Nach Druck durch Finanzinvestor: Steinhoff erhöht Poundland-Offerte

Der MDAX-Konzern Steinhoff hat die Übernahme-Offerte für den britischen Discounter Poundland aufgestockt. Statt der bisherigen 597 Mio. Pfund bietet die Möbelmarkt-Kette nun 610 Mio. Pfund.

Zwar wurde schon die ursprüngliche Offerte vom Management des Übernahme-Kandidaten befürwortet, doch der Finanzinvestor Elliott – größter Einzelaktionär stellte sich gegen das Angebot.

Elliott baute seinen Anteil auf 17,5% aus und forderte eine Aufstockung. Für Steinhoff wurde es dadurch unmöglich, die angepeilte Mindestannahmequote von 75% zu erreichen. Damit der Deal nicht platzt, reagierte Steinhoff jetzt.

Ob die kleine Aufstockung von 5 britischen Pence je Aktie allerdings reicht, um die Anteile von Elliott zu bekommen, ist sehr fraglich. Deutlich wahrscheinlicher geworden ist die Poundland-Übernahme trotzdem. Denn Steinhoff hat gleichzeitig auch die Mindestannahme-Quote auf 50% gesenkt.

Doppelschlag in wenigen Wochen: Steinhoff übernimmt auch US-amerikanischen Matratzenhersteller

Die Übernahme-Ankündigung erfolgte bereits im Juni. Steinhoff – auch die südafrikanische IKEA genannt – ist auf Expansionskurs, um die Abhängigkeit vom afrikanischen Markt zu verringern.

In Großbritannien ist Steinhoff bereits mit Bensons for Beds im Markt vertreten und will mit der Poundland-Übernahme die Position weiter ausbauen. Parallel dazu arbeitet das Unternehmen an der Übernahme des US-amerikanischen Unternehmens Mattress.

Der 3,8 Mrd. Dollar schwere Deal kam völlig unerwartet und sorgte aufgrund einer Übernahme-Prämie von über 100% für Aufsehen.

Langfristige Poundland-Investoren liegen trotz 40%-Prämie weit im Minus

Bei Poundland fiel das Angebot ebenfalls sehr großzügig aus. Die Übernahme-Prämie lag bei 40%. Doch die Poundland-Aktie hatte im vergangenen Jahr deutlich verloren, da die Geschäfte sehr schleppend liefen. Investoren die schon länger dabei sind, sitzen trotz des Übernahme-Angebots auf hohen Verlusten.

Heute geht es mit der Aktie erneut ein wenig nach unten. Im Londoner Handel verliert die Aktie bis zum Mittag 1%. Offenbar hatten sich einige Investoren eine deutlich großzügigere Aufstockung erhofft.

Elliott mischt auch im deutschen Übernahme-Markt häufig mit

Übernahme-Profi Elliott Management ist auch in Deutschland bei verschiedenen Deals mit von der Partie gewesen. Dabei unterscheidet das Unternehmen nicht, ob der Übernahme-Kandidat groß oder klein ist.

Sowohl bei DMG Mori als auch bei Celesio konnte der Finanzinvestor eine Angebotsaufstockung erreichen. Ist Elliott mit dem Preis nicht einverstanden, bleibt er aber auch als Minderheitsaktionär investiert.

Analysten trauen Steinhoff-Aktie nach 35%-Rally noch mehr zu

Steinhoff-Anleger reagieren heute relativ gelassen auf die kleine Angebots-Aufstockung. In einem leicht festeren Markt notiert die Aktie am Mittag 0,7% schwächer.

Das Papier stieg in den vergangenen 6 Monaten um 35% und markierte kurz nach der Übernahme in den USA auf einem neuen Allzeithoch. Viele Investoren begrüßen die Expansionsstrategie und vertrauen dabei auf vergangene Integrationserfolge.

Analysten befürworteten die jüngsten Zukäufe ebenfalls und trauen der Steinhoff-Aktie trotz des Allzeithochs weitere Kurssteigerungen zu. Für die BNP Paribas ist das Papier sogar „Top Pick“ im Sektor (keine Kaufempfehlung!).

11. August 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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