Nach dem NXP-Übernahme-Aus: Wohin geht die Qualcomm-Aktie

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Qualcomm macht ohne NXP weiter. Jetzt muss CEO Mollenkopf zeigen, dass er einen guten Plan B hat. (Foto: Casimiro PT / Shutterstock.com)

Der Übernahme-Sensor hatte Ihnen gestern von der geplatzten 43 Mrd. Dollar schweren Übernahme des niederländischen Chip-Konzerns NXP durch Qualcomm berichtet und wie es jetzt mit NXP weiter gehen könnte.

Nicht weniger spannend ist die Frage, wie es mit Qualcomm weitergehen könnte. Mit der NXP-Übernahme hat Qualcomm versucht neue zukunftsträchtige Geschäftsbereiche zu erobern. Der Schritt galt als strategisch vollkommen richtig, wenngleich – wie so oft – einigen Investoren der aufgestockte Übernahme-Preis zu hoch war.

Chinesischen Behörden weisen Zusammenhang mit Handelsstreit zurück

Qualcomm sagte gestern bei Bekanntgabe des Übernahme-Aus, dass der mangelnde Wille der chinesischen Behörden die Übernahme freizugeben ausschlaggebend für den Deal-Abbruch war.

Diese schob aber den Schwarzen Peter zurück. Man bereue, dass der Deal abgesagt wurde, bestehe jedoch darauf, dass der Handelsstreit zwischen den USA und China nichts mit der Prüfung zu tun habe.

Qualcomm habe schlicht und einfach zu wenig getan, um Wettbewerbsbedenken auszuräumen. Jeder der in China Geschäfte machen will sei willkommen. Die vertiefte Prüfung habe eine Frist bis zum 14. Oktober und man hoffe, die Probleme noch ausräumen zu können.

Das ist zwar nett gemeint, doch glauben Sie nicht, dass deswegen der NXP-Deal noch eine zweite Chance erhält. Die Sache ist gegessen und Qualcomm hat auch schon die Strafe für den Rückzug von der Übernahme an NXP überwiesen.

Qualcomm-Aktie nach Deal-Aus und starken Zahlen gesucht

Auch die Qualcomm-Investoren haben mit dem Kapitel abgeschlossen. Nicht wenige sind froh, dass die Hängepartie endlich vorbei ist und Qualcomm sich wieder auf das Tagesgeschäft konzentrieren kann.

Das lief im vergangenen Quartal schon einmal ganz gut: Qualcomm konnte die Erwartungen locker toppen. Während der Gewinn mit 1,01 Dollar je Aktie 30 Cent über den Erwartungen lag, landete der Umsatz mit 5,6 Mrd. Dollar 400 Mio. Dollar über der Prognose.

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Die Qualcomm-Aktie legte um 6,5% zu.

Gute Gründe, warum die Aktie in der zweiten Jahreshälfte zulegen könnte

Im frühen US-Handel muss die Qualcomm-Aktie in einem schwächeren Marktumfeld ein wenig abgeben, doch die Analysten zeigten sich zufrieden. Mehrheitlich wurden die Kursziele angehoben.

Mit einer Kurs-Gewinn-Bewertung von 18 sei das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht, ist die vorherrschende Meinung. Als großer Kurskatalysator gilt dabei der Apple-Disput, der in der zweiten Jahreshälfte gelöst werden könnte. Dann könnten ausstehende Lizenzeinnahmen den Gewinn in die Höhe treiben.

Nicht zu vergessen ist, dass Qualcomm ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 30 Mrd. Dollar angekündigt hat. Wenn Sie bedenken, dass der Chip-Riese an der Börse mit rund 90 Mrd. Dollar bewertet wird, ist das eine gigantische Kursstütze.

Gute Gründe, warum die Aktie in der zweiten Jahreshälfte fallen könnte

Und die Risiken? Sollte der Disput mit Apple über Lizenzgebühren nicht gelöst werden können, dann droht ein langwieriger Rechtsstreit in vielen Ländern. Zudem könnte Apple Qualcomm-Produkte bei künftigen iPhone-Modellen außen vor lassen, was die Geschäftsentwicklung belasten würde.

Auch stellt der Druck auf das Management – insbesondere auf CEO Steven Mollenkopf – eine Gefahr da. Er wird jetzt aus Sicht des Übernahme-Sensors an anderer Stelle zuschlagen, um neue Geschäftsbereiche zu erobern.

Dass Mollenkopf einen Deal braucht, wissen auch die Übernahme-Kandidaten, die das bei den Preisverhandlungen für sich zu nutzen wissen. Jeder Plan B wird mit den Chancen einer NXP-Übernahme verglichen und dürfte es schwer haben, genauso gut beurteilt zu werden.

Ist der Deal den Investoren dann nicht gut genug oder wird Qualcomm den jetzt höheren Erwartungen nicht gerecht, könnten Finanzinvestoren erneut die Ablösung des Chefs fordern.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.