Nach Bieterkampf: Knorr Bremse sichert sich 86% an Haldex

Es war ein spannender Übernahme-Kampf, der vor wenigen Wochen entschieden wurde:

Der schwedische LKW-Zulieferer Haldex bekam innerhalb weniger Monate ein halbes Dutzend Übernahme-Angebote.

Erst als das Preisschild bei 125 Kronen je Aktie lag, konnte der deutsche Konkurrent Knorr Bremse den Bieterkampf für sich entscheiden.

Danach musste nur noch das Aktionariat der Schweden zustimmen – und die nickten jetzt die Übernahme ebenfalls ab.

Angebotsfrist bis Ende Februar verlängert

Knorr Bremse gab heute bekannt, dass 71,2% der Haldex-Aktionäre die Übernahme-Offerte unterstützten.

Da das Unternehmen im Zuge des Bieterwettstreits mit dem Konkurrenten ZF Friedrichshafen rund 15% bereits erwarb, kommt Knorr Bremse nun auf 86,1% aller Aktien.

Der Bieter hat die Annahmefrist des Angebots heute bis Ende Februar verlängert. Damit haben Aktionäre, die bislang noch nicht zugegriffen haben, die attraktive Offerte weiterhin annehmen.

Es ist davon auszugehen, dass Knorr Bremse mit dem Schritt eine Mehrheit von 90% anstrebt. Dies würde es dem Bieter ermöglichen, Haldex von der Börse zu nehmen.

Hohe Zustimmung: Mehrheit der Haldex-Aktionäre unterstützt Übernahme-Angebot

Knorr Bremse zeigte sich heute sehr zufrieden mit der hohen Zustimmungsrate. Dass über 70% andienten wertet der Konzern als Bestätigung für die Attraktivität der Offerte und die strategische Logik des Deals.

Der hintere Teil der Aussage ist wenig überzeugend – wohl aber der vordere. Ohne Bieterkampf hätte die Aktie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht die 125 Kronen erreicht.

Lukrative Bieterkämpfe: Je mehr Interessenten, desto höher der Preis

Hintergrund: Im Sommer lag Haldex eine Offerte des deutsch-amerikanischen LKW-Zulieferers SAF Holland in Höhe von 94,42 Kronen je Aktie vor.

Das Angebot enthielt eine Übernahme-Prämie von rund 20% und hatte das Potenzial die Haldex-Manager zu überzeugen.

Doch dann funkte Konkurrent ZF Friedrichshafen dazwischen und legte eine Gegenofferte von 100 Kronen auf den Tisch.

SAF zog sich daraufhin zurück und das Haldex-Management einigte sich mit ZF auf eine Übernahme.

Nachdem alles auf eine reibungslose Transaktion hindeutete, tauchte plötzlich Knorr Bremse auf und legte die Messlatte auf 110 Kronen.

Danach schaukelten sich die beiden Interessenten in einem spannenden Bieterkampf immer höher, bis ZF schließlich bei einem Knorr Bremse-Angebot von 125 Kronen die Segel strich.

Wer im Februar dieses Jahres auf eine Haldex-Übernahme setzte, konnte rund 100% Gewinn einstreichen.

Selbst wer sich erst spät an eine Investition traute, konnte noch einen schönen Gewinn in kurzer Zeit erzielen.

Nicht der vermeintlichen Chance hinterher rennen: Verlustrisiko beachten

Bieterkämpfe sind für Aktionäre des Übernahme-Kandidaten hoch attraktiv. Dann werden oft Kurse erreicht, die das Unternehmen an der Börse sonst nie gesehen hätte.

Das bedeutet aber nicht, dass Sie sich automatisch an Übernahme-Kandidaten beteiligen sollten, wenn ein Bieterkampf entstehen könnte.

Nicht selten preist der Markt die Wahrscheinlichkeit eines Bieter-Wettkampfes zu hoch ein.

Meldungen, dass noch weitere potenzielle Interessenten ihren Hut in den Ring werfen könnten, heißen keineswegs, dass ein Bieterkampf im Anmarsch ist.

Im Gegenteil: Übernahme-Kandidaten versuchen selbstverständlich von sich aus, weitere Interessenten anzulocken, um den Preis hochzutreiben.

Winkt der Interessent ab und kommt es dann „nur“ zu einer normalen Übernahme – oder gibt es sogar am Ende gar keine Transaktion – drohen für Späteinsteiger hohe Kursverluste.

Beispiel Twitter: Anfang Oktober wechselte die Aktie zu 24 € den Besitzer – Mitte Oktober zu 15 €.

7. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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