Nach der Finanzkrise ist vor der Finanzkrise

Denn sie wissen nicht, was sie tun – blauäugige Marktbeobachter könnten der Ansicht sein, dass eine Krise, wie wir sie 2007/2008 hatten, so schnell nicht wieder geschehen wird.

Schließlich haben die Banken sicher daraus gelernt, ihr Verhalten geändert, werden häufiger überprüft und generell derartige Schiefstände durch neue Regelungen verhindert.

Einer, der direkt am Ursprung sitzt, sieht die aktuelle Situation etwas anders:

Klaas Knot ist Ratsmitglied bei der Europäischen Zentralbank (EZB) und warnt vor neuen Risiken.

Seiner Ansicht nach hat insbesondere die lockere Geldpolitik der Notenbanken dafür gesorgt, dass der Finanz-Sektor genauso verwundbar ist wie vor der Schuldenkrise.

Nachdem die Schulden in der Zwischenzeit weltweit gestiegen sind, sollte auch die Fallhöhe diesmal höher sein.

Von „genauso verwundbar“ zu sprechen, könnte also sogar eine Untertreibung sein.

Diese Faktoren entscheiden die nächste Finanzkrise

Ich habe es schon einige Male erwähnt – auch nach Meinung von Knot ist die extrem niedrige Volatilität ein gefährlicher Spielball.

Auch wenn er die Märkte derzeit noch für widerstandsfähig ansieht, ist dies kein Garant für die Ewigkeit.

Sobald die Volatilität zunimmt, wird es auch an den Börsen wieder heiß, und dann wird es in den seltensten Fällen höhere Kurse geben.

Auch von der Überbewertung von vielen Firmen wissen Sie sicherlich. 3-stellige KGV-Werte bei den größten Unternehmen der Welt sind alles andere als ein stabiles Wachstum der Kurse.

Hier wird es zu einer Bereinigung kommen, die Frage ist nur der Zeitpunkt. Genau diese Überbewertung spricht das EZB-Ratsmitglied auch an:

Für ihn wirkt diese Situation ebenfalls alles andere als gesund. Er werde regelrecht nervös, wenn er sich diese Kurs-Gewinn-Verhältnisse bei einigen Investments ansehe.

Europäische Notenbank spielt blinde Kuh

„Ich sehe was, was du nicht siehst“ – während Klaas Knot also seinen Sorgen Luft macht, fährt die Europäische Notenbank selbst lieber den beruhigenden Kurs.

Soll heißen: Sie gibt Nachrichten heraus, die die Masse beruhigen sollen, so z. B. in Form vom berüchtigten Stresstest für Banken.

Was nach einem wichtigen Instrument klingt, um die Lage des Finanz-Sektors einzuschätzen, wird von vielen Fachleuten regelmäßig kritisiert, so auch diesmal:

Der aktuelle Stresstest besagt nämlich: Die meisten Banken managen ihre Zins-Risiken gut – prima! „Es gibt nichts zu sehen, bitte gehen Sie weiter!“

Beruhigt Sie persönlich solch eine Aussage wie: „Die meisten machen ihren Job ganz gut“?

Wenn Sie das von Kassierern in ihrem Supermarkt sagen, ist das eine Sache, wenn es um die zentralen Stützpfeiler des Systems geht, allerdings schon eine ganz andere.

Was ist, wenn viele es gut machen, aber nur 1 oder 2 Banken wieder vor dem Crash stehen?

Erinnern Sie sich noch an die Domino-Effekte, die befürchtet wurden – damals, als Griechenland und seine Staatsschulden noch ein Thema waren?

Da durfte keine Bank ausfallen, weil sie sonst viele andere mit in den Ruin hätte reißen und das Modell Euro-Zone über Nacht hätte platt machen können

„Too big to fail“ – dann heißt es wieder Banken-Rettung auf Kosten der Steuerzahler.

Aber schön, dass die meisten Banken ihren Job ganz gut machen! Auf ein paar Ausreißer kommt es ja nicht an, zur Not retten wir die einfach wieder…

Diesmal wurde beim Stresstest übrigens besonders kritisiert, dass steigende Zinsen nicht ausreichend kalkuliert wurden.

So haben die meisten Banken ihre Zinsrisiken aktuell zwar im Griff.

Doch zu untersuchen, wie es bei höheren Leitzinsen aussieht und wie die Kunden darauf reagieren, darauf wurde beim Stresstest verzichtet.

DAX gegen die 13.000 Punkte

Es fehlten heute tatsächlich nur noch 3 Punkte, um die historische Marke zu knacken. Das neue Allzeithoch ist jetzt bei 12.997 Punkten.

Schon interessant, wie schwierig es ist, die 13.000 zu erreichen – v. a., wenn wir bedenken, dass wir vor 1 Monat noch 500 Punkte weiter unten notierten.

Die Luft nach oben ist also dünn, nach unten geht mehr. Vielleicht rutschen wir auch noch einmal in Richtung 12.800, bevor es über 13.000 Punkte geht.


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9. Oktober 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.

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