverordnung.

Noch im selben Monat stellte die Finanzaufsicht Bafin bei N26 weitreichende Mängel bei den Vorkehrungen gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung fest und ordnete an, diese umgehend abzustellen. Am 11. Februar 2020 gab N26 bekannt, dass es sein Geschäft in Großbritannien wegen des Brexits aufgeben werde und die dortigen Konten zum 15. April 2020 auslaufen lasse.

Geschäft weitgehend Corona-resistent

Im Bloomberg-Interview machte N26-Finanzchef Tayenthal deutlich, dass das Fintech nur geringfügig von den negativen Folgen der Corona-Krise betroffen ist: Die Kartenumsätze der Kunden im März seien bislang leicht rückläufig. In gewissen Märkten verzeichneten sie bei den Kontoeröffnungen einen Rückgang von maximal 10 Prozent.

Laut Tayenthal kann N26 sogar langfristig von der Krise profitieren: „Wir gehen davon aus, dass viele Leute ein Online-Konto eröffnen werden, weil immer mehr Filialen wegen der Corona-Krise schließen. Digitale Banken werden stark an Bedeutung gewinnen.“

Wie geht es weiter?

Da der Börsengang von N26 erst in vier bis fünf Jahren stattfinden wird, bleibt interessierten Investoren noch einige Zeit, um die weitere Entwicklung des Unternehmens zu beobachten. Grundsätzlich halte ich das rein App-basierte Geschäftsmodell des Berliner Fintechs für eine interessante Ergänzung im Bankwesen. Sie sollten N26 also durchaus auf Ihre Beobachtungsliste setzen.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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