Nachverhandelte Übernahmen: Auch Cabelas muss Bieter Preisnachlass gewähren

In einem vorangegangenen Beitrag shrieben wir Ihnen, dass es einen Mittelweg zwischen Übernahme-Aus und erfolgreichem Übernahme-Abschluss gibt: den nachverhandelten Deal.

Normalerweise steigt die Aktie des Übernahme-Kandidaten nach Übernahme-Ankündigung in Richtung des Übernahme-Preises.

In Abhängigkeit davon, wie sicher der Deal-Abschluss ist und wie lange es bis zum Deal-Abschluss dauert, notiert die Aktie mit einem Kurs-Abschlag zum Übernahme-Preis.

Das bedeutet: Ist der Deal-Abschluss unsicher, klafft eine große Lücke zum Angebots-Preis. Ist der Deal sicher, notiert die Aktie nur knapp unter dem Angebots-Preis.

Rite Aid-Übernahme mit über 20% Preisnachlass

Bei Übernahmen im Milliarden-Bereich kann der Deal-Abschluss auf sich warten lassen.

Ist die Branchen-Konzentration sehr hoch und müssen die Wettbewerbs-Behörden den Deal deswegen sehr genau prüfen, kann es über 1 Jahr dauern, bis die Übernahme abgeschlossen werden kann.

Droht eine Übernahme am Widerstand der Behörden zu scheitern, dann fällt die Aktie. Bei der US-amerikanischen Drogerie-Kette Rite Aid sorgte das Veto der Wettbewerbs-Behörden für einen schlagartigen Kurs-Abfall.

Erst als sich abzeichnete, dass die Übernahme noch zu retten ist, fing sich die Rite Aid-Aktie:

Der Bieter erklärte sich bereit die von den Wettbewerbs-Behörden verhängten Auflagen zu erfüllen, um die Übernahme doch noch abschließen zu können.

Für die Bereitschaft die Übernahme unter unerwartet hohen Auflagen abzuschließen musste der Übernahme-Kandidat allerdings einen Preisnachlass gewähren:

Statt der ursprünglich vereinbarten 9 Dollar je Aktie wurde ausgehandelt, dass nur noch max. 7 Dollar je Aktie gezahlt werden.

Dies ist sicher ein schwerer Schlag für die Rite Aid-Investoren, die einen erfolgreichen Abschluss fast schon sicher glaubten.

Doch muss klar gesehen werden, dass der nachverhandelte Deal das kleinere Übel ist. Denn ohne Deal sind auch auf dem aktuellen Kursniveau von 4,60 Dollar noch tiefere Kurse denkbar.

Verizon zahlt nach Datenklau für das Yahoo-Kerngeschäft 350 Mio. Dollar weniger

Nachverhandelte Deals wie bei der Rite Aid-Übernahme sind zwar selten, aber nicht ganz ungewöhnlich.

Tauchen neue Informationen auf, die die ursprüngliche Kalkulation durcheinander wirbeln, ist verständlich, dass der Bieter nicht mehr bereit ist den vollen Preis zu zahlen.

Eine Preisreduzierung gab es zuletzt auch bei der Yahoo-Übernahme durch Verizon:

Für das Kerngeschäft wollte Verizon eigentlich 4,83 Mrd. Dollar bezahlen, doch nachdem ein massiver Datendiebstahl bekannt wurde, setzten sich Yahoo und Verizon noch einmal an den Verhandlungstisch.

Am Ende einigten sich die beiden Seiten darauf, dass mögliche Folge-Schäden und Zusatzkosten geteilt werden und der Kaufpreis um 350 Mio. Dollar reduziert wird.

Dies ist zwar im Vergleich zur Rite Aid-Übernahme ein prozentual deutlich geringerer Schaden, doch 350 Mio. Dollar sind auch für große Konzerne eine Menge Geld.

Cabelas-Übernahme mit 6% Preisnachlass

Ganz aktuell musste auch der Outdoor-Spezialist Cabelas dem Rivalen Bass Pro Shop trotz eines bestehenden Übernahme-Vertrags einen Preisnachlass gewähren.

Die Übernahme geriet ins Schlingern, nachdem für den Kreditkarten-Bereich von Cabelas – der nicht Teil des Deals mit Bass Pro Shop ist – nicht rechtzeitig das regulatorische OK vom Käufer eingeholt werden konnte.

Jetzt teilte das Unternehmen allerdings mit, dass über eine Reseller-Vereinbarung mit Synovus der Verkauf doch noch abgeschlossen werden kann.

Dadurch wird auch die eigentliche Übernahme durch Bass Pro wieder deutlich wahrscheinlicher.

Dafür, dass Synovus einspringt, will das Unternehmen aber Geld. Bass Pro wiederum sieht nicht ein, warum man mit den Zusatzkosten belastet werden soll.

Also drückte der Bieter einen Preisnachlass durch: Statt 65,50 Dollar je Aktie zahlt Bass Pro den Cabelas-Aktionären jetzt nur noch 61,50 Dollar.

Die werden es jedoch verschmerzen können. Denn als der Deal ins Schlingern geriet, fiel die Aktie auf 45 Dollar zurück.

Auch wenn es nicht mehr 65,50 Dollar pro Aktie werden, sind die 61,50 Dollar je Aktie im Vergleich dazu ein gutes Ergebnis.

18. April 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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