Facebook: Nach der Datenleck-Affäre wankt der blaue Riese

Der Datenskandal ist nur der jüngste in einer Reihe von Skandalen, die Facebooks öffentliches Ansehen schwer beschädigt haben. (Foto: Anikei / Shutterstock.com)

In der vergangenen Woche hatte ich an dieser Stelle geschrieben, dass es bei Facebook nicht rund läuft und dem führenden Sozialen Netzwerk aufgrund einer Überalterung seiner Nutzer langfristig ein Absturz droht.

Das Timing meines Beitrags hätte kaum besser sein können: In den vergangenen Tagen hat die Facebook-Aktie ein Zehntel ihres Wertes verloren. Mehr als 50 Mrd. US-Dollar haben sich damit in Luft aufgelöst. Das Vermögen von Firmengründer Mark Zuckerberg, der mit 28% an Facebook beteiligt ist, verringerte sich in wenigen Tagen um 15 Mrd. Dollar.

Entscheidend in den Wahlkampf eingegriffen

Auslöser des Kurseinbruchs ist die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytika. Sie soll die Wahlkampfkampagne von Donald Trump dabei unterstützt haben, seine Anhänger durch mit als Werbung getarnte Botschaften zu mobilisieren und potenzielle Wähler der Gegenkandidatin Hillary Clinton vom Urnengang abzuhalten.

Über das Ausmaß der Datenaffäre gibt es unterschiedliche Angaben. Die renommierte New York Times berichtete in ihrer Wochenendausgabe unter Berufung auf frühere Mitarbeiter von Cambridge Analytica, sie habe Zugriff auf die persönlichen Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Mitgliedern ohne deren Zustimmung erhalten. Die Datenschutzbeauftragten aller Länder sind entsetzt.

Hassbotschaften nicht rechtzeitig gelöscht

Auch die Vereinten Nationen werfen Facebook vor, den Konflikt in Myanmar geschürt zu haben, wo in den vergangenen Monaten Hunderttausende Angehörige der muslimischen Minderheit der Rohingya aus dem Land geflüchtet sind. Dem Vorsitzenden der Untersuchungsmission zufolge werde Facebook, das mit Abstand wichtigste soziale Netzwerk des Landes, systematisch dazu genutzt, um Hassbotschaften von ultra-nationalistischen Buddhisten zu verbreiten.

Auch hierzulande scheint Facebook zunehmend überfordert zu sein, rassistische und hasserfüllte Beiträge oder selbst Mordaufrufe rechtzeitig zu löschen. Harmlose Postings werden dagegen entfernt. Und in Amerika kam heraus, dass Immobilienmakler Anzeigen schalten und Afroamerikaner oder Menschen jüdischen Glaubens gezielt von einer Ansprache ausschließen könnten.

Jetzt bloß nicht auf eine technische Erholung hoffen

Weltweit brodelt es bei Facebook. In einem derart belasteten Umfeld wollen viele Unternehmen ihre Werbekampagnen nicht länger lancieren. Dann kommt zum Reputationsschaden auch die ökonomische Belastung dazu. Dass sich die Aktie kurzfristig erholt, dürfte wenig wahrscheinlich sein. Realistischer ist, dass der Druck auf die Aktie vorerst weiter anhält.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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