Nach Gerüchten über mangelndes Interesse: WebMD-Übernahme steht

Private Euqity-Riese KKR übernimmt WebMD. Gerüchte, dass der Verkaufs-Prozess stocke, waren offenbar falsch. Hier alles Weitere: (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Der US-amerikanische Finanz-Investor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) hat heute Morgen bekanntgegeben, dass er für 2,8 Mrd. US-Dollar den Internet-Konzern WebMD übernehmen will.

WebMD betreibt ein internetbasiertes Gesundheits-Informations-Portal.

Gegründet 1996, will das Portal verschiedene ineffiziente Prozesse im US-Gesundheitswesen optimieren.

Kunden können dort Krankenkassen-Ansprüche prüfen, Dokumente übermitteln oder sich auch nur Gesundheits-Tipps abholen.

Absehbare Wachstums-Abschwächung dürfte Grund für Unternehmens-Verkauf gewesen sein

WebMD arbeitet profitabel und das Unternehmen blickt auf erfolgreiche Jahre zurück

Dennoch geriet das Gesundheits-Portal immer wieder in den Fokus von Finanz-Investoren, die den Konzern für unterbewertet hielten.

Als man im Februar dann einen schwachen Ausblick für das Geschäftsjahr 2017 präsentieren musste, sahen Finanz-Investoren offenbar ihre Chance gekommen, um einen Verkauf anzustoßen.

WebMD nicht das 1. Mal mit Übernahme-Chance

In der Folge wurde es ruhig um WebMD:

Es gab keine Neuigkeiten, wie sich der Verkaufs-Prozess entwickelte, und schnell wurde die Befürchtung groß, dass der Verkauf scheitern könnte.

Denn im Jahr 2011, als die Firma nach dem Einstieg des berüchtigten Finanz-Investors Carl Icahn schon einmal Kauf-Interesse auslotete, blieben ansprechende Übernahme-Angebote aus.

Als dann vor rund 2 Wochen Gerüchte die Runde machten, dass der Verkaufs-Prozess stocke, geriet die Aktie deutlich unter Druck.

Erst im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Gerüchte gestreut wurden.

KKRs Übernahme-Plan setzt sich gegen 100 Alternativen durch

Dass der WebMD-Verkaufs-Prozess über 5 Monate dauerte, hat einen einfachen Grund:

Das Unternehmen prüfte mehr als 100 verschiedene Möglichkeiten, bevor es sich für eine Übernahme durch KKR entschied.

Der Bieter ist in dem Bereich bereits durch verschiedene Übernahmen gewachsen und verspricht sich durch die Bündelung der Aktivitäten mehr Wachstum für WebMD.

Analysten erachten die Idee als strategisch nachvollziehbar, heben allerdings den im Vergleich zu anderen Transaktion hohen Preis hervor.

Übernahme-Spekulanten nehmen zwischen 20% und 30% Prämie auf den Aktienkurs mit

Es ist nachzuvollziehen, dass Investoren ihre WebMD-Aktie im Zuge der Gerüchte über mangelndes Übernahme-Interesse verkauften.

Wenn sich das Geschäfts-Wachstum abschwächt (wie bei WebMD), dann wird die Bewertung am Aktienmarkt auf Angemessenheit überprüft.

Die WebMD-Aktie hätte ohne weitere Übernahme-Spekulation dann vermutlich deutlich nachgegeben – auch wenn Finanz-Investoren in der Vergangenheit eine Unterbewertung vermuteten.

Wer sich von den Gerüchten jedoch nicht ins Bockshorn jagen ließ und dem Papier die Treue hielt, der wurde belohnt.

KKR bietet eine 20%-Übernahme-Prämie auf den Schlusskurs vom Freitag und 30% Prämie auf den Aktienkurs vor Bekanntwerden der Verkaufs-Pläne.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.