Nächste Übernahme im Biotech-Sektor: Thermo Fisher kauft Brammer Bio

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Im Gentechnikbereich kommt es zum nächsten Milliarden-Deal. Diesmal schlägt Thermo Fischer für 1,7 Mrd. Dollar zu. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Auf Wachstumsmärkten dreht sich das Übernahmekarussel aktuell besonders schnell. Diese Aussage trifft insbesondere auf den Bio- bzw. Gentechnikmarkt zu, denn hier gibt es ständig neue Übernahmegerüchte bzw. konkrete Übernahme-Ankündigungen.

So gab das US-Technologieunternehmen Thermo Fisher gestern bekannt, dass man sich mit den Inhabern des nicht börsennotierten Gentech-Unternehmens Brammer Bio auf eine Übernahme geeinigt hat. Thermo Fisher legt für die nächste milliardenschwere Gentech-Übernahme rund 1,7 Mrd. US-Dollar in bar auf den Tisch.

Brammer bietet enormes Wachstumpotential

Mit seinen knapp 600 Mitarbeitern ist Brammer Bio schon heute ein führender Anbieter von viralen Vektoren im Bereich der Gen- und Zelltherapie. Darüber hinaus bietet das noch relativ junge Unternehmen enorme Wachstumschancen. Zahlen zum ersten Quartal machen deutlich, dass Brammer das für 2019 prognostizerte Umsatzziel von 250 Mio. Dollar voraussichtlich erreichen wird.

Darüber hinaus gehen Brammer-Kenner davon aus, dass mittelfristig auch die Marktwachstumsrate von 25 Prozent übertroffen wird. Thermo Fisher ist daher optimistisch, dass durch die Übernahme von Brammer auch die eigene Rentabilität gesteigert werden kann. So erwartet der Bieter, dass bereits im ersten Jahr nach der Übernahme der bereinigten Gewinn pro Aktie um 0,10 US-Dollar steigern wird.

Thermo Fisher setzt auf Synergien

Neben dem enormen Wachstumspotential von Brammer spielen bei der Übernahme aber auch Synergieeffekte eine besondere Rolle, wie Marc Casper – Präsident und CEO von Thermo Fisher Scientific – betont: „Brammer Bio wird eine spannende Ergänzung zu unserem Pharmadienstleistungsgeschäft sein und Thermo Fisher’s Führungsrolle bei der Betreuung von Pharma- und Biotech-Kunden weiter stärken”.

Michel Lagarde – Präsident des Pharmadienstleistungsgeschäfts von Thermo Fisher – fügt hinzu: “Durch die Nutzung unserer gemeinsamen Fähigkeiten sowie unserer kommerziellen Größenordnung und Kundenbeziehungen werden wir unsere Position als vertrauenswürdiger Partner für Pharma und Biotech stärken.“

Auch die Mitbegründer von Brammer Bio, Mark Bamforth und Dr. Richard Snyder, begrüßten den Deal: “Wir sind stolz darauf, Pioniere im Bereich  der Prozessentwicklung und Herstellung viraler Vektoren zu sein […] und wir freuen uns, zusammen mit Thermo Fisher unser Geschäft auf die nächste Stufe zu bringen.”

Die Übernahme soll bis Mitte 2019 abgeschlossen werden. Danach wird Brammer Bio Teil des Pharma-Dienstleistungsgeschäfts von Thermo Fisher im Segment Laborprodukte und -dienstleistungen. Obwohl die Übernahme mit Blick auf den Umsatzmultiplikator nicht günstig erscheint, zeigen sich die Investoren vom Mehrwert des Deals überzeugt: In einem schwächeren Gesamtmarkt stand die Thermo Fischer-Aktie zu Handelsbeginn 1% höher.

Die Auswirkungen der Übernahme sollten allerdings nicht überbewertet werden. Thermo Fischer ist immerhin an der Börse rund 100 Mrd. Dollar schwer – Brammer ist also nur eine kleine Geschäftsergänzung.

Übernahme-Welle im Gentechnik-Bereich: Markt schickt Aktienkurse potenzieller Ziele höher

Gentechnik-Unternehmen sind aktuell heiß begehrt. Erst in der Vorwoche verkündete Pharma-Riese Pfizer, dass man sich mit 15% an Vivet Therapeutics beteiligt habe und die Option besitzt, dass privat gehaltene Unternehmen komplett zu übernehmen.

Vorher sorgten die Übernahmen von Spark Therapeutics durch Roche sowie die Nightstar Therapeutics-Übernahme durch Biogen für Aufsehen. Aufgrund der hohen Schlagzahl wird erwartet, dass das hohe Deal-Tempo zunächst anhält. Dies zur Freude der Aktionäre von Gentechnik-Unternehmen, die zuletzt hohe Gewinne erzielten, auch wenn es noch nicht zur Übernahme-Ankündigung kam.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.