Nach Betrugsvorwürfen gegen Wirecard rauscht die Aktie in den Keller

Wirecard RED – obs Wirecard AG Paul Blind

Massive Betrugsvorwürfe gegen Wirecard. Die Aktie stürzt um mehr als ein Drittel ab. Wird die DAX-Aktie jetzt ein Zockerpapier? (Foto: obs/Wirecard AG/Paul Blind)

Dass ein DAX-Konzern zweistellige Tagesverluste aufweist, kommt eher selten vor. Nicht so beim Zahlungsabwickler Wirecard. Schon in den vergangenen Jahren mussten die Anleger wiederholt starke Nerven haben. Und nun erneut: In der vergangenen Woche hatte die Aktie gleich an zwei Tagen zweistellige Kursverluste zu verzeichnen.

Massive Betrugsvorwürfe

Auslöser der tumultartigen Kursbewegungen waren Berichte der renommierte Financial Times, die in einem am Mittwoch veröffentlichten Artikel eine von Wirecard beauftragte Anwaltskanzlei namens Rajah & Tann aus Singapur zitierte. Diese soll festgestellt haben, dass Wirecard Konten und Dokumente gefälscht hat. Dies soll bewusst geschehen sein, um dadurch anderes Fehlverhalten zu verschleiern.

Und zwar Geldwäsche, Korruption und die Verwendung zurückdatierter Aufträge. Und zwar in mindestens fünf Ländern: Hongkong, Indien, Malaysia, Singapur und auch Deutschland. Das geht aus dem internen Bericht hervor, der dem britische Wirtschaftsblatt zwar nicht vorliegt, jedoch eingesehen werden konnte. Der FT zufolge war der Bericht der Anwaltskanzlei die Grundlage für eine firmeninterne Präsentation bei Wirecard, die – und das ist ebenfalls brisant – dem Führungsstab des Zahlungsdienstleisters bereits im Mai letzten Jahres zugänglich gemacht wurde.

Wird die DAX-Aktie jetzt ein Zockerpapier?

Aus naheliegenden Gründen kam die Wirecard-Aktie daraufhin unter massiven Druck. Bereits am Mittwoch, als die ersten Betrugsvorwürfe veröffentlicht wurden, gab die Aktie um 13% nach, am Freitag, als die Anschuldigungen wiederholt und konkretisiert wurden, unterschritt der Aktienkurs kurzzeitig sogar die 100-Euro-Marke und schloss mit einem Tagesverlust von 25%. Im Wochenvergleich hat das Papier damit mehr als 35% seines Wertes eingebüßt. Gegenüber den Höchstständen vom August vergangenen Jahres hat sich das Papier damit fast halbiert.

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Da half es wenig, dass eine Unternehmenssprecherin die Zeitungsartikel prompt als „ungenau, irreführend und diffamierend“ bezeichnete. Es sei schlicht unwahr, so Wirecard weiter, dass Rajah & Tann jemals materielles Fehlverhalten irgendeines Wirecard-Beschäftigten in Bezug auf Buchführungspraktiken aufgedeckt habe. Das Unternehmen bekräftigte ferner, dass in der besagten Angelegenheit am 8. Mai 2018 keine Präsentation vor dem oberen Führungskreis des Unternehmens für gehalten worden sei.

Bislang wenig Entkräftigendes

Wer jedoch die Spielregeln im Entkräften von Vorwürfen kennt, weiß, dass Wirecard noch länger unter Druck stehen wird. Denn was eine „Präsentation“ ist, kann man so oder so definieren, ebenso, wer zum oberen Führungskreis zählt. Und natürlich ist die Entgegnung Wirecards richtig, wenn am 8. Mai keine derartige Präsentation stattgefunden hat, aber was, wenn diese schon am 7. Mai stattgefunden hat?

Ebenfalls auf falschen Fuß erwischt wurden die Analysten, die die Veröffentlichung der Eckdaten 2018 noch zum Anlass genommen hatten, ihre Kaufempfehlung für die Aktie zu bestätigen. So zum Beispiel Goldman Sachs, die am Mittwoch ihr Kursziel von 230 Euro bekräftigten. Nun tritt die Finanzaufsicht BaFin auf den Plan. Sie hat angekündigt zu untersuchen, ob es sich um eine Marktmanipulation handelt. Wie gesagt, schnell werden die Vorwürfe diesmal nicht vom Tisch sein.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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